Honig mit bitterem Beigeschmack

Seit rund 100 Millionen Jahren bestäuben Bienen die verschiedensten Blütenpflanzen und produzieren nebenbei wertvollen Honig. Doch jetzt scheint die natürliche Süße so bedroht wie nie zuvor: Bienensterben in den USA, Antibiotika-Rückstände im Honig sowie genetisch manipulierte Pflanzen zerstören die Qualität des Naturprodukts.

Antibiotika im Honig - Gentechnik

Weltweit sind die Schweizer die größten Honigschlecker. Im Schnitt verzehren sie Rund 1,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr. In Deutschland liegt der Verbrauch pro Person bei etwa einem Kilogramm Honig jährlich. Doch das meiste davon, etwa 80 Prozent, kaufen unsere Firmen im Ausland ein - zum Leidwesen der heimischen Imker. Pro Jahr importiert Deutschland etwa 85.000 bis 100.000 Tonnen Honig aus aller Herren Länder. Hauptexportländer sind Argentinien, Mexiko, Brasilien,Uruguay, Chile, Rumänien und neuerdings sogar Indien. Auch die deutsche Bioindustrie kauft Honig in großen Mengen aus Übersee, vorwiegend aus Lateinamerika und Asien.

Antibiotika-Rückstände im Honig weltweit ein Problem

Als im Jahr 2000 Schweizer Untersuchungsämter das Antibiotikum Streptomycin in Honig aus Mexiko fanden, nahmen sie die Importe genauer unter die Lupe. Ergebnis: In 10 von 36 Proben von Importhonig waren Spuren des im Honig verbotenen Streptomycin nachweisbar. Und weil chinesischer Honig im Jahr 2002 stark mit verbotenen Antibiotika wie dem krebserregenden Chloramphenicol belastet war, verhängte die Europäische Union ein bis 2004 andauerndes Einfuhrverbot. Die chinesischen Importe fielen drastisch von über 7000 Tonnen auf heute rund 1000 Tonnen jährlich. Im vergangenen Jahr ordnete die EU einen bis heute geltenden Importstopp für brasilianischen Honig wegen mangelnder Rückstandskontrollen an. "Gegenwärtig ist die Antibiotikabelastung des Honigs das größte Problem für den Welt-Honighandel. Obwohl der Einsatz von Antibiotika zur Bekämpfung von Bienenseuchen in der Schweiz verboten ist, enthalten 6 bis 9 Prozent des Schweizer Honigs Antibiotikarückstände", schreibt das Zentrum für Bienenforschung in Genf.

Doch wie kommen Antibiotika wie Tetracyclin oder Nitrofurane in den Honig? Wie alle Lebewesen, können auch Bienen erkranken. Imker fürchten besonders Krankheiten wie Faulbrut oder den Befall mit Milben und Wachsmotten. Dazu ist in manchen Ländern der Einsatz von chemischen Keulen erlaubt. Sie werden in der EU zwar hergestellt, dürfen aber in Europa nicht angewendet werden. So sind Nitrofurane seit 1995 in der EU generell verboten, weil sie als Krebs erregend und Erbgut schädigend gelten. In Südamerika sind sie jedoch weiterhin erlaubt. Weitere Kontaminationsquellen sind Wiesen, Felder und Obstplantagen, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. Selbst Biohonige können mit dem Antibiotikum Streptomycin in unerlaubter Höhe belastet sein, wenn die Bienen an einer konventionellen, mit Streptomycin behandelten Obstplantage genascht haben. Auch bedenkliche Abbauprodukte (Sulfanilamide) des Herbizids Asulam, das zur Bekämpfung von Sauerampfer eingesetzt wird, können sich am Ende im Honig wiederfinden. Bioimker dürfen ihre Bienenstöcke zur Honiggewinnung oder Bestäubung zwar nicht gezielt in konventionelle Intensiv-Obstkulturen setzen. Aber Honigbienen können mehrere Kilometer weit fliegen und ein Bienenvolk beweidet eine Fläche von bis zu 160 Quadratkilometern.

Honig-Kontamination: Bienen machen vor Genpollen nicht halt

Ein weiteres Problem bei Honig ist die Kontamination mit Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen. Die fleißigen Insekten können nicht unterscheiden, ob eine Blüte genetisch manipuliert ist oder nicht. Deshalb setzen sich Imker besonders vehement gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft ein. Sie befürchten, dass sich ihr Honig nicht mehr verkaufen lässt, wenn sich Genpollen nachweisen lassen. In Kanada beispielsweise, wo schon seit einigen Jahren großflächig Gen-Raps angebaut wird, sind Honige bereits mit Pollen der Gen-Rapsblüten kontaminiert. Richtig gefährlich für die Insekten ist Gen-Mais: Bienenvölker, die im Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Bt-Pollen gefüttert wurden, zeigten teilweise eine verringerte Brutaufzucht.
Ob der in Nordamerika angebaute genetisch manipulierte Mais oder Raps für das in diesem Jahr aufgetretene massenhafte Sterben ganzer Bienenvölker in den USA verantwortlich ist, kann noch niemand sagen. Forscher der Pennsylvania State University vermuten einen Virus als Ursache. Doch auch Pestizide und andere Umweltgifte könnten dabei nach Meinung der Wissenschaftler eine Rolle spielen. Auch in Deutschland kam es in den vergangenen Jahren zu einem Massensterben der Bienen in den Wintermonaten - zuletzt 2006. Als Hauptursache sehen Fachleute einen starken Befall mit der Varoamilbe, ein Parasit, der Larven und erwachsene Bienen gleichermaßen schädigt. Demeter-Imker Günter Friedmann hat für das Bienensterben noch eine andere Erklärung: "Durch die intensive Landwirtschaft herrscht in einer weitgehend ausgeräumten Feldflur Mangel an Nektar und vor allem an Blütenpollen für die Insekten." Dadurch würden sie geschwächt und anfälliger für Krankheiten. Das Nahrungsangebot für Honigbienen und andere Insekten habe sich vor allem dadurch verschlechtert, dass es kaum noch blühende Wiesen gebe. Die Bauern setzten zunehmend Silage statt Heu ein und mähten die Wiesen meist vor der Blüte, klagt Friedmann. In den Feldkulturen fänden die Bienen durch die chemische Unkrautbekämpfung ebenfalls keine Nahrungsquellen mehr.

Honig ist nicht gleich Honig

Bienenhonig ist folglich allzu häufig kein reines Naturprodukt mehr, auch wenn es auf der Verpackung steht. Es kommt auf den Imker an, wie er seine Bienenvölker behandelt und wo er seine Tiere weiden lässt. Das gilt auch für Biohonig. Es gibt viele deutsche Imker, die nicht Mitglied in einem Bioverband sind und trotzdem Honig auf ökologische Weise herstellen. Damit sich etwas in der Behandlung der Bienenvölker und der Herstellung von Honig ändert, sind auch die Verbraucher gefragt. Ein regional erzeugter Honig, direkt vom Imker ist in jedem Fall einem Honig aus dem Supermarkt vorzuziehen. Er hat auch eine bessere Ökobilanz als importierter Biohonig, der bereits Tausende von Transportkilometern auf dem Buckel hat und überdies zur Haltbarkeit hoch erhitzt sein kann.

Quelle: Suchanek, N.: UGB-FORUM 6/07 S. 308-309

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