Damit unser Körper Energie für sportliche Leistungen bereitstellt, laufen im Stoffwechsel komplizierte Vorgänge ab. Wer das Zusammenspiel von Energiegewinnung, Training und Ernährung kennt, kann aus sich die bestmögliche Leistung herausholen.

Ob im Wettkampf oder in der Freizeit, für Erfolg im Sport spielen regelmäßiges Training und die richtige Ernährung eine entscheidende Rolle. Durch regelmäßiges Training lernt der Stoffwechsel, die benötige Energie auf effektive Weise bereitzustellen. Die Muskeln ermüden weniger schnell und die Leistungsfähigkeit steigt. Sind dann noch die richtigen Kraftquellen aus der Nahrung verfügbar, steht persönlichen sportlichen Höchstleistungen nichts mehr im Wege.
Am schnellsten wird die Energie aus Kreatinphosphat (KP) geliefert. Kreatin stellt der Körper selbst aus zwei Aminosäuren her, um es vorwiegend als Phosphatüberträger im Energiestoffwechsel zu nutzen. Das hauptsächlich im Muskel gespeicherte KP gibt sein Phosphat an ADP ab, so dass ATP wieder hergestellt werden kann. Die Energiebereitstellung über diesen Weg funktioniert nur wenige Minuten. Erst nach einer Pause von zwei bis fünf Minuten sind die Kreatinspeicher wieder einsetzbar. Durch Training lässt sich die Speicherfähigkeit für Kreatinphosphat geringfügig steigern. Ist es verbraucht, bezieht der Muskel seine Energie zunächst aus Kohlenhydraten. Dazu nutzt er ausschließlich den Einfach-zucker Glucose, der im Muskel in Form von Glykogen gespeichert ist.
Aus Glykogen kann pro Liter eingeatmetem Sauerstoff mehr Energie gewonnen werden als aus Fett oder Eiweiß. Zudem ist die Energie schneller verfügbar als bei Fett. Deshalb ist für Sportler die Größe der Glykogenvorräte von großer Bedeutung. Der normale Glykogengehalt liegt bei etwa 1 bis 1,5 Gramm pro 100 Gramm Muskulatur. Durch gezielte Ernährung lässt sich die Menge bis auf das Dreifache steigern. Ausdauersportler wie Triathleten, Marathon- oder Skilangläufer nutzen das so genannte Carbo-Loading vor Wettkämpfen. Dazu müssen die Glykogenspeicher zunächst durch Sport entleert und anschließend durch eine kohlenhydratreiche Kost neu aufgefüllt werden. Etwa 70 Prozent der aufgenommenen Tagesenergie stammen dabei aus Kohlenhydraten wie Haferflocken, Müsli, Brot, Nudeln, Erbsen, Mais oder Linsen. Nach ungefähr 24 Stunden ist das Ausgangs-niveau der Muskelglykogenreserven wieder erreicht.Nach weiteren ein bis zwei Tagen "Kohlenhydrat-mast" sind diese bis auf das Dreifache aufgestockt. In diesen drei kohlenhydratreichen Tagen sollte nicht oder nur in minimalem Umfang trainiert werden.
Die in Form von Glykogen in den Muskelzellen gespeicherten Kohlenhydrate können nur in der jeweiligen Zelle genutzt werden. Sind beispielsweise durch Sprints die Glykogenvorräte der Beinmuskeln erschöpft, können die der Armmuskeln nicht aushelfen. Lediglich das in der Leber gespeicherte Glykogen kann Glucose ins Blut abgeben und ist somit theoretisch in der Lage, auch die Muskelzellen anderer Körperorgane mit Energie zu versorgen. Die Aufgabe des Leberglykogens besteht allerdings vorwiegend darin, den Blutzuckerspiegel ständig auf einem konstanten Niveau zu halten. Die Vorräte in der Leber reichen dazu rund drei Stunden. Sind die Reserven aufgebraucht, kann es zur Unterzucke-rung kommen, der so genannten Hypoglykämie, weniger fachlich als Hungerrast bezeichnet. Sowohl die Glykogenspeicher im Muskel als auch in der Leber lassen sich durch Training steigern (siehe Kasten Carbo-Loading).
Die Fettsäuren werden im Stoffwechsel vollständig zu CO2 und Wasser abgebaut. Zwar dauert diese Art der Energiegewinnung am längsten, liefert dafür aber auch die höchste Ausbeute, nämlich fast dreimal mehr als der aerobe Abbau der Kohlenhydrate. Die Produktion von ATP aus Fettsäuren kann aber nur dann erfolgen, wenn ausreichend Sauerstoff vorhanden ist und zwar mehr, als für die Energiegewinnung aus Glykogen benötigt wird. Da bei großer Anstrengung meist Sauerstoff der begrenzende Faktor ist, nutzt der Körper Fettsäuren folglich nur bei niedrigen bis mittleren Intensitäten und bei lang andauernder Aktivität. Ist die Intensität zu hoch und entsteht im Stoffwechsel dadurch Laktat, wird die Verwertung der Fettsäuren blockiert.
In der Praxis liefern aber nicht ausschließlich Kohlenhydrate oder nur Fette die Energie für die Muskulatur. Vielmehr kommt es je nach Belastungsintensität und -dauer zu Mischverbrennungen. Dabei spielt die Intensität eine größere Rolle als die Dauer: Je intensiver die Belastung, desto höher ist die Beteiligung der Kohlenhydrate. Mit zunehmender Dauer wird allerdings vermehrt Glykogen eingespart und der Anteil der Fette an der Energiebereitstellung nimmt zu. Ein gering beanspruchter Muskel bezieht seine Energie fast ausschließlich über Fette, mit zunehmender Intensität der Belastung erhöht sich der prozentuale Anteil der Kohlenhydrate und natürlich auch die gesamte ATP-Produktionsgeschwindigkeit.
Ob die Intensität der Belastung gering, mittel oder hoch ist, hängt vom Trainingszustand des Einzelnen ab und ist daher individuell sehr unterschiedlich. Trainierte Radrennfahrer oder Ruderer können beispielsweise trotz relativ hoher Kraftanstrengung noch einen großen Teil der Energie aus dem aeroben Stoffwechsel gewinnen. Untrainierte müssen dagegen bei viel geringeren Belastungen bereits auf den anaeroben Weg umstellen. Insbesondere beim Ausdauersport sollte für die lang andauernde Leistung die Belastungsintensität so gewählt werden, dass Fette als Energielieferanten dienen können. Da dies nur aerob, also mit Sauerstoff möglich ist, muss die Anstrengung entsprechend niedrig sein. Hier gilt die bekannte Faustregel, nur so schnell zu laufen oder zu radeln, dass man sich noch unterhalten kann. Wer seine Ausdauer und damit seinen Stoffwechsel regelmäßig trainiert, kann auch bei höherer Belastungsintensität vermehrt Fette als Energiequelle nutzen. Die Glykogenspeicher werden dadurch für Leistungsspitzen geschont.
Bei Kampfsportarten wie Judo oder Boxen, bei denen hohe und niedrige Belastungen vorkommen, wird die Energie abwechselnd über Kohlenhydrate und Fette bereit gestellt. Energetisch ist die Leistung hierbei nicht nur wegen der Glykogenverarmung der Muskeln begrenzt. Es bildet sich auch Laktat, das die Muskulatur übersäuert und ermüdet. Das heißt, dass Kampfsportler nicht so lange ohne Pause trainieren können wie Ausdauersportler.
Der Nutzen einer fettreichen Kost für Ausdauersportler wurde in Expertenkreisen viel diskutiert. Denn in mehreren Studien zeigte sich, dass eine fettreiche Ernährung die Fettverbrennung während der Belastung erhöht. Doch weder die Intensität noch die Dauer der Belastung konnten dadurch gesteigert werden. Eine fettreiche Diät, so der Schluss der Experten, kann die Fettverbrennung nicht so weit erhöhen, dass Kohlenhydrate als Energiequelle für Ausdauerbelastungen vollständig ersetzt werden könnten. Außerdem stellt eine sehr fettreiche Kost einen Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten wie Herzinfarkt oder Krebs dar, insbesondere dann, wenn sie mit einer hohen Aufnahme an Cholesterin und gesättigten Fettsäuren einhergehen.
Wer sich abwechslungsreich ernährt und regelmäßig viel Gemüse, Obst und Getreideprodukte sowie Teigwaren und Reis verzehrt, ist ausreichend mit Kohlenhydraten sowie allen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt und bleibt beim Sport lange fit und leistungsfähig. Eine vollwertige oder mediterrane Kost sind praktische Beispiele dafür, wie man lecker essen kann und gut gewappnet ist für jegliche sportliche Aktivität.
Onlineversion von:
Barth, A.: UGB-Forum 4/2004 S.162-165Foto:Techniker Krankenkasse
| Zum Ausdrucken und/oder Abspeichern können Sie sich den Artikel hier auch herunterladen: Um das PDF aufzurufen, benötigen
Sie den Adobe Reader.
|
News und Hintergrundinformationen zu den
Themen Gesundheit und Vollwert-Ernährung
— bequem und kostenlos.