Sport macht Spaß - schon den Allerkleinsten

Krabbeln, robben, hüpfen, springen - dazu muß man Kinder nicht erst auffordern. In Spiel- und Sportstunden können die Kleinen ihren Bewegungsdrang voll ausleben und ihre motorischen Fähigkeiten schulen. Auch die geistige Entwicklung und das Selbstbewußtsein profitieren von der körperlichen Bewegung.

Kleinkinder sind in ihrem Bewegungsdrang kaum zu bremsen. Mit viel Eifer und Elan krabbeln, laufen oder springen sie durch die Gegend. Und das ist gut so. Denn diese motorischen Fähigkeiten müssen die Kleinen erst erwerben und einüben. Bewegung bietet die Möglichkeit, sich mit der Umwelt und sich selbst auseinanderzusetzen. Das Gehen, Laufen, Hüpfen, Niederspringen, Steigen, Balancieren, Kriechen, Rollen, Wälzen, Schieben, Hängen und Schwingen, das Fangen und das Werfen sind Bewegungsformen, die die Kleinen zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensjahr erlernen. Dabei können sich die motorischen Fähigkeiten von Kind zu Kind ganz unterschiedlich entwickeln. Während einige bereits mit 9 Monaten laufen, lernen es andere erst mit 17 oder 19 Monaten. Um die Kleinen angemessen zu fordern, ist es wichtig, jedem Kind die Anregung zu geben, die seiner Entwicklung entspricht.

Warum schon Sport mit den ganz Kleinen?

Bewegung ist in jedem Lebensalter wichtig - besonders jedoch in der Wachstumsphase. Damit sich Herz, Lunge, Muskeln, Kreislauf und Skelettsystem voll ausbilden können, müssen sie regelmäßig beansprucht werden. Fachleute weisen zudem immer wieder darauf hin, daß Bewegung nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Entwicklung eines Kindes fördert. Hinzu kommt, daß Kinder, die sich nicht ausreichend körperlich betätigen können, mißmutig und schwierig im Umgang mit anderen werden. "Immer häufiger werden Kleinkinder wegen einer Bewegungsunruhe, sogenannter Hyperaktivität zum Kinderarzt gebracht. Die meisten Kinder sind aber nicht hyperaktiv, sondern können ihren normalen Bewegungsdrang nicht ausleben", berichtet der Professor für Kinderheilkunde R. H. Largo.

Leider schränken heute häufig beengte Wohnverhältnisse den Bewegungsdrang der Kinder ein. Viele Wohnungen sind zum Austoben zu klein, und das Spielen auf der Straße birgt zahlreiche Gefahren. Zudem fühlen sich Eltern von der unerschöpflichen Energie ihres Nachwuchses häufig genervt oder empfinden diese als zerstörerisch. Wenn Kinder in den ersten Lebensjahren jedoch nicht ausreichende motorische Erfahrungen sammeln können, äußert sich das später häufig in Bewegungsunsicherheiten oder -auffälligkeiten. Auch das Selbstwertgefühl von Kindern hängt wesentlich von ihren körperlich-motorischen Fähigkeiten ab. Besonders Schaukel-, Fall- und Drehbewegungen wirken sich positiv auf die geistige und emotionale Entwicklung aus und sollten in den Spielstunden enthalten sein.

Soziales Verhalten will gelernt sein

Bewegung macht vor allem Freude mit anderen - das sieht man schon bei den Allerkleinsten. Neben Spaß ermöglicht Sport in einer Gruppe auch eine Fülle sozialer Erfahrungen, die das spätere Verhalten der Kinder wesentlich beeinflussen können. Bei der Bewegung setzen sich Kinder immer auch mit Räumen, Geräten und anderen Personen auseinander. Sie spielen mit- und gegeneinander, gewinnen und verlieren, helfen und unterstützen sich, geraten in Streit und müssen Konflikte lösen. Dadurch lernen sie, ihre Fähigkeiten sowie ihre Grenzen richtig einzuschätzen.

Viele Sportvereine oder andere Institutionen bieten für Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren Mutter-Kind-Turnen an. Wer keine Angebote in der Nähe hat, kann sich privat mit anderen Eltern zusammentun, um sich gemeinsam mit den Kindern spielerisch zu bewegen.

Die Rolle der Eltern

Eltern können die Entwicklung ihrer Kinder positiv beeinflussen, indem sie sich mit ihnen gemeinsam bewegen. Sie können selbst am besten einschätzen, welche Übungen dem individuellen Entwicklungsstand und Bewegungsbedürfnis ihres Kindes gerecht werden. Eine Überforderung ist genauso ungesund wie eine Unterforderung. Neue Anregungen sollten dem Kind mit viel Einfühlungsvermögen vermittelt werden, damit es sich nicht überlastet fühlt. Ein gesundes Kind zeigt seinen Eltern, wann es sich langweilt und neuen Spielschwung braucht bzw. wann es ihm zu schwierig wird.

Wichtig bei sportlichen Übungen mit Kleinkindern ist, daß sie einen spielerischen Charakter haben. Spiele machen nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen Spaß. Gleichzeitig lassen sich ganz zwanglos motorische Fähigkeiten und der Gleichgewichtssinn trainieren.

So wird ein Bewegungstreff aufgebaut

Bewegungstreffs können überall durchgeführt werden, wo ausreichend Platz zur Verfügung steht. Ideal ist natürlich eine Turnhalle oder ein Gymnastikraum. Aber auch in einem großen Hobbykeller oder im Freien lassen sich die meisten Übungen durchführen. Es ist sinnvoll, die Kinder in Altersgruppen einzuteilen, da je nach Entwicklungsstand unterschiedliche Bewegungsbedürfnisse vorliegen. Günstig ist es, Gruppen mit Kindern bis zu 3 Jahren und mit 3-5jährigen zu bilden.

Ein klarer Rahmen ist für die Gestaltung eines Bewegungstreffs wichtig - sowohl für die Eltern als auch für die Kinder. Aus diesem Grund sollte stets ein gemeinsamer Anfang und ein gemeinsames Ende stattfinden und die Zeitdauer festgelegt werden. Zu Beginn können immer wiederkehrende Rituale (z. B. Begrüßungsrunde) die Stunde einleiten und die Teilnehmer miteinander vertraut machen. Nach der Begrüßung folgt der Bewegungsteil. Hierfür brauchen Sie nicht unbedingt spezielle Geräte wie Matten, Bälle oder Kästen. Auch verschiedene Alltagsmaterialien, z. B. Zeitungen, Luftballons, Bananenkartons oder Handtücher sorgen für Abwechslung. Bei jedem Bewegungstreff sollte einer dieser Gegenstände im Mittelpunkt stehen. Was man mit Zeitungen und Luftballons alles machen kann, erfahren Sie in den Übungen auf dem Poster. Wenn Sie erst einmal mit dem Spielen anfangen, fallen Ihnen sicher bald weitere Übungen mit den Materialien ein. Zum Abschluß der Stunde kann ein immer wiederkehrendes Lied oder Spiel den Bewegungstreff ausklingen lassen.

LITERATUR:
AUSTERMANN, M.; WOHLLEBEN, G.: Zehn kleine Krabbelfinger. Spiel und Spaß mit unseren Kleinsten. Kösel, München 1995
HOYER, K.: 99 Luftballonspiele. AOL, Lichtenau-Scherzheim 1994
LARGO, R.H.: Babyjahre. Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht. Piper, München 1995
MEINEL, C.; SCHNABEL, G.: Bewegungslehre Sportmotorik. Volkseigener Verlag, Berlin 1987
SPORTJUGEND HESSEN (Hrsg.): Bewegung Kunterbund. Landessportbund Hessen, Frankfurt 1992

Quelle: Salmonn, N.: UGB-Forum 5/97, S. 269-272


Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

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