Neurodermitis: Wenn die Haut überreagiert

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem genannt, ist eine nicht ansteckende Hautkrankheit, die mit starkem Juckreiz verbunden ist. In Deutschland leiden etwa 10-12 Prozent aller Kinder an dieser Erkrankung, die Zahl der betroffenen Säuglinge nimmt in erschreckendem Maße zu.

Bei Erwachsenen ist Neurodermitis mit unter einem Prozent deutlich seltener. Die Haut des Neurodermitikers reagiert empfindlich auf viele Umweltreize, die von gesunder Haut problemlos vertragen werden. Das Ausmaß der Krankheit ist individuell sehr unterschiedlich und reicht von wenigen, leicht juckenden und geröteten Bereichen bis zum ständig aufgekratzten und unerträglich juckenden, entzündeten Hautekzem.

Ursachen noch unbekannt

Neurodermitis kann in jedem Alter auftreten, betroffen sind aber hauptsächlich Kinder. Über zwei Drittel erkranken bereits im ersten Lebensjahr. Bei vielen heilen die Symptome im zweiten Lebensjahr wieder ab. Im weiteren Verlauf besteht die Chance, daß sich die Haut während der Pubertät oder nach dem 30. Lebensjahr bessert.

Wieso diese Erkrankung heute so häufig auftritt, ist trotz umfangreicher Forschung noch ungeklärt. Sicher aber ist, daß es sich nicht nur um eine Ursache handelt, sondern daß viele Faktoren eine Rolle spielen. Einen entscheidenden Einfluß haben die Erbanlagen. 50-70 Prozent der Betroffenen stammen aus Familien, in denen es bereits Allergiker gibt. Dabei wird nicht die Krankheit selbst vererbt, sondern nur die Bereitschaft eine solche Erkrankung zu entwickeln. Oft leiden Neurodermitiker gleichzeitig an anderen allergischen Erkrankungen, z. B. an allergischem Schnupfen, allergischer Bindehautentzündung oder allergischem Asthma. So entwickelt etwa ein Drittel aller neurodermitischen Kleinkinder später auch Asthma, und ebensoviele bekommen Heuschnupfen. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt, je früher die Neurodermitis aufgetreten ist. Während die Hauterscheinungen mit zunehmendem Alter abnehmen, bleibt das Asthma oder der Heuschnupfen in der Regel bestehen.

Bei 80-90 Prozent der Neurodermitis-Patienten ist zudem das Immunsystem gestört. Es bildet zu viele IgE-Antikörper, wodurch es zu Überreaktionen des Immunsystems kommt.Einige Neurodermitiker zeigen auch Störungen im Fettsäurestoffwechsel. Bei diesen Patienten kann eine Therapie mit Gamma-Linolensäure Erfolg haben.

Mögliche Allergene meiden

Damit Neurodermitis zum Ausbruch kommt, bedarf es neben der genetischen Veranlagung bestimmter Auslöser. Dazu zählen körperliche und psychische Faktoren, aber auch das Umfeld spielt eine Rolle. Bei einigen Neurodermitikern stehen Allergien z. B. gegen Nahrungsmittel, Pollen oder Hausstaub im Vordergrund, bei anderen sind es psychische Belastungen. Auch physikalische und chemische Hautreizungen durch Kälte, Wärme, Wasser oder Textilien - insbesondere Wolle -, Kontakt mit Tieren, das Klima oder Infektionen mit Bakterien oder Viren können die Erkrankung auslösen. Obwohl bekannt ist, daß zahlreiche Faktoren an der Erkrankung beteiligt sind, wird Neurodermitis vielfach noch wie eine reine Hautkrankheit mit Salben, Cremes, Bädern, Lichttherapie oder mit Cortison behandelt. Die Therapie sollte jedoch nicht einseitig auf die Haut beschränkt werden, sondern alle Bereiche miteinbeziehen, die krank machen. Erfolgversprechend sind daher Konzepte, die sowohl die individuelle Persönlichkeit und die Ernährung als auch Entspannungstraining sowie pädagogische und soziologische Maßnahmen berücksichtigen. Zusätzlich kann natürlich auch eine äußere Behandlung der Haut sowie eine medikamentöse Anwendung sinnvoll sein.

Ist eine allergenarme Ernährung nötig?

Es gibt keine spezielle Neurodermitisdiät. Bei vielen Patienten verbessert eine Ernährungsumstellung allerdings die Symptome. Um herauszufinden, welche Lebensmittel nicht vertragen werden, hat sich eine allergenarme Suchkost bewährt. Dafür wird der Speiseplan eine begrenzte Zeit von etwa 6-8 Wochen auf allergen- und reizarme Lebensmittel beschränkt. Vermieden werden dabei alle Nahrungsmittel, auf die Neurodermitiker häufig reagieren wie Kuhmilch, Eier, Erdbeeren, Tomaten, Paprika, Nüsse, Fruchtsäuren, Zucker und andere Süßungsmittel, Gewürze sowie Zusatzstoffe,z. B. Farb- oder Konservierungsstoffe. Fertig- und Halbfertigprodukte müssen meist vom Speiseplan verbannt werden, da ihre Inhaltsstoffe oft nicht ausreichend deklariert sind. Um alle negativen Ernährungseinflüsse auszuschließen, kann es sinnvoll sein, das Essen drei Monate lang auf etwa 20-25 allergenarme Lebensmittel zu reduzieren. Anschließend wird der Speisplan nach und nach aufgestockt, wobei in etwa 2-3tägigem Abstand neue Lebensmittel ergänzt werden, um Unverträglichkeiten herauszufinden. Grundsätzlich ist für Neurodermitiker die Vollwert-Ernährung empfehlenswert. Sie sorgt für eine optimale Nährstoffversorgung, die das geschwächte Immunsystem stärkt und zudem wenig bis keine Zusatzstoffe enthält. Individuell unverträgliche Lebensmittel müssen natürlich vom Speiseplan gestrichen werden. Zu bedenken ist außerdem, daß rohes Getreide für Getreidepollenallergiker problematisch sein kann und rohes Gemüse von Menschen, die gegen Blütenstaub allergisch sind, eventuell nicht vertragen wird. Übrigens: Kuhmilch muß nicht generell gemieden werden. Viele neurodermitiskranke Säuglinge reagieren zwar auf Kuhmilch und Hüh-nereiweiß allergisch, dennoch ist nicht für jeden Patienten eine tierisch-eiweißfreie Kost nötig. Insbesondere Milch und Milchprodukte liefern viele wichtige Nährstoffe und werden von älteren Allergikern oft gut vertragen.

Rechtzeitig vorbeugen

Wie bei anderen allergischen Erkrankungen auch, ist es sinnvoll bei allergiegefährdeten Kindern rechtzeitig vorzubeugen. Ein zu früher Kontakt mit Allergenen z. B. aus Lebensmitteln sollte vermieden werden. Bei Kindern ist die Darmschleimhaut noch durchlässiger für allergene Nahrungsbestandteile, wodurch häufig Lebensmittel allergische Erkrankungen - insbesondere Neurodermitis auslösen. Die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung ist, ein Kind sechs Monate lang voll zu stillen. Zudem sollte die Beikost erst ab dem siebten Monat eingeführt werden und nicht zuviele Bestandteile enthalten. Besonders allergene Lebensmittel wie Kuhmilch, Eier, Fisch, Weizen, Soja, Nüsse und Zitrusfrüchte sollten im ersten Lebensjahr sicherheitshalber weggelassen werden. Auch das Umfeld ist möglichst allergenarm zu gestalten: Wischbare Böden, milbenundurchlässige Bettwäsche, wenig Staubfänger und Topfpflanzen im Kinderzimmer sowie keine Haustiere beugen einem Kontakt mit Milben, Schimmelpilzen und Tierhaaren vor.

Die Behandlung der Neurodermitis muß immer individuell erfolgen und erstreckt sich meist über einen längeren Zeitraum. Neurodermitis ist zwar nicht heilbar, aber die Betroffenen haben die Chance, beschwerdefrei und unabhängig von Medikamenten mit ihrer Veranlagung zu leben.

Quelle: UGB-Broschüre 2000 (vergriffen)

Kontaktadressen

Bundesverband Neurodermitiskranker in Deutschland e. V.
Oberstr. 171
D-56154 Boppard
Tel.: 06742/87130,
Fax: 06742/2795

Deutscher Neurodermitikerbund e. V.
Spaldingstr. 210
D-20097 Hamburg
Tel.: 040/230894 und 230810

Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind e. V.
Nassauerstr. 32
D-35745 Herborn
Tel.: 02772/9287-0,
Fax: 02772/928748

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