Eine Apfelsaftschorle oder ein schönes Stück Wassermelone - für viele gerade im Sommer eine wohltuende Erfrischung. Doch für manche Menschen haben solche Genüsse oftmals unangenehme Folgen wie Übelkeit, Bauchkrämpfe oder Durchfälle. Die Ursache: die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Darm ins Blut gestört (Fructosemalabsorption).
Bei vielen Menschen sind Unverträglichkeiten gegen Kohlenhydrate schuld an Unwohlsein und Bauchschmerzen. Am bekanntesten ist die so genannte Lactoseintoleranz, bei der Milchzucker nicht vertragen wird. Etwa 15 bis 22 Prozent der Bundesbürger leiden daran. Weniger bekannt, aber vermutlich noch häufiger ist die Unverträglichkeit gegen Fruchtzucker, einem Einfachzucker, der insbesondere in Obst und Gemüse vorkommt. Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung haben eine solche Fructosemalabsorption oder intestinale Fructoseintoleranz. Viele Betroffene zeigen Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl. Sie sind oft gereizt und müde, haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, und leiden an Schwindelgefühl, Atemnot, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Außerdem kann es zu Depressionen und einem Mangel an Folsäure und Zink kommen.

Bei der Fructosemalabsorption ist die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Darm ins Blut gestört. Dass Fructose aus dem Darm in die Dünndarmzellen geschleust wird, dafür sorgt bei gesunden Menschen das Transportsystem mit dem Namen GLUT-5. Dieses ist bei den Betroffenen defekt. Der mit der Nahrung zugeführte Fruchtzucker wird nur begrenzt oder überhaupt nicht aus dem Darm in den Körper aufgenommen und gelangt somit in den Dickdarm. Dort wird er von Bakterien zu Wasserstoff, Kohlendioxid und kurzkettigen Fettsäuren abgebaut. Dadurch kommt es vor allem zu Blähungen und Durchfällen - allerdings nur bei etwa 50 bis 70 Prozent der Betroffenen. Ob solche Symptome auftreten, wird wesentlich davon beeinflusst, ob der Fruchtzucker bereits im Dünndarm oder erst im Dickdarm abgebaut wird. Da der Dünndarm nur sehr gering mit Bakterien besiedelt ist, finden solche Fermentationsprozesse normalerweise dort nicht statt und werden somit nur schlecht vertragen. Im Dickdarm, der extrem dicht besiedelt ist, sind solche Vorgänge dagegen physiologisch und führen daher viel seltener zu Beschwerden. Da Betroffene unter ähnlichen Symptomen leiden wie bei einem Reizdarmsyndrom, wird häufig fälschlicherweise die Diagnose "irritables Colon" gestellt.
Bevor allerdings ein solcher Atemtest durchgeführt wird, muss eine andere Form der Fructoseintoleranz unbedingt ausgeschlossen werden: die so genannte hereditäre oder erbliche Fructoseintoleranz, kurz HFI. Diese Form ist allerdings sehr selten. Es handelt sich hierbei um einen Enzymdefekt im Fructosestoffwechsel, wodurch sich giftige Abbauprodukte in der Leber anreichern. Bereits beim ersten Kontakt mit fructosehaltiger Kost im Säuglingsalter treten die typischen Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen oder Gerinnungsstörungen auf. Wer von diesem Enzymdefekt betroffen ist, muss eine strikt fructosefreie Diät einhalten, da es sonst zu Unterzuckerung, Leber- und Nierenschäden kommt. Fruchtzucker ist nicht nur in freier Form absolut zu meiden, sondern auch als Bestandteil anderer Kohlenhydrate wie Saccharose, Inulin, Sorbit, Invertzucker oder Honig.
Zwischen Fructosemalabsorption und Zinkmangel konnte ebenfalls eine Verbindung festgestellt werden. In einer Studie zeigten die Betroffenen nicht nur deutlich niedrigere Zinkwerte als die Vergleichsgruppe. Erstaunlicherweise gab es überhaupt keine Person mit Zinkmangel, die nicht gleichzeitig auch eine gestörte Fructoseresorption aufwies. Da bei anderen Unverträglichkeiten gegen Kohlenhydrate kein Zinkmangel auftrat, scheint dies ein Phänomen der Fructosemalabsorption zu sein. Ein Mangel an Zink erhöht unter anderem die Infektanfälligkeit.
Personen mit einer Fructosemalabsorption sollten, abhängig von der individuell verträglichen Menge, eine fructosearme Diät einhalten. Viel Fructose weisen Früchte wie Äpfel, Birnen und Wassermelonen sowie getrocknetes Obst auf. Auch verschiedene Gemüse, zum Beispiel Lauch und Broccoli, enthalten Fruchtzucker. Ebenso sind Fruchtsäfte und Softdrinks wie Cola mit Vorsicht zu genießen. Fructose wird auch als Zuckeraustauschstoff verwendet und findet sich oft in Diät- und Diabetikerprodukten (s. Kasten S. 152).Da die gleichzeitige Zufuhr von Glucose die Resorption von Fructose weitgehend normalisiert, sind saccharosehaltige Lebensmittel wie Haushaltszucker weiter erlaubt. Auch wenn das Verhältnis von Glucose und Fructose in einem Lebensmittel ausgeglichen ist oder es sogar mehr Glucose als Fruchtzucker enthält, kommt es meist nicht zu Beschwerden. Es kann auch helfen, zu einer fruchtzuckerhaltigen Speise zusätzlich Glucose, beispielsweise in Form von Traubenzucker, zu essen.
Wer oft leicht reizbar oder gar depressiv ist, unter Kopfschmerzen oder anderen der genannten Symptome leidet und keinen ersichtlichen Grund dafür kennt, sollte sich einmal gezielt auf eine Unverträglichkeit gegen Fruchtzucker untersuchen lassen. Werden bei einer positiven Diagnose fructose- und sorbithaltige Lebensmittel gemieden bzw. stark reduziert, gehören die Beschwerden bald der Vergangenheit an.
Quelle: Barth, A; Gaeta, N.: UGB-Forum 3/02, S. 151-153
Weitere Informationen finden Sie hier:
Gut essen – bei Lebensmittelunverträglichkeiten
Allergien und Säure-Basen-Haushalt – was tun?
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