Qualität statt Quark: Social-Media-Strategien für Ernährungsprofis

Immer mehr Menschen suchen online nach Tipps für die richtige Ernährung – eine Chance für qualifizierte Ernährungsfachkräfte, sich mit fundierten und wissenschaftlich basierten Informationen Gehör zu verschaffen. Doch wie gelingt das inmitten von reißerischen Meldungen, emotional aufgeladenen Debatten und der Konkurrenz durch selbst- ernannte Expert:innen in den sozialen Medien?

Zitronensaft auf nüchternen Magen schmilzt Bauchfett!“, „Magerquark mit Pulver ist Genuss pur!“, „Selleriesaft heilt jede Krankheit!“ Wer sich auf Social Media mit Ernährungsthemen beschäftigt, wird mit einer Flut an oft fragwürdigen Behauptungen konfrontiert. Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube bieten eine enorme Reichweite, doch sie sind auch ein Nährboden für Mythen und Halbwahrheiten.

So erreichen ErnährungsInfluencer die Massen

Eine der größten Herausforderungen für qualifizierte Ernährungsfachkräfte auf Social Media ist daher die präsente Konkurrenz durch selbsternannte Expert:innen. Diese zeichnen sich oft durch eine starke persönliche Inszenierung aus, verwenden einfache, plakative Aussagen und bauen auf emotional ansprechende Inhalte. Ihre Referenzen sind oft eigene Erfahrungen oder Erfolge zum Beispiel beim Abnehmen oder Muskelaufbau – getreu dem Motto: „Was bei mir funktioniert hat, das klappt dann bei allen anderen auch.“ Durch private Einblicke und eine Dauerpräsenz schaffen sie zudem eine enge Bindung zu ihrer Community. Wissenschaftlich fundierte Informationen wirken dagegen häufig komplexer, weniger emotional und brauchen mehr Erklärung.

Erfolgsstrategien für Ernährungsfachkräfte

Damit qualifizierte Ernährungsfachkräfte in den sozialen Medien seriös sichtbar werden, sind folgende Strategien entscheidend:

1. Authentizität und Fachkompetenz verbinden: Menschen folgen Accounts, die vertrauenswürdig und authentisch wirken. Dabei hilft es, Fachwissen mit einer persönlichen Note zu vermitteln, um nahbar zu bleiben.

2. Gesicht zeigen – Vertrauen als Basis: Besonders im sensiblen Gesundheitsbereich ist Vertrauen eine entscheidende Grundlage. Ernährungsfachkräfte sollten sich mit Gesicht und echter Persönlichkeit präsentieren, um Glaubwürdigkeit und Nähe zu schaffen. Das beginnt schon damit, ein Portraitbild statt eines Logos als Profilbild zu verwenden.

3. Storytelling nutzen: Fakten allein reichen oft nicht aus, um Menschen zu überzeugen. Fallbeispiele oder Stimmen von Klient:innen helfen, Inhalte emotional ansprechend zu gestalten.

4. Aktuelle Trends aufgreifen: Social Media lebt von Trends. Ernährungsfachkräfte sollten relevante Trends analysieren und mit evidenzbasierten Fakten in ihre Inhalte integrieren.

5. Interaktion fördern: Direkte Kommunikation mit der Community durch Umfragen, Frage-Sessions oder Diskussionen erhöht das Engagement und stärkt die Bindung zu den Follower:innen, ohne dass man sein Privatleben inszenieren muss.

6. Kollaborationen mit anderen Expert:innen: Netzwerke mit anderen Fachleuten, beispielsweise aus der Medizin oder Sportwissenschaft, können die Glaubwürdigkeit weiter erhöhen.

7. Interaktion mit anderen Accounts: Hierbei ist es wichtig, Accounts zu folgen, die eine ähnliche Zielgruppe haben. Wer sich zum Beispiel mit dem Thema Kinderernährung positioniert, sollte Mama-Profilen, Hebammen oder Profilen mit Tipps für Familien folgen.

8. Personal Branding als Erfolgsstrategie: Um sich in der Informationsflut auf Social Media abzuheben, ist eine starke Personenmarke entscheidend. Erfolgreiche Ernährungsfachkräfte etablieren sich als vertrauenswürdige Expert:innen mit einem einzigartigen Stil, einer wiedererkennbaren Sprache und klaren Kernbotschaften.

9. Beständigkeit als Erfolgsfaktor: Erfolg auf Social Media kommt nicht über Nacht. Kontinuierliches Posten von hochwertigen Inhalten, eine langfristige Strategie und Geduld sind entscheidend.

10. Brücke zu eigenen Beratungsangeboten schlagen: Ernährungsfachkräfte sollten Social Media gezielt nutzen, um auf ihre Dienstleistungen wie Beratungen, Vorträge oder Gruppenschulung hinzuweisen.

11. Die Zielgruppe in den Mittelpunkt stellen: Beiträge immer wieder auf Nutzen und Relevanz für die eigene Zielgruppe überprüfen. Wer alle anspricht, spricht niemanden an, deswegen ist eine gezielte Themenwahl und/oder ein spezifisches Publikum entscheidend. Fragen, die im Berufsalltag häufig von Klient:innen gestellt werden, eignen sich oft sehr gut für Beiträge.

12. Formate und Vorlagen nutzen: Wer einmal eine Vorlage zum Beispiel beim Online-Grafik-Tool Canva erstellt, kann diese immer wieder für sich nutzen. Dies hilft dabei, sich nicht zu verzetteln und effizient Beiträge zu erstellen. Bitte nicht verkünsteln.

Clickbait-Style und Hooks – für Aufmerksamkeit sorgen

Eine gute Überschrift oder der erste Satz in einem Video entscheiden oft darüber, ob ein Beitrag gesehen oder ignoriert wird. Gerade in sozialen Medien, wo Nutzer:innen durch endlose Feeds scrollen und die Inhalte oft nebenbei konsumieren, ist es wichtig, Aufmerksamkeit zu gewinnen. Clickbaits – also übertrieben reißerische Titel – sollten dabei mit Bedacht genutzt werden, um nicht die eigene Glaubwürdigkeit zu untergraben. Dennoch kann eine leicht provokante oder neugierig machende Überschrift helfen, mehr Reichweite zu generieren. Clickbait-Überschriften wie „Finger weg! Diese Lebensmittel sind absolut ungesund“ können auch dafür genutzt werden, um aufzuklären, zum Beispiel darüber, wie unsinnig die Kategorisierung in gute und schlechte Lebensmittel ist.

Myth-Busting – also das Aufklären rund um Ernährungsmythen ist ein sehr beliebtes Format, um provokante Thesen zu nutzen. Gerade in Beiträgen mit wissenschaftlichem Hintergrund steckt viel Arbeit. Damit diese auch gesehen wird, lohnt es sich, Mühe und Zeit in die Überschrift oder den ersten Satz zu stecken. Dieser erste Satz wird als Hook also Haken bezeichnet, der die Zuschauer:innen fesseln sollte. Ein guter Hook sollte eine Frage oder eine provokante Aussage enthalten, zum Beispiel „Salat macht schlank? Falsch gedacht!“, ein Problem oder eine Lösung aufzeigen, wie „Heißhunger? Keine Disziplin ist nicht das Problem – sondern DAS!“, oder Emotionen wecken, beispielsweise mit „Endlose Diäten, null Erfolg – und dann machte meine Klientin diesen Schritt!“

Persönlichkeit und Expertise sind gefragt

Seriöse Ernährungsinformation kann gelingen, wenn Fachkräfte ihre Expertise mit kreativen Kommunikationsstrategien kombinieren. Durch geschickte Nutzung von Trends, Storytelling und Interaktion mit der Community können Ernährungsfachkräfte einen echten Mehrwert bieten und ihre Botschaft erfolgreich platzieren. Sichtbarkeit kommt nicht von allein – sie muss aktiv erarbeitet werden.

Mein Appell: Trauen Sie sich, laut zu sein, klare Meinungen zu vertreten und Diskussionen anzustoßen. Der Algorithmus belohnt Interaktion, also sorgen Sie dafür, dass Ihre Beiträge zum Kommentieren und Teilen animieren.

Egal, ob Sie gerade erst starten oder bereits aktiv sind: Ihr Wissen verdient es, gehört zu werden. Packen Sie es an, bringen Sie Ihre Expertise in die Welt – und machen Sie Social Media zu einem besseren Ort für fundierte Ernährungsinformationen.

Bild © djv, yupiramos/depositphotos.com

Stichworte: Social Media, Ernährungsfachkräfte, Instagram, Ernährungsinformationen, soziale Medien


Ernährungswissen zwischen Wahrheit und Werbung Dieser Beitrag ist erschienen in:
UGBforum 3/2025
Ernährungswissen zwischen Wahrheit und Werbung


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