Ständig kursieren in der Presse plakative Meldungen, die Angst vor dem Fasten verbreiteten. Reißerisch wird behauptet, "Heilfasten kann mit dem Tode enden", "Für den Körper ist Fasten existenzbedrohend" oder "Fasten macht dick".
Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. (ÄGHE) in Überlingen weist darauf hin, dass jahrzehntelange Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse diesen haltlosen und panikverbreitenden Aussagen deutlich widersprechen.
Es ist nicht zeitgemäß, der Bevölkerung mit pseudowissenschaftlichen Informationen Angst vor dem Fasten zu machen, da Fasten einerseits eine wirksame Therapie bei Stoffwechselerkrankungen, Risikofaktoren, auch bei Übergewicht ist und starke Wirkungen bei Rheuma, Asthma, Allergien und Migräne entfaltet, um nur einige Indikationen zu erwähnen. Andererseits bietet Fasten eine Selbsterfahrung in geistig-spiritueller Hinsicht.
Das Fasten aus medizinischen Gründen hat eine lange naturheilkundliche Tradition und wird heute wieder vermehrt vom Ärztinnen und Ärzten therapeutisch in spezialisierten Kliniken und auch ambulant eingesetzt. Darüber hinaus erlebt das spirituelle Fasten wieder in Klöstern und religiösen Gemeinschaften eine Renaissance.
Das Fasten muss aber gelernt werden und erfordert eine fachliche Betreuung. Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) bietet eine Weiterbildung zum Fasten für Ärztinnen und Ärzte an und kooperiert mit Ausbildungsinstitutionen wie dem UGB für Fastenleiterinnen und -leiter.
Zu den einzelnen Behauptungen des D.I.E.T.-Institutes bezüglich des Fastens nimmt die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. wie folgt Stellung:
D.I.E.T.-Institut:
Während jeder Nullkalorienzufuhr greift der Organismus auf die Eiweissreserven des Körpers zurück.
D.I.E.T.-Institut:
Zur Gewichtsreduktion ist Fasten ungeeignet, da der Körper insbesondere Flüssigkeit verliert und Muskulatur abbaut.
Bei methodisch richtigem Fasten nimmt die Leistungsfähigkeit der Muskulatur - auch der Herzmuskulatur - zu (und dies noch mehr, wenn ein adäquates Bewegungsprogramm fastenbegleitend durchgeführt wird). Die Fastenden fühlen sich in der Regel zunehmend fitter, können sich leichter bewegen, und viele Fastende kommen kontinuierlich in leistungsstärkere Gruppen (z. B. Wandergruppen). Sportliche Spitzen-Leistungen sind jedoch nicht empfehlenswert. Im Fasten ist Fett der Hauptbrennstoff und nicht Eiweiss. Im Fastenstoffwechsel liefert das Muskeleiweiss weniger als 10 % des Brennstoffes (von 50 g reduziert sich der tägliche Eiweissabbau auf 5 bis 10 g, was ca. 50 bis 250 Kcal/Tag entspricht) (Cahill et al. 1970). Bei einem durchschnittlichen Energieverbrauch von 1800 Kcal/Tag holt sich der Körper den Hauptanteil des Brennstoffes aus dem Fettgewebe.
Eine anfängliche Wasserelimination kommt bei dem Fasten sowie bei den meisten Diäten vor. Einerseits ist diese auf den Verlust des am Glycogen und Eiweiss gebundenen Wassers zurückzuführen, andererseits auf die spezifische entsalzende, entwässernde Wirkung des Fastens. Im Fall von Bluthochdruck (Müller et al. 2001, Peper 1999) und Wassereinlagerungen hat diese Entwässerung einen therapeutischen Effekt.
D.I.E.T.-Institut:
"Heil"fasten kann mit dem Tode enden.
D.I.E.T.-Institut:
Das Fettgewebe bleibt bei einer kurzfristigen Fastenkur erhalten, aber der Jo-Jo-Effekt wird ausgelöst.
Aus der Statistik der Fasten-Klinik Buchinger am Bodensee wurden die Daten von Patienten, die 10 Mal oder mehr gefastet hatten, untersucht. Dabei zeigte sich, dass der oben beschriebene Jo-Jo-Effekt nicht eingetreten ist: nach 10-maligem Fasten - etwa ein Mal pro Jahr wie die religiösen Traditionen es empfehlen - hatten 1/3 der Probanden weniger Gewicht als am Anfang des ersten Fastens, bei 1/3 der Probanden lag das Gewicht ungefähr bei dem Ausgangsgewicht und bei 1/3 konnte die Gewichtszunahme trotz des regelmäßigen Fastens nicht gestoppt werden, jedoch war die Gewichtszunahme nicht erheblich (Wilhelmi de Toledo et al. 1994).
Im übrigen sind bei Tieren wie den Königs-Pinguinen, den Zugvögeln und den winterschlaf-haltenden Tieren periodische Gewichtsab- und wiederzunahmen völlig physiologisch: sie speichern in der nahrungsreichen Zeit Fett an und leben in der nahrungsarmen Zeit von ihrem Speicherfett - sie werden aber im Laufe der Jahre nicht "fetter" (Cherel et al. 1987, Le Maho et al. 1988).
Nicht die Gabe von Proteinmischungen ist maßgebend für die Erhaltung des reduzierten Gewichtes, sondern die Vorbereitung der Menschen während des Fastens auf eine gesündere Lebensführung.
D.I.E.T.-Institut:
Häufig kommt es beim Fasten zu schmerzhaften Gichtanfällen.
D.I.E.T.-Institut:
Durch die hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste kann Fasten zu niedrigem Blutdruck, Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, trockener Haut und Schleimhaut, Mundgeruch sowie erhöhtem Kälteempfinden führen.
D.I.E.T.-Institut:
Heilfasten ist unmöglich, denn die von Anhängern dieser Außenseiterkostform beschriebene Entschlackung ist ausgeschlossen. Da beim Menschen keine Schlacke anfällt, ist auch keine "heilende" Entschlackung möglich.
Ein Fasten normalisiert in den meisten Fällen die Blutwerte und reduziert die Fettdepots. Ebenso findet man bei Arteriosklerose Ablagerungen in den Gefäßwänden, die sich unter extrem fettarmer Ernährung zurückbilden können (Ornish et al. 1990). Gleiches ist beim Fasten zu vermuten. Letztlich sind pathologische Eiweiss-Ablagerungen bekannt (AGEs, Advanced Glycation Endproducts), z. B. bei Diabetikern. Die katabole Stoffwechsellage im Fasten macht es plausibel, dass diese "Eiweiss-Schlacken" abgebaut werden (Kjeldsen-Kragh et al. 1996, Bierhaus et al. 1998).
D.I.E.T.-Institut:
Es können sich Gallensteine bilden und eine Gallenkolik auslösen.
Das von dem Diätassistenten Sven-David Müller geleitete Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.-Institut) in Aachen ist ein Institut, das vorwiegend kommerzielle Produkte und Methoden empfiehlt.
Die in Fachkreisen anerkannten Institutionen in Sachen Ernährungsmedizin und Diätetik sind die Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin (DAEM) in Freiburg und die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Leipzig. Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) ist die Referenz für Heilfasten und naturheilkundliche Ernährungstherapie und setzt sich dafür ein, das Heilfasten in Praxis, Lehre und Forschung zu fördern als medizinisch anerkannte Methode der Therapie, Prävention und Rehabilitation. Die ÄGHE hat im Rahmen einer Expertenrunde aus Privat-, Rehabilitations-, Akutkliniken und Arztpraxen, die das Fasten als Bestandteil ihres therapeutischen Konzeptes anbieten, Leitlinien zur Fastentherapie formuliert, die im Frühjahr 2002 veröffentlicht werden.
Darüber hinaus vermittelt sie fundierte Informationen zum Thema Fasten und Heilfasten nach Buchinger. Auf Anfrage verschickt die ÄGHE gegen Einsendung eines mit Euro 1,53 frankierten, adressierten DIN A5-Rückumschlages Listen von anerkannten Fasten-Adressen.
Buchinger O (1999)
Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg. 23. Aufl. Stuttgart: Hippokrates.
Cahill GF jr, Marliss EB, Aoki TT (1970)
Fat and nitrogen metabolism in fasting man. In: Jeanrenaud B, Hepp D: Adipose tissue, regulation and metabolic functions. Stuttgart: Thieme.
Castelli WP (1994)
Socratic debate, pro and contra: Weight cycling has serious medical consequences. International Journal of Obesity, Vol. 18, Supp. 2.
Cherel Y, Robin J-P, Le Maho Y (1988)
Physiology and biochemistry of long-term fasting in birds. Canadian Journal of Zoology Vol. 66, 159-166.
Ditschuneit H (1971)
Der Stoffwechsel bei Fettsucht und bei komplettem Fasten. Medizin und Ernährung 8, 169-177.
Fahrner H (1991)
Fasten als Therapie. Stuttgart: Hippokrates, 2. Aufl.
Haugen M, Kjeldsen-Kragh J, Skakkeb?k N et al. (1993)
The influence of fast and vegetarian diet on parameters of nutritional status in patients with rheumatoid arthritis. Clinical Rheumatology 12, 62-69.
Kjeldsen-Kragh J, Sumar N, Bodman-Smith K, Brostoff J (1996)
Changes in glycosylation of IgG during fasting in patients with Rheumatoid Arthritis. Br Soc Rheuma 35, 117-119.
Kuhn C (1999)
Heilfasten. Freiburg: Herder.
Le Maho Y, Robin JP, Cherel Y (1988)
Starvation as a treatment for obesity: The need to conserve body protein. Int. Union Physiol. Sci. / Am. Physiol. Soc 3.
Lützner H (1993)
Aktive Diätetik. Fasten, Intensivdiätetik, Ernährungstherapie. Stuttgart: Hippokrates.
Marliss EB (1983)
Stepwise reintroduction of carbohydrate during refeeding after prolonged fasting. Clin. & Med.
Müller H, Wilhelmi de Toledo F, Resch K-L (2001)
Fasting followed by vegetarian diet in patients with rheumatoid arthritis: a systematic review. Scandinavian Journal of Rheumatology 30, 1-10.
Müller H, Wilhelmi de Toledo F, Schuck P, Resch K-L (2001)
Blutdrucksenkung durch Fasten bei adipösen und nichtadipösen Hypertonikern. Perfusion 14, 108-112.
Ornish D, Brown SE, Scherwitz LW, Billings JH, Armstrong WT, Ports TA, McLanahan SM, Kirkeede RL, Brand RJ, Gould KL (1990)
Can lifestyle changes reverse coronary heart disease? The Lancet 336, 129-133.
Peper E (1999)
Evaluation der Effekte und Erfolge von stationären Heilfastenmaßnahmen. Peter Lang: Frankfurt / Main.
Schubmann R, Graban I, Hölz G, Zwingmann C (1997)
Ergebnisqualität stationärer Rehabilitation bei Patienten mit Adipositas. Deutsche Rentenversicherung 9-10, 1-22.
van Itallie B, Yang MU (1984)
Cardiac dysfunction in obese dieters: potentially lethal complication of rapid, massive weight loss. American Journal of Clinical Nutrition 39, 695-702.
Weinsier R, Wilson L (1994)
Gallstone formation in obese persons during weight loss. International Journal of Obesity and related metabolic disorders, Vol. 18, Supp 2, 44.
Wilhelmi de Toledo F, Friebe R, Hebisch D, Kuhn C, Platzer G, Schrag S (1994)
The Klinik Buchinger Programme for the treatment of obesity. In: Ditschuneit H,
Gries FA, Hauner H, Schusdziarra V, Wechsler JG (ed.): Obesity in Europe 1993. London: John Libbey & Company Ltd., 289-293.
Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V.
Wilhelm-Beck-Str. 27
D-88662 Überlingen
Tel. 07551-807-825
Fax 07551-807-827
Mail: info@aerztegesellschaft-heilfasten.de
Internet: Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. (ÄGHE)
News und Hintergrundinformationen zu den
Themen Gesundheit und Vollwert-Ernährung
— bequem und kostenlos.