Mit fettreduzierten Produkten und Medikamenten locken Lebensmittel- und Pharmaindustrie Gesundheitsbewusste und Abnehmwillige. Kalorienarme Fettstoffe oder Antifettpillen wie Xenical sollen zu Idealgewicht und Gesundheit verhelfen. Doch nützen diese wirklich?

Im Handel finden sich inzwischen zahlreiche fettreduzierte Produkte. Es ist jedoch gar nicht so einfach, den kalorienreichen Nährstoff zu ersetzen. Denn Fett spielt vor allem wegen seiner sensorischen Eigenschaften eine wichtige Rolle. Es macht Desserts, Quark und Joghurt cremig-sahnig oder Schokolade zartschmelzend. Um diese Eigenschaften zu imitieren, setzt die Lebensmittelindustrie daher auf kalorienarme oder -freie Fettersatz- oder Fettaustauschstoffe.
MCT ist die Abkürzung für Medium Chain Triglycerides. In diesen Triglyceriden ist ein Glycerinmolekül mit drei Fettsäuren verbunden, die eine Kettenlänge von weniger als zwölf Kohlenstoffatomen haben - so genannte mittelkettige Fettsäuren. MCT werden vorwiegend aus Kokosöl gewonnen. Der Energiegehalt liegt zwischen 6 und 8,5 Kilokalorien pro Gramm. Mitunter werden sie als "leichte" Fette für Abmagerungskuren angepriesen.
Die in einigen Ländern als Lebensmittel zugelassenen strukturierten Triglyceride SALATRIM und Benefat sind kalorienreduzierte Glycerinverbindungen mit einem Energiegehalt von etwa fünf kcal/g. Sie werden in Knabbererzeugnissen und diätetischen Produkten verarbeitet. Für SALATRIM ist die Zulassung in der EU als neuartiges Lebensmittel beantragt. Verschiedene wissenschaftliche Studien bezweifeln allerdings, dass strukturierte Triglyceride und MCT-Fette helfen, das Körpergewicht zu vermindern - zumindest was den langfristigen Erfolg betrifft.
Als funktionelle Lebensmittel sind seit kurzem Diglyceride auf dem Markt, auch als Diacylglycerine, kurz DAG bezeichnet. Dabei ist ein Molekül Glycerin nur mit zwei Fettsäuren verestert. Gemischt mit Pflanzenöl werden Diglyceride kommerziell als "DAG Oil" angeboten, das als Diätfett zur Gewichtsreduktion empfohlen wird. In Japan haben die Gesundheitsbehörden solchen Produkten den FOSHU-Status (Food for Specified Health Use) zugebilligt. Das heißt, sie werden als Lebensmittel mit speziellem gesundheitlichen Nutzen anerkannt. In den USA erhielten die Öle den GRAS-Status (Generally Recognized As Safe). Das bedeutet, dass sie generell als sicher gelten. In Deutschland sind Diglyceride im Gemisch mit Monoglyceriden als Emulgatoren für die Verwendung in Lebensmitteln zugelassen. Sie verbergen sich hinter der E-Nummer 471. Der Emulgator Dur-Lo ist zum Beispiel ein solches Gemisch. Lebensmittelhersteller verwenden ihn als Ersatz für Backfette - so genannte Shortenings. Von diesem Produkt werden geringere Mengen benötigt als von üblichen Back- und Ziehfetten, um die Eigenschaften des Teigs zu verbessern. Auf diese Weise haben die Backwaren weniger Kalorien als die übliche Variante.
Ähnliche Effekte erreichen Food-Designer auch mit feinen quellfähigen Partikeln, etwa Z-Trim. Diese werden aus den Hüllen von Sojabohnen, Reis und Hafer mit einem speziellen Aufschlussverfahren hergestellt. Wässrige Gele aus Stärke-Verbindungen wie Maltodextrine aus Tapioca, Kartoffelstärke oder Maismehl werden zum Beispiel in emulgierten Soßen, Dressings, Milcherzeugnissen, Desserts, Brotaufstrichen, Bäckereiprodukten oder Eiscreme eingesetzt. Ihr Brennwert liegt bei etwa 0,9 kcal/g. Auf dem Markt finden sich beispielsweise Maltodextrine aus Tapiocastärke wie N-Oil und N-Lite, Paselli SAS aus Kartoffelstärke oder Maltrin und Stellar aus Maisstärke. Die Verwendung derartiger Gelbildner oder Verdickungsmittel ist in der Zusatzstoffzulassungs-Verordnung bzw. Zusatzstoffverkehrsordnung rechtlich geregelt.
Eine cremige Konsistenz lässt sich bei fettarmen Lebensmitteln aber auch durch technologische Tricks erzeugen. Dies erreichen die Produzenten beispielsweise durch das Einarbeiten von Luft oder Wasser oder den Einsatz von speziellen Kohlenhydrat-Fettgemischen und Emulgatoren. So sind Brotaufstrichsfette wie Halbfettmargarinen oder Mischfetterzeugnisse aus Butter und anderen tierischen oder pflanzlichen Fetten auf dem Markt, deren Fettgehalt zum Teil nur noch 25 bis 30 Prozent beträgt. Als Emulgator wird zum Beispiel Olibra verwendet. Dabei handelt es sich um eine wässrige Emulsion mit Palmöl und Lipiden aus Hafer, die sich unter anderem als Zusatz für Joghurts eignet. Das Kohlenhydrat-Fett-Gemisch Fantesk ist eine stabile Emulsion von Stärke und Wasser mit geringen Anteilen eines Öls. Es dient als Fettaustauschstoff für Milcherzeugnisse und Backwaren. Ein ähnliches Produkt, N-Flate, besteht aus einem Gemisch von Mono-und Diglyceriden, modifizierter Stärke und Guar-Gummi und wird wie Dur-Lo als Ersatz für Back- und Ziehfette eingesetzt. Bei diesen Produkten handelt es um US-amerikanische Entwicklungen. Inwieweit diese Stoffe in Deutschland oder der EU vertrieben werden, ist uns nicht bekannt.
In jüngster Zeit diskutieren Experten neue Behandlungsmethoden von Übergewicht und Adipositas. Eine Reihe von Verbindungen bieten aus ernährungsphysiologischer oder medizinischer Sicht interessante Ansatzpunkte. So zum Beispiel die konjugierten Linolsäuren, kurz CLA (Conjugated Linoleic Acids). Sie entstehen vor allem aus Linolsäure sowohl auf natürliche Weise als auch bei der lebensmitteltechnologischen Bearbeitung von Fetten und Ölen. Im Tierversuch führten CLA zu einer Abnahme der Fettreserven. Studien mit Testpersonen erzielten allerdings widersprüchliche Ergebnisse.
Ebenfalls erlaubt ist das Arzneimittel Reductil mit dem Wirkstoff Sibutramin. Allerdings wirkt es nicht im Verdauungstrakt, sondern direkt im Gehirn. Dort erzeugt es ein Sättigungsgefühl und verringert so die Nahrungsaufnahme. Auch das hormonartige Eiweiß Leptin steht in der Diskussion. Es kommt natürlicherweise im Körper vor. Eine hohe Konzentration im Blut signalisiert dem Gehirn, dass genügend Nahrung aufgenommen wurde. Derzeit werden Medikamente entwickelt, um therapeutisch in den Leptin-Stoffwechsel einzugreifen und so die Nahrungsaufnahme zu verringern.
Fettaustauschstoffe auf Kohlenhydrat- und Eiweißbasis gelten als unbedenklich. Dagegen warnen Experten vor den Gefahren durch Medikamente und künstliche Fettersatzstoffe. Diese können nicht nur zu Verdauungsstörungen führen, sondern vermindern auch die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und essenzieller Fettsäuren.
Außerdem ist umstritten, inwieweit die Verwendung von fett- und kalorienreduzierten Lebensmitteln sowie der Einsatz von Medikamenten bei Übergewicht und Adipositas helfen. Zwar lässt sich das Körpergewicht auf diese Weise zeitweilig deutlich reduzieren, doch wird bezweifelt, dass die Wirkung von Dauer ist.
Onlineversion von:
Weber, N.; Mukherjee, K.D.; Warwel, S.: UGB-Forum 4/02, S. 183-186| Zum Ausdrucken und/oder Abspeichern können Sie sich den Artikel hier auch herunterladen: Um das PDF aufzurufen, benötigen
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