Expertenstreit um Vitamin D

Im UGB-Forum 2/11 haben wir den Report des Institute of Medicine zu Vitamin D und Calcium vorgestellt. US-amerikanische Wissenschaftler kamen nach Durchsicht zahlreicher Studien zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Diabetes, Immunerkrankungen, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erwiesen sei. Diese Einschätzung rief heftige Empörung in der Wissenschaftswelt hervor.

Zahlreiche Experten kritisierten die Auswahl und Interpretation der Studien. Ihrer Meinung nach gibt es durchaus ausreichend Hinweise für eine Erhöhung des Risikos für oben genannte Krankheiten durch eine marginale Vitamin-D-Versorgung. Auch die Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, in Deutschland käme es selbst in den Wintermonaten nur selten zu gefährlichen Mangelzuständen, wurde angegriffen. Denn im Winter erreicht in Deutschland die für die Vitamin-D-Bildung nötige UVB-Strahlung die Erde nicht in ausreichendem Maß. In den Wintermonaten an die frische Luft zu gehen, bringe also für die Vitamin-D-Versorgung wenig. Eine Studie aus dem Jahr 2007 hat bei rund 21 Prozent der deutschen Erwachsenen in den Wintermonaten niedrige Blutspiegel für die Hauptform des zirkulierenden Vitamin D von unter 10 ng/ml gefunden. Wie hoch der optimale Blutwert sein sollte, ist umstritten. Während bislang ein Spiegel von 20-60 ng/ml als normal gilt, halten einige Wissenschaftler einen Wert von mindestens 30-40 ng/ml für nötig, um sich vor den genannten Erkrankungen zu schützen. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hat auf die Kritik reagiert, sie ist aber nach wie vor der Ansicht, dass es für gesunde Erwachsene ausreicht, in den Sommermonaten durch Aufenthalte in der Sonne Vitamin-D-Speicher anzulegen, um die strahlungsarmen Wintermonate zu überbrücken. Sie hält eine Einnahme von Vitamin-D-Präparaten nur in ärztlich begründeten Fällen für notwendig. Eine Vitamin-D-Gabe bei Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Krebs sei medizinisch nicht begründbar, so die Gesellschaft.

Literatur:
Heaney RP. Finding the appropriate referent for vitamin D. Public Health Nutr 14 (4), 749-50, 2011
Hintzpeter B et al. Vitamin D Status and Health Correlates Among German Adults. Europ J Clin Nutrition 62, 1079-82, 2007
Pietrzik et al. Handbuch Vitamine, S. 282f. Elsevier, München 2008
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) (Hrsg.)Vitamin D-Mangel in Deutschland oft überbewertet. Endokrinologen raten zum bewussten Umgang mit Vitamin D-Präparaten, 08.02.11
Boucher BJ, Giovannucci E, Gorham ED, Cannell J, Norman A W, Grant WB, Schwalfenberg GK, Hollis BW, Wagner CL, Heaney RP. Letters to the Editor: Vitamin D. Public Health Nutrition: 14 (4), 746–756, 2011

Quelle: UGB-Forum 3/11, S. 150



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