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Kuhmilcheiweiß-Allergie

Bei einer Allergie auf ein oder mehrere Eiweiße der Kuhmilch reagiert das Immunsystem überempfindlich auf den Verzehr von Milch und Milchprodukten. Dies äußert sich individuell unterschiedlich meist durch Beschwerden im Magen-Darm-Trakt (Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall), an den Atmungsorganen (Husten, Schnupfen, Asthma) oder Reaktionen der Haut (Rötung, Pusteln, Juckreiz).

Die Kuhmilcheiweiß-Allergie tritt insbesondere in den ersten Lebensjahren auf und verliert sich häufig bis zum vierten Lebensjahr wieder. Etwa 3-7 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder leiden unter allergischen Reaktionen auf Kuhmilch, bei den Erwachsenen sind es nur noch 1-3 Prozent der Bevölkerung.

Verträglichkeit individuell unterschiedlich

Kuhmilch enthält etwa 25 verschiedene Eiweiße. Der größte Anteil mit 80 Prozent entfällt auf die Caseine. Die Molkenproteine wie z.B. Beta-Lactoglobulin und Alpha-Lactalbumin machen die restlichen 20 Prozent aus. Eine Kuhmilcheiweiß-Allergie kann prinzipiell gegen alle (ein oder mehrere) Eiweiße der Kuhmilch bestehen. Je nachdem, wie stark die allergische Reaktion ist und welche Eiweiße sie auslösen, ist die Verträglichkeit von Milchprodukten unterschiedlich.
Beta-Lactoglobulin und Alpha-Lactalbumin sind hitzeempfindlich und werden durch Kochen zerstört. Abgekochte Milch und alle daraus hergestellten Milchprodukte werden daher bei einer Allergie gegen diese Eiweiße vertragen. Auch bei der Herstellung von Käse, Joghurt und Quark werden die Eiweiße verändert, so dass durchaus kleine Mengen davon verträglich sein können. Anders sieht es bei den hitzestabilen Caseinen aus: Bei einer Allergie gegen diese Eiweiße werden meist gar keine Produkte aus Kuhmilch vertragen.
Zusätzlich müssen Caseinallergiker in der Regel auch auf Milchprodukte anderer Tierarten wie Ziege oder Schaf verzichten, da diese ebenfalls Caseine enthalten. Lactoglobulin-Allergiker können außerdem überempfindlich auf das Fleisch der milchproduzierenden Tierart reagieren. Die sehr fettreichen Milchprodukte wie Butter, Sahne oder Crème fraîche enthalten nur wenig Eiweiß und rufen daher bei einigen Kuhmilcheiweiß-Allergikern keine allergischen Reaktionen hervor.
Generell gilt immer, die individuell unterschiedliche Verträglichkeit von Milch und Milchprodukten vorsichtig mit kleinen Lebensmittelmengen zu testen.

Augen auf beim Lebensmittelkauf

Milcheiweiß kommt nicht nur in Milch und Milchprodukten vor, sondern kann auch in diversen Fertigprodukten wie Wurstwaren, Feinkostsalaten, Dressings, Backwaren, Süßwaren, Desserts, Speiseeis und Brotaufstrichen enthalten sein. Falls Sie bereits auf Spuren von Milcheiweiß allergisch reagieren, sollten Sie beim Einkauf das Zutatenverzeichnis genau studieren.
Milcheiweiß kann sich hinter verschiedenen Bezeichnungen wie Milch (-pulver, -eiweiß, -protein), Molke (-pulver, -eiweiß, -protein), Kondensmilch, Buttermilch, Joghurt, Kefir, Schwedenmilch, Dickmilch, Quark, Sahne, Rahm, Schmand, Crème fraîche, Butter, Käse, C(K)asein, C(K)aseinate, Milchzucker und allen Begriffen mit der Vorsilbe Lac(k)t- wie Lac(k)toglobulin oder Lac(k)talbumin verstecken. Leider müssen die Hersteller nicht immer alle Bestandteile eines Lebensmittels im Zutatenverzeichnis deklarieren. So muss beispielsweise der Milchanteil von Schokoladestückchen in Keksen nicht auf der Liste aufgeführt sein. Besser deklariert sind in der Regel die Produkte im Naturkostfachgeschäft oder Reformhaus. Hier finden Sie auch Hilfe durch geschultes Fachpersonal und eine Reihe von Spezialprodukten für Allergiker.

Nährstoffversorgung decken

Milch und Milchprodukte enthalten wichtige Nährstoffe wie Protein, Calcium und die Vitamine B2, B12 und D. Aber auch ohne Milch und Milchprodukte können Sie mit einer ausgewogenen, vollwertigen Ernährung Ihren Bedarf an diesen Nährstoffen decken. Greifen Sie bei der Lebensmittelauswahl bewusst zu calciumreichen Lebensmitteln, denn pro Tag sollten Sie 1000 bis 1200 mg Calcium aufnehmen. Zu den calciumreichen Lebensmitteln zählen grüne Gemüsearten und Kräuter wie Brokkoli, Grünkohl, Fenchel, Petersilie oder Brunnenkresse. Auch bestimmte Obstarten wie Beeren, Orangen oder Feigen können zu Ihrer täglichen Calciumaufnahme beitragen. Außerdem fördern die in Obst und Obstsäften vorkommenden Fruchtsäuren und der Fruchtzucker die Calciumaufnahme in den Körper.

1000 mg Calcium sind z. B. enthalten in:
1 l
300 g
150 g
60 g
100 g
30 g
Mineralwasser (sehr Ca-reich)
Grünkohl (roh)
Vollkornbrot (3 Scheiben)
Brombeeren
Orange o. Schale (1 Stück)
Haselnüsse
300 mg Ca
636 mg Ca
63 mg Ca
26 mg Ca
42 mg Ca
68 mg Ca
1135 mg Ca

Mit Mineralwasser können Sie Ihren Calciumhaushalt ebenfalls auf Vordermann bringen. Bevorzugen Sie Sorten mit einem möglichst hohen Gehalt an diesem Mineralstoff (> 150 mg Ca/l). Es gibt Mineralwässer, die mit über 400 mg Calcium pro Liter sogar besonders calciumreich sind.
Gönnen Sie sich ein- bis zweimal pro Woche fetten Fisch wie Lachs oder Hering. Sie enthalten reichlich Vitamin D, das sich positiv auf die Calciumaufnahme auswirkt. Dieses Vitamin finden Sie außerdem in geringer Menge in manchen Pilzen wie Champignons, Morcheln, Pfifferlingen und Steinpilzen sowie in Eiern, Butter und Margarine. Vitamin D kann Ihr Körper aber auch mit Hilfe von UV-Strahlen (Sonnenlicht) in der Haut selbst bilden. Daher sollten Sie häufig an die frische Luft gehen. Schränken Sie den Konsum oxalsäurereicher Lebensmittel wie Spinat, Mangold, Rhabarber oder Kakao möglichst ein. Oxalsäure bindet Calcium im Darm, so dass es dem Körper nicht mehr zur Verfügung steht. Auch Phosphat bildet mit Calcium Komplexe. Daher sollten Sie den Verzehr phosphatreicher Lebensmittel wie Wurst, Cola, Schmelzkäse oder Tiefkühl-Backwaren ("ofenfrische Backwaren") einschränken. Die Phytinsäure, die in den Randschichten von Getreidekörnern und Hülsenfrüchten vorkommt, kann sich ebenfalls negativ auf die Calciumversorgung auswirken. Verzichten Sie deshalb aber nicht auf Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, -nudeln oder Naturreis. Denn diese liefern andere wichtige Nährstoffe, die Sie brauchen. Reine Kleieprodukte wie Weizenkleie oder Kleietabletten sollten Sie aber auf jeden Fall meiden. Essen Sie nicht jeden Tag Fleisch oder Fleischwaren. Denn eine übermäßige Eiweißzufuhr erhöht die Calciumausscheidung mit dem Urin. Auch ein Zuviel an Kaffee oder Schwarztee hat den gleichen Effekt. Mehr als zwei bis drei Tassen täglich sollten Sie davon nicht trinken. Alkohol und Kochsalz steigern ebenfalls die Ausscheidung von Calcium mit dem Urin. Gönnen Sie sich deshalb nur gelegentlich mal ein Gläschen Wein oder Bier und versuchen Sie, beim Kochen und am Tisch möglichst wenig zu salzen. Vorsicht ist auch bei Fertigprodukten geboten, denn diese enthalten meist sehr viel Kochsalz.

Lebensmittel mg Ca/100 g
Getreide/Hülsenfrüchte
Amaranth
Bohnen, weiß
Kichererbsen
Sojabohnen
Tofu
214
113
124
201
105
Gemüse/Kräuter
Brokkoli
Fenchel
Grünkohl
Brunnenkresse
Löwenzahnblätter
Petersilienblätter
Schnittlauch
105
109
212
180
158
245
129
Obst
Orangen
Feigen
Brombeeren
Himbeeren
Johannisbeeren, schwarz
42
54
44
40
53
Nüsse/Ölsamen/-früchte
Haselnüsse
Mandeln
Sesam
226
252
783

Bei speziellen Fragen zur Ernährung bei Kuhmilcheiweiß-Allergie, z. B. für Säuglinge, wenden Sie sich an die Ernährungsberaterin Ihrer Krankenkasse oder einen der folgenden Verbände:

Allergie- und umweltkrankes Kind e. V., Bundesverband, Westerholterstr. 142, D-45892 Gelsenkirchen-Buer, Tel. 0209-30530, Fax 0209-369300

Allergieverein Europa (AVE): Geschäftsstelle: Marienstr 57, D-99817 Eisenach, Tel. + Fax 03691-43088; Telefonauskunft: AVE Büro Fulda, Tel. 0661-71003, Fax 0661-71019

Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB), Bundesgeschäftsstelle: Hindenburgstr. 110, D-41061 Mönchengladbach, Tel. 02161-183024, Fax 02161-208502; Beratungsstelle: Tel. 02161-10207

Weitere Informationen finden Sie hier:
Gut essen – bei Lebensmittelunverträglichkeiten
Allergien und Säure-Basen-Haushalt – was tun?

Stand 2001



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