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Kann Arteriosklerose durch eine Infektion ausgelöst werden?

Einige Studien deuten darauf hin, daß eine Infektion mit dem Bakterium Chlamydia pneumoniae Entzündungen in den Blutgefäßen hervorruft, die möglicherweise zu Arteriosklerose führen.

Arteriosklerose - Definition/Symptome

Als Arteriosklerose oder auch Gefäßverkalkung bezeichnet man eine langsam fortschreitende, krankhafte Veränderung der Gefäßwände. Wie diese genau entsteht, ist nur unzureichend geklärt. Wahrscheinlich beginnt die Arteriosklerose damit, daß die Innenhaut der Arterien geschädigt wird und sich Fette, vorwiegend Cholesterin und Cholesterinester, einlagern. Als Folge davon vermehren sich Muskelzellen und Bindegewebsfasern in der Gefäßwand, so daß sich die Arterien verdicken und verhärten. Insgesamt bezeichnet man diese Ablagerungen als Plaques. Die Plaques breiten sich immer mehr aus und bewirken eine Verengung der Blutgefäße, die zu einem völligen Verschluß führen kann. Besonders betroffen sind die Arterien des Herzmuskels, des Gehirns, der Nieren und der Beine. Von Arteriosklerose betroffene Organe werden unzureichend durchblutet und mangelhaft mit Sauerstoff versorgt. Es kann zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Schmerzen in den Beinen und Nierenunterfunktion kommen. Als Ursache für diese Erkrankungen gilt neben dem natürlichen Alterungsprozeß unsere westliche Lebensweise.

Arteriosklerose: Können Antibiotika helfen

Eine neue Theorie sieht einen möglichen Zusammenhang zwischen Arteriosklerose und einer Infektion mit Chlamydia pneumoniae. Da die winzigen Bakterien nicht in der Lage sind, energiereiche Verbindungen zu bilden, befallen sie fremde Körperzellen. Beim Menschen ist eine Infektion der Atemwege bekannt, die in der Regel sehr schwach verläuft. Der Erreger ist weltweit verbreitet und wird von Mensch zu Mensch übertragen. Etwa jeder Zweite kommt im Laufe seines Lebens mit ihm in Berührung. Wissenschaftler entdeckten die Bakterien auch in Gewebeproben von arteriosklerotischen Plaques. Sie vermuten daher, daß der Erreger die Gefäßkrankheit auslösen kann. Zur Zeit ist es umstritten, ob Chlamydia pneumoniae tatsächlich Arteriosklerose verursacht, den Krankheitsverlauf beschleunigt oder nur ein Begleitphänomen darstellt. Die Befürworter der Infektions-Theorie schlagen vor, Arteriosklerose mit Antibiotika zu behandeln. Ob Antibiotika bei einer Gefäßverkalkung tatsächlich helfen, muß jedoch erst in umfangreichen Studien geprüft werden.

LITERATUR:
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LÜDERITZ, B.: Ist die Koronarsklerose eine Infektionskrankheit? In: Deutsches Ärzteblatt 18, S. 950-951, 1997
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MARRE, R.; ESSIG, A.: Diagnostik und Therapie von Chlamydieninfektionen. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift 122 (31/32), S. 971-975, 1997
N.N.: Die Indizienkette wird zunehmend dichter. In: Deutsches Ärzteblatt 18, S. 944-946, 1997
SCHATTENFROH, S.: Die These ist alt, der Erreger ist neu: Arteriosklerose eine Infektionskrankheit? In: Deutsche Medizinische Wochenschrift 122 (16), S. 7-8, 1997
SCHATTENFROH, S.: Arteriosklerose-Erregern auf der Spur. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift 122 (41), S. A9-A10, 1997
STILLE, W.: Arteriosklerose - eine Infektion durch Chlamydia pneumoniae. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift 122 (36), S. 1086-1091, 1997
WOLFRAM, G.: Chlamydien und Arteriosklerose. In: Ernährungs-Umschau 45 (1), S. B1-B4, 1998

Quelle: UGB-Forum 5/98, S. 292

Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

Wir weisen darauf hin, dass die Inhalte durch neue wissen­schaft­liche Erkennt­nisse möglicher­weise neu bewertet werden müssen.

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