Das ist mein Beruf!

Die gelernte Bürokauffrau Astrid Bunge lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Dresden. Nachdem sie ihre Stellung wegen der Geburt ihres dritten Kindes verlor, hat sie sich als Fachberaterin für Säuglings- und Kinderernährung fortgebildet und selbstständig gemacht.

Gesundheitsförderung,Fastenleiter, Kochkurse

Meine berufliche Laufbahn habe ich mit einer Ausbildung als Bürokauffrau während der Wendewirrzeiten begonnen. Spaß hat mir dieser Beruf nie gemacht. So habe ich schnell angefangen, nebenbei zu arbeiten und nebengewerblich eine Modeagentur geführt. Das entsprach meinen Neigungen. Aus heutiger Sicht betrachtet war es aber vor allem die Selbstständigkeit, die mich vorantrieb. Meinen Hauptberuf übte ich im Arbeitsamt aus, was mir den Ausgleich zur Spaßgesellschaft brachte. Nachdem ich meinen späteren Mann kennen lernte und schwanger wurde, musste ich meine Selbstständigkeit aufgeben und fand als Vorstandsassistentin in einem IT-Unternehmen eine neue berufliche Herausforderung. In der Schwangerschaft mit meinem dritten Kind wurde mir durch die Geschäftsleitung mitgeteilt, dass man mit drei Kindern nicht arbeiten könne und ich wurde gekündigt mit der Bitte, doch weiterhin ehrenamtlich für meine damalige Chefin weiterzuarbeiten. Das wollte ich nicht - nicht für sie.

Doch was nun? Wie sollte es weitergehen? Der neue Job musste mit meinen drei Kindern vereinbar sein. Meine neue Motivation war geboren: Ich wollte eine Betreuung für Kinder anbieten, die bei mir ein Mittagessen bekommen und im Anschluss ihre Hausaufgaben bei mir machen können. Dazu wollte ich die ehemalige Küche einer Kindertagesstätte nutzen. Der bürokratische Kraftakt war immens und mir fehlte das nötige Wissen, für Kinder über lange Zeit eine ausgewogene Mittags- und Vespermahlzeit auf den Tisch zu bringen.

"Die UGB-Ausbildungen waren mein Sprungbrett in die Selbstständigkeit."

Ich brauchte eine Weiterbildung als beruflichen Quereinstieg, die mir in kurzer Zeit so viel Wissen wie möglich und nötig vermitteln konnte, ohne jahrelange Ausbildungszeiten. Eine Ausbildung zur Tagesmutter war schnell organisiert. Der Bildungsträger war offen für Neues und unterstützte mich, wo er konnte mit praktischen Tipps und Hinweisen. Jetzt fehlte mir noch die küchenpraktische und ernährungstheoretische Ausbildung. Wer viel über sich und was er vorhat spricht, bekommt viele Antworten. So erfuhr ich irgendwann vom UGB. Das Internet half mir schnell weiter. Ein Anruf in der UGB-Akademie bei Lisa Vogel weckte spontane Sympathie zum UGB und die Buchungen für den Gesundheits-Trainer Bereich Ernährung und die Fachberaterin für Säuglings- und Kinderernährung waren getan.

Meine beiden Kleinen waren damals erst drei und vier Jahre alt, die erste Woche beim UGB-Seminar am Edersee war meine erste Trennung von zu Hause. Die Dozenten Hans-Helmut Martin und Lisa Vogel führten uns durch die Woche mit einer Begeisterung zum Thema, dass sogar mein Heimweh erträglich wurde. Ich habe mir ganz genau angesehen, wie die beiden das Thema vermitteln. Mir war klar, dass es für mich wichtig sein wird, die Menschen, für die ich meine Arbeit machen möchte, zu begeistern. Und Herr Martin hat mich begeistert! Zudem wurde mir in dieser Woche klar, dass ich hier eine Art Handwerk erlerne, nämlich das Kursegeben.

"Ich merkte, ich bin angekommen. Das ist mein Beruf!"

Leider habe ich in der Woche am Edersee erfahren, dass ich meine Kinderküche nicht eröffnen kann. Die Stadt, der die Küche gehört, wollte dieses Exempel nicht starten. Es kam der Einwand: "Was ist, wenn das mehrere wollen?" Es war schade, aber dann musste ich eben etwas anderes machen.
Zurück zu Hause habe ich eine Woche später meine Prüfung zur Tagesmutter mit dem Thema "Ernährung für Kinder im Alltag" mit Auszeichnung abgeschlossen. Wenige Tage danach kam der Anruf vom Leiter des privaten Fortbildungsinstituts, er möchte mich sprechen. Ich habe ihm mit meinem Thema gefallen, auch wie ich über dieses Thema gesprochen habe. Ich könnte doch für ihn Seminare leiten bei der Ausbildung für Tagesmütter. Zunächst war ich skeptisch. Beim UGB hatte ich ja gerade erst eine Grundlagenwoche hinter mir. Aber nein, er wollte mich, und zwar gleich. Also sagte ich zu. Ich fuhr nach Hause, habe an Herrn Martin gedacht und eine Gliederung erstellt, wie ich mir so einen Tag vorstelle. Die Präsentation meines Tagesseminars beim Institutsleiter erfolgte gleich am nächsten Tag. Er war zuversichtlich und so zog ich eine Woche später mit gepackten Kisten zu meiner ersten Klasse in Bautzen los.

UGB-Gesundheits-Trainerinnen sind als Kursleiter, Berater oder Dozenten tätig. Das schafft Zufriedenheit und sichert oft die Existenz. Vier Absolventinnen berichten von ihren Erfahrungen.

War das ein toller Tag! Den ganzen Tag konnte ich über mein Lieblingsthema sprechen. Die Frauen zeigten großes Interesse und ich spürte schnell: Ich bin angekommen. Das ist mein Beruf! Von nun an ging es von Seminar zu Seminar. Ich hielt Referate über die Ernährung von Kindern im Alltag, unter Berücksichtigung einer zeitgemäßen Ernährung, welche Bedeutung hat der Geschmack und was heißt eigentlich kindgerecht? In meinen Seminaren saßen auch Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen. So wurde ich oft gebeten, in der Kita einen Elternabend durchzuführen und zu den Kindern zu kommen. Ich sagte natürlich zu, weil die Arbeit mit Kindern ja mein eigentliches Ziel war.

Die Elternabende führe ich mit vielen Kostproben und Tipps für den Alltag durch. Gleichzeitig gehe ich regelmäßig zu den Kindern. Gestaffelt nach Altersstufen treffe ich mich mit maximal acht Kindern in der Küche der Kita und habe jede Woche eine andere Lebensmittelgruppe im Gepäck. Es wird gerührt, gekocht, gekostet, gesungen und überlegt, wo die Speisen herkommen und wie sie geerntet, gesammelt oder gekauft werden. Am Ende bekommt jedes Kind etwas mit, ob es der Gemüselutscher, die Tüte mit Drachenfutter oder das Kräutersäckchen für zu Hause ist. Wichtig ist mir, dass die Kinder außerhalb unseres Treffens über mich und das, was wir gemacht haben, noch einmal sprechen. Deshalb sind auch die Erzieherinnen gefragt. Beim Thema Getreide wird beispielsweise mittags das Märchen vom Hähnchen Schreihals vorgelesen oder sogar als Stehgreiftheater nachgespielt.

"Ein bisschen bin ich stolz auf das, was ich erreicht habe."

Ein bisschen bin ich stolz auf das, was ich erreicht habe. Im März 2010 erschien mein erstes Buch mit dem Titel "Kennen Sie Ihre Portionen?", eine zweite Auflage folgt. Meine Vortragsreihen und Seminare sind immer gut besucht, mein Kalender ist gefüllt bis zur Mutterschutzfrist. Im Dezember erwarte ich mein viertes Kind. Wie es danach weitergeht? Mal sehen, mir wird bestimmt nicht langweilig.

Quelle: A. Bunge. UGB-FORUM 4/2010, S. 169-171


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