Länger jung durch Fasten?

Der Alterungsprozess, welcher bereits ab Mitte des 20. Lebensjahres beginnt, zeichnet sich durch verschiedene Veränderungen an allen Körpergeweben aus, welche zunächst zu einer Funktionseinschränkung und letztlich zur Zellzerstörung führen. Vortrag auf der UGB-Drei-Länder-Tagung, 08.-09.09.2006, Überlingen am Bodensee

Im einzelnen sind dies Erschlaffung von Haut und Bindegewebe, Entmineralisierung des Knochens, Gefäßverkalkung mit reduzierter Durchblutung aller Organe und damit Minderversorgung mit Nährstoffen sowie unvollständiger Abbau und Reparatur von Zellschäden. Die Leistungsfähigkeit des Immunsystems reduziert sich, was sich in vermehrter Infektanfälligkeit und zunehmenden Krebserkrankungen zeigt. Des weiteren lässt die Pumpleistung des Herzens nach. Die Muskelmasse nimmt ab zeitgleich mit einer Zunahme der Fettmasse, womit die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit allmählich nachlässt. Von psychisch-kognitiver Seite her treten Merkfähigkeitsstörungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Sexualstörungen und eine verminderte Stressanpassung auf.

Verantwortlich für Verschleißerscheinungen sind zum einen Änderungen im hormonellen Bereich. Hormonen wie DHEA, Wachstumshormon, Serotonin, Melatonin und den Geschlechtshormonen Östrogene, Gestagene und Androgene werden "verjüngende" Effekte zugeschrieben. Ausreichend produziert sorgen sie dafür, dass oben genannte Veränderungen nicht oder langsamer eintreten. Im Lauf des Lebens lässt die Produktion physiologischerweise allmählich nach oder versiegt gänzlich.

Alterungsbeschleunigende wirken des weiteren freie Radikale. Dies sind hochreaktive Substanzen, welche über Entzündungsreaktionen den allgemeinen Gewebeverschleiß fördern, ebenso wie AGE-Produkte, zellschädigende Verbindungen aus Zucker und Eiweiß. Hormone, welche Gewebsdegeneration fördern sind Adrenalin, Cortisol und Insulin, vor allem bei vermehrter Ausschüttung über einen längeren Zeitraum. In Abhängigkeit von der Lebensweise lässt sich die Produktion der genannten Stoffe steuern. Vor allem Nahrungsmenge und -zusammensetzung entscheidet über die Bildung alterungsfördernder oder alterungsverzögernder Substanzen.

Verschleißfördernde Erkrankungen sind Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Hyperlipidämie (vor allem gemeinsam als metabolisches Syndrom), Fehlernährung, Dauerstress und Bewegungsmangel.

Alterungsprozess verlangsamen durch intermittierendes Fasten

Die Geschwindigkeit des Eintretens und das Ausmaß von Alterserscheinungen ist zwar genetisch determiniert, lässt sich jedoch zu einem nicht unerheblichen Teil auch durch den Lebensstil beeinflussen. Neben Bewegung und Entspannung ist eine bezüglich Makro- und Mikronährstoffen ausgewogene Ernährung das wichtigste Instrument um länger jünger zu bleiben. Von Bedeutung ist auch die Gesamtkalorienzufuhr. Viele Studien an Tier und Mensch zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Nahrungsmenge, Lebenslänge und ?qualität. Kontinuierliche Nahrungsrestriktion oder regelmäßige Fastenphasen verlangsamen den Alterungsprozess, verschleißfördernde Substanzen werden in geringerem Maße produziert. Hierbei zeigt sich in mehreren Untersuchungen ein stärkerer Effekt des intermittierendes Fasten.

Die Wirkungen des Fastens sind folgende:

- im metabolischen Bereich: Gewichtsreduktion und damit einhergehend die Senkung von Blutzucker und Insulin, Blutdruck und Blutfetten, eine Ökonomisierung der Herzleistung und die Reduktion von freien Radikalen und AGEs, somit insgesamt Verlangsamung einer Arteriosklerose und Rückgang von Entzündungsparametern (TNFa, IL-6, NFkB), damit einhergehend weitere Veränderungen
- im immunologischen Bereich: verstärkte Tumor- und Infektabwehr, verbesserte DNA-Reparatur-Mechanismen und erhöhte Stressresistenz verschiedener Gewebe, positive Wirkungen auf das Darm-assoziierte Immunsystem
- im hormonellen Bereich: Erhöhung verjüngender Hormone wie DHEA, STH und Erniedrigung der Stress-Hormone Adrenalin und Cortisol
- im psycho-vegetativen Bereich: Verbesserung der Schlafqualität und der Tagesvigilanz, Anstieg des "Glücks-Hormones" Serotonin und dadurch Steigerung des Wohlbefindens und der Ausgeglichenheit und Leistungsfähigkeit.

Fazit: Durch regelmäßige jährliche Fastenwochen und einer damit einhergehenden gesünderen Lebensweise lassen sich viele Alterungsprozesse verlangsamen und abmildern, körperliches und psychisches Wohlbefinden bleibt bis ins Alter erhalten.

Literatur:
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- Michalsen A; Schlegel F et al Effects of short-term modified fasting on sleep patterns and daytime vigilance in non-obese subjects: results of a pilot study Annuals of Nutrition and Metabolism 2003;47(5):194-200
- Michalsen A. Klinik für Naturheilkunde und integrative Medizin Essen-Mitte Herz und Kreislauf im Fasten, 9. Überlinger Stoffwechseltagung Mai 2000

Anschrift der Verfasserin:
Dr. med. Martha Ritzmann-Widderich
Ärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und Ernährungsmedizin
D-78628 Rottweil Hochbrücktorstraße 22
www.praxis-widderich.de

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