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Lassen sich Allergien mit IgG-Tests nachweisen?

Bei Verdacht auf eine Allergie wird Betroffenen immer häufiger ein Bluttest der Immunglobuline G angeboten. Doch als alleinige Methode ist dieser IgG-Test absolut ungeeignet, um eine Allergie herauszufinden.

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf bestimmte körperfremde Substanzen der Umwelt. Dies können Proteine tierischer oder pflanzlicher Herkunft sein, beispielsweise aus Lebensmitteln, Blütenpollen oder Insektengiften. Um eine Allergie sicher zu diagnostizieren, bedarf es mehrerer Schritte. Nach einer ausführlichen Anamnese wird ein Hauttest durchgeführt. Dabei lösen die zutreffenden Allergene eine Schwellung oder Rötung der Haut aus. Unterstützend dazu kann auch die Konzentration der bestimmten IgE im Blut bestimmt werden. Diese sagt allerdings ebenso wie der Hauttest nur aus, ob der Patient sensibilisiert ist, nicht jedoch ob es auch zu allergischen Symptomen kommt. Bei Nahrungsmittelallergien gilt daher einzig der orale Provokationstest als wissenschaftlich aussagefähig. Dabei muss der Betroffene zunächst eine allergenarme Diät einhalten. Anschließend werden nach und nach verdächtige Nahrungsmittel eingeführt und die Reaktion des Betroffenen beobachtet. Mit einer Bestimmung der IgG-Werte im Blut lässt sich eine echte Allergie nicht erkennen. Denn erhöhte IgG-Werte können auch eine ganz normale Antwort des Immunsystems auf bestimmte Nahrungsbestandteile sein. Sie treten bei 10-40 Prozent aller Erwachsenen auf. Mehrere Studien zeigen, dass Allergiker ähnliche IgG-Spiegel haben wie gesunde Menschen. Die Bestimmung der IgG kann höchstens die Diagnose von sehr seltenen Reaktionen unterstützen, die bei Allergien auf Arzneimittel und Nahrungsmittelzusatzstoffe auftreten können. Der Ärzteverband deutscher Allergologen und andere Expertengruppen raten dringend davon ab, aufgrund eines IgG-Tests auf angeblich verdächtige Lebensmittel zu verzichten. Unter Umständen werden Reaktionen auf über 50 verschiedene Lebensmittel festgestellt. Streicht man diese Lebensmittel ersatzlos vom Speiseplan, kann es zu Mangelernährung kommen.

Literatur:
ÄRZTEVERBAND DEUTSCHER ALLERGOLOGEN. Allergologenverbände warnen vor unseriösem Test auf IgG. Patientenabzocke durch sinnlose Allergietests. www.Aeda.de, 2004 (eingesehen am 10.08.2007)

BIRCHER AJ u. a. Stellenwert und Indikation der Bestimmung spezifischer IgE- und IgG-Antikörper in der Allergiediagnostik. Allergologie, 25 (6), 338-340, 2002

CYTO LABOR- UND VERTRIEBS-GMBH. Der Cytolisa-Test. Nahrungsmittel-Immundiagnostik. www.cytolisa.de/cytolisa_kosten.html, 2004 (14.08.2007)

JÄGER L. Pathogenese. Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen. Immunologie, Diagnostik, Therapie, Prophylaxe. 2. Aufl, Urban & Fischer, München, Jena 2002

SCHIERL R, PAUL S. Gesunde Ernährung kann Sie krank machen. Nahrungsmittelallergien Typ III. www.imupro.de/website/root/index.php?page_id=5, 2007 (eingesehen am 13.08.2007)

WÜTHRICH B, BALLMER-WEBER BK. Diagnostik. Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen. Immunologie, Diagnostik, Therapie, Prophylaxe. 2. Aufl, Urban & Fischer, München, Jena 2002

Stand: 2007

Weitere Informationen finden Sie hier:
Gut essen – bei Lebensmittelunverträglichkeiten
Allergien und Säure-Basen-Haushalt – was tun?



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