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Kaffee: Wie viel ist schädlich?

Einen moderaten Kaffeekonsum von bis zu vier Tassen stufen Experten als unbedenklich ein. Kinder und Schwangere sollten coffeinhaltige Getränke möglichst meiden, da die Langzeitrisiken nach wie vor kontrovers diskutiert werden.

Über Kaffee kursieren viele Gerüchte: Er sei ein Flüssigkeitsräuber, schade dem Herz und reize den Magen. Neuere Studien rücken das Bild des beliebten Getränks in ein günstigeres Licht. Einen Freifahrtschein für unbegrenzten Kaffeegenuss stellen die Experten aber nicht aus. Die meisten Effekte des Kaffees beruhen auf Coffein. Das Alkaloid wirkt im menschlichen Organismus anregend auf das Herz-Kreislauf-System, das Zentralnervensystem und die Nierenfunktion. Eine Tasse Kaffee mit 150 Millilitern enthält etwa 100 Milligramm Coffein. Vergiftungserscheinungen wie Herzrasen, Hör- und Sehstörungen sind erst ab einer Dosis von ca. 1,5 Gramm zu erwarten, was etwa 15 Tassen Kaffee entspricht. Symptome wie Nervosität, Erregung, Schlaflosigkeit, Arrhythmie und psychomotorische Unruhe können bei empfindlichen Personen jedoch schon durch geringe Mengen ausgelöst werden.

Lange Zeit wurde Kaffee wegen seiner harntreibenden Wirkung als Flüssigkeitsräuber bezeichnet. Neuere Studien zeigen jedoch, dass sich Kaffee nicht negativ auf die Wasserbilanz auswirkt. Coffein steigert zwar die Durchblutung des Nierenmarks und hemmt die Rückresorption von Natrium in den Nieren, so dass mehr Wasser ausgeschieden wird. Diese Effekte werden jedoch vor allem bei regelmäßigem Kaffeekonsum vom Körper ausgeglichen. Menschen mit gestörtem Durstempfinden wie Senioren oder mit hohen Wasserverlusten wie Sportler sollten Kaffee jedoch nicht zum Durstlöschen trinken. Wie sich Coffein auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt, wird nach wie vor widersprüchlich diskutiert. Obwohl Coffein akut den Blutdruck erhöhen kann, scheint es langfristig keinen Bluthochdruck zu verursachen. Auch ein Zusammenhang zu Diabetes Typ 2 ist nicht geklärt. Bei Schwangeren, die viel Kaffee trinken, besteht nach wie vor der Verdacht, dass Coffein eine Frühgeburt oder Untergewicht beim Neugeborenen und in hohen Dosen Erbgutschäden beim Ungeborenen herbeiführen kann.

Neben Coffein enthält Kaffee weitere sekundäre Pflanzenstoffe, die auf den Organismus wirken. Die Chlorogensäuren sind antioxidativ und können der Entstehung von Krebs vorbeugen. In ungefiltertem Kaffee finden sich die Diterpene Cafestol und Kahweol, die bei regelmäßigem, hohem Kaffeekonsum von etwa sechs Tassen pro Tag das Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie das Homocystein im Blut erhöhen können. Möglicherweise sind diese und andere antioxidativ wirksame Inhaltsstoffe des Kaffees aber auch für die beobachtete Schutzwirkung vor Leberzellkrebs oder Hepatitis verantwortlich.

Im Durchschnitt lassen sich die Deutschen etwa drei Tassen Kaffee pro Tag schmecken. Da hierbei auch Kinder und Nicht-Kaffee-Trinker miteinbezogen sind, ist der Verbrauch in Deutschland eher als zu hoch einzuschätzen. Gesunde Erwachsene sollten nicht mehr als vier Tassen täglich trinken. Kinder, Schwangere und Stillende sowie Personen mit Blaseninkontinenz oder Herzrhythmusstörungen sollten so wenig coffeinhaltigen Kaffee wie möglich aufnehmen.

Literatur:
ADAM O. Auswirkungen des Kaffeetrinkens auf die Flüssigkeitsbilanz. Ernährungs-Umschau 52 (1), 14-17, 2005

BRAVI ET AL. Coffee drinking and hepatocellular carcinoma risk: a meta-analysis. Hepatology 46, 430-435, 2007

GAETA N. Sind coffeinhaltiger Tee und Kaffee als Durstlöscher geeignet? UGB-Forum 18 (6), 327, 2001

PARAZZINI F et al. Maternal coffee drinking in pregnancy and risk of small for gestational age birth. Eur J Clin Nutr 59, 299-301, 2005

PEREIRA MA et al. Coffee consumption and risk of type 2 diabetes mellitus. Arch Intern Med 166, 1311-16, 2006

WINKELMAYER WC et al. Habitual caffeine intake and the risk of hypertension in women. JAMA 294 (18), 2330-35, 2005

Stand: 2008



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