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Um diesen Widerspruch aufzulösen, hat die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) Anfang 2001 eine neue Verarbeitungsrichtlinie zur Verwendung von Aromastoffen erlassen. Doch die AGÖL hat sich mittlerweile aufgelöst und eine ähnlich strukturierte Organisation, die für ihre Mitglieder verbindliche Rahmenrichtlinien formuliert, ist nicht in Sicht. Zwar haben Anbauverbände, Bio-Hersteller und der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) im Sommer 2002 den Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gegründet. Einheitliche Grundsätze oder eine abgestimmte Vorgehensweise gibt es bisher aber nicht. Ehrgeiziges Ziel der AGÖL-Initiative war es, nur noch Produkte ohne natürliche Aromastoffe zuzulassen; bereits auf von drei Jahren bekommen, um Alternativen zu entwickeln. Erlaubt bleiben sollten lediglich ökologische Aromaextrakte, einschließlich ökologisch zertifizierter ätherischer Öle, wobei die Ausgangsmaterialien aus Ökoanbau stammen müssen und eine Extraktion nur mittels Öl, Ethanol, Wasser oder Kohlendioxid erfolgen darf. Nur wenn diese nicht verfügbar sind, sollten konventionelle Aromaextrakte eingesetzt werden dürfen. Eine weitere Absicht war auch, so Ralf Alsfeld von Bioland, Druck auf die Aromaindustrie auszuüben, um die Qualität der Aromaproduktion zu verbessern. Bisher gibt es nämlich kaum Aromen, die tatsächlich aus Früchten gewonnen werden, wie beispielsweise Zitrusfruchtaroma aus Zitrusfruchtschalen.
Das Ziel, ohne natürliche Aromen auszukommen, verfolgen die meisten Anbauverbände nach wie vor. Doch von der konkreten Umsetzung sind sie noch weit entfernt. Beim Bioland-Verband ist derzeit der Einsatz von herkömmlichen natürlichen Aromen bzw. Aromaextrakten ausschließlich für Fruchtzubereitungen in Joghurt und für Dauerbackwaren gestattet. Dennoch gibt es Bemühungen, ohne Aromen auszukommen. Ein Weg sind Fruchtkombinationen, die einen intensiven Eigengeschmack haben wie Sanddorn oder Holunderbeere. Auch der Joghurt auf Frucht von der Molkerei Söbbeke, der gerade auf der BioFach 2003 zum Produkt des Jahres ausgezeichnet wurde, kommt ganz ohne aus. Noch im Frühjahr will Naturland über die weitere Vorgehensweise abstimmen. Am konsequentesten ist bislang der Demeter-Verband. Die Anbauorganisation hat für ihre Produkte eine Übergangsphase bis zum 12. Mai 2004 festgelegt. Danach dürfen in Demeter-Ware nur noch Aromaextrakte, Fruchtauszüge und Aromen der namensgebenden Pflanzen zum Einsatz kommen. Beim Teeangebot im Bioladen gibt es zwei völlig verschiedene Ansätze, mit dem Thema umzugehen. Während beispielsweise die Firmen Lebensbaum und die gepa ganz bewusst auf aromatisierte Teesorten verzichten und dafür auch einen geringeren Absatz in Kauf nehmen, sind andere wie Oasis oder Herbaria überzeugt, nur mit Aromatisierungen den Kundenwünschen gerecht werden zu können.
Der Einsatz von natürlichen Aromen ermöglicht es, eine größere Auswahl an "geschmackvollen" Bioprodukten anzubieten. Gerade für Neueinsteiger in die Bioszene, so argumentieren die Befürworter, sollten Biolebensmittel vertraut, das heißt eben auch aromatisiert schmecken. Denn gekauft wird am Ende das, was schmeckt. Und leckerer Erdbeerjoghurt, bei dem das Aroma tatsächlich aus Erdbeeren stammt, ist derzeit nicht herzustellen. Hier stellt sich also einmal mehr die Frage: Geht es darum, unverfälschte Lebensmittel in optimaler Bioqualität einer begrenzten Kundenschar anzubieten oder sollte alles, was es im konventionellen Handel gibt, auch in Bioqualität erhältlich sein? Schließlich werden dann mehr Lebensmittel ökologisch angebaut und verarbeitet. Allerdings verspielen Bioprodukte so einen wichtigen Vorteil gegenüber konventionellen Lebensmitteln, nämlich Naturbelassenheit, Glaubwürdigkeit und Transparenz. Letztendlich entscheiden die Verbraucher über das Angebot. Denn nur wenn aromatisierte Produkte im Regal stehen bleiben, werden die Biohersteller auch keine mehr produzieren. Quelle: Becker, U.: UGB-Forum 2/03, S. 108-109
Aktuelle Informationen zum Thema Bio-Produkte erhalten Sie auch auf dem Symposium "Im Fokus:
Functional Food, Alkohol und Kaffee, Bioqualität, Vegetarismus", 24.- 26. September 2010 in Edertal
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