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Öko-Lebensmittel: Gut - Besser - Öko

Öko-Lebensmittel erleben derzeit einen Boom. Kein Wunder nach Skandalen wie BSE oder Wachstumsförderern in der Tiermast. Denn mit dem Griff zu Bioprodukten kaufen die Verbraucher nicht nur ökologische Qualität, sondern zugleich auch mehr Sicherheit.

Die lange als sicher geltenden deutschen Lebensmittel sind in Verruf geraten. BSE im Rindfleisch, Pestizide im Gemüse und Antibiotika im Geflügel verderben den Verbrauchern den Appetit. Als sicher und frei von Rückständen gelten biologisch erzeugte Lebensmittel. "Gesundheit" ist daher das schlagkräftigste Argument für den Kauf von Bio-Produkten. Bereits an zweiter Position nennen die Verbraucher "weniger Rückstände" (12 %) als Grund für den Griff zu Öko-Produkten, dicht gefolgt vom "besseren Geschmack" (11 %). Das Umweltargument spielt nur eine untergeordnete Rolle (4%).

Öko-Lebensmittel, ohne Gentechnik
























Gentechnik ist verboten

Nach der EG-Bio-Verordnung ist der Einsatz von Gentechnik für ökologisch hergestellte Lebensmittel tabu. Sowohl bei der Erzeugung als auch in der Verarbeitung verbietet die Verordnung den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen oder Substanzen, die mit deren Hilfe gewonnen wurden. Das bedeutet, Bio-Lebensmittel enthalten weder gentechnisch gewonnene Enzyme noch Bestandteile oder Substanzen aus genveränderten Pflanzen. In konventionellen Lebensmitteln ist beides inzwischen Realität. In den USA stammt mehr als die Hälfte der Soja- und Mais-Ernten aus gentechnisch verändertem Saatgut. Auch die Früchte, also Sojabohnen und Maiskolben, enthalten die veränderten Gene. Da bei der Ernte nicht zwischen konventionellem und genmanipuliertem Mais bzw. Soja getrennt wird, gelangen diese Rohstoffe auf dem Exportweg auch nach Deutschland. Hier wird Soja- und Maiskeimöl daraus gewonnen oder sie werden zu einer Vielzahl anderer Zutaten und Hilfsstoffe wie Traubenzucker oder Lecithin verarbeitet.

Deklaration gentechnisch veränderter Lebensmittel

Deutsche Lebensmittelkontrolleure fanden 1999 in knapp zehn Prozent der Sojaprodukte und in sechs Prozent der maishaltigen Lebensmittel gentechnisch veränderte Bestandteile. Auf der Zutatenliste verarbeiteter Produkte steht zumeist nichts von der gentechnischen Veränderung. Eine Kennzeichnung ist bislang nur erforderlich, wenn die fremden Gene im Endprodukt vorhanden sind. Das ist zum Beispiel bei Sojamehl der Fall. Für Lecithin, einem häufig eingesetzten Emulgator, der ebenfalls aus Sojabohnen gewonnen wird, ist dagegen keine Kennzeichnung vorgeschrieben. Deshalb wissen die meisten Verbraucher gar nicht, dass viele konventionelle Lebensmittel bereits mit Gentechnik in Berührung kommen.

Einzig bei Bioprodukten ist weitgehend gewährleistet, dass keine Genmanipulation im Spiel ist. Alle Lieferanten der Bio-Anbauverbände müssen schriftlich versichern, dass ihre Produkte nicht gentechnisch verändert wurden. Eine 100-prozentige Gentechnikfreiheit kann aber trotzdem niemand garantieren. Denn dass genmanipulierte Pflanzen auf benachbarte Biofelder auswildern, lässt sich nicht verhindern. Und bei der Verarbeitung kann es zu Verunreinigungen kommen, wenn zum Beispiel ökoloisch erzeugtes Soja in einer Mühle gemahlen wird, in der zuvor konventionelle Ware verarbeitet wurden. Als Gegenmaßnahme bauen die ökologischen Anbauverbände eine vom konventionellen Bereich getrennte Produktion für Lebensmittelzutaten und Saatgut auf.

Bio-Rinder frei von BSE

Die BSE-Krise macht die Vorteile der ökologischen Landwirtschaft besonders deutlich. Denn alle Tiere, die nach den Vorgaben der Öko-Verordnung aufgezogen werden, sind bisher von der Seuche verschont geblieben. Und das ist nicht verwunderlich, denn BSE wurde in der konventionellen Tiermast übertragen durch die Verfütterung von Tiermehlen an Wiederkäuer. In Biobetrieben sind solche Praktiken schon immer untersagt. Statt dessen bekommen Tiere auf Biohöfen Gras, Heu und Biogetreide ergänzt durch Erbsen bzw. Ackerbohnen. Die deutschen Bio-Anbauverbände schreiben zudem vor, dass ein Großteil dieser Futtermittel vom eigenen Betrieb stammen muss. Das heißt, der Landwirt muss Weideflächen und Felder besitzen, die das Futter für seine Tiere liefern. Damit sind Monobetriebe, zum Beispiel reine Mastbetriebe, wie sie in der konventionellen Landwirtschaft üblich sind, ausgeschlossen.

Antibiotika in Futtermitteln

Auf herkömmlichen Höfen stehen die Tiere oft dicht gedrängt im Stall. Durch diesen Dauerstress in der Mast sind sie krankheitsanfälliger, so dass die Betriebe Arzneimittel wie Antibiotika als Bestandteil des Futters verabreichen - ganz legal. So bekommen gesunde Tiere rund 17 Prozent aller in der Tierhaltung eingesetzten Antibiotika verabreicht, obwohl sie die Medikamente eigentlich gar nicht benötigen. Denn die pharmakologischen Substanzen steigern die Leistung und das Wachstum. Für den Bauern macht sich das im höheren Ertrag bezahlt. Rückstände können jedoch über die Nahrungskette in unsere Lebensmittel gelangen. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission soll die Zulassung für Antibiotika als Wachstumsförderer erst 2006 auslaufen. Bei der artgerechten Haltung in ökologischen Betrieben sind solche Praktiken überflüssig. Denn die Tiere bekommen auf Biohöfen genügend Platz und Auslauf und sind somit weniger anfällig für Krankheiten. Sie haben ausreichend Zeit zum Wachsen und werden auch ohne pharmakologische Wachstumsförderer groß. Die EG-Bio-Verordnung verbietet ausdrücklich die prophylaktische Gabe von Antibiotika, anderen Arzneimitteln und Stoffen zur Wachstums- und Leistungsförderung in der Tierernährung.

Weniger Nitrat in Bio-Gemüse

Stickstoff ist für das optimale Pflanzenwachstum unverzichtbar. In der konventionellen Landwirtschaft liefern schnell lösliche Mineraldünger diesen Nährstoff, der sich als Nitrat im Gemüse anreichert. Zwar ist Nitrat selbst ungefährlich, kann aber im Körper zu Nitrit umgewandelt werden. Dieses kann den Sauerstofftransport des Blutes beeinträchtigen. Zudem steht es im Verdacht, über die Umwandlung zu Nitrosaminen indirekt krebserregend zu wirken. Die Aufnahme von Nitrat sollte deshalb so gering wie möglich gehalten werden.
Im ökologischen Landbau ist die Verwendung mineralischer Stickstoffdünger nicht erlaubt. Stattdessen werden organische Düngemittel eingesetzt, also Gülle, Jauche, Geflügelmist und Kompost, die allesamt von Biobetrieben stammen müssen. Aus solchen Düngern werden die Nährstoffe nur langsam freigesetzt. Damit trägt der Bio-Anbau nicht nur zur Verminderung des Nitratgehaltes im Gemüse bei (s. Tabelle), sondern leistet auch einen Beitrag zum Schutz des Trinkwassers.

Öko-Lebensmittel: Keine Rückstände dank Verzicht auf Pestizide

Die konventionelle Landwirtschaft kommt ohne Unkrautvernichtungsmittel nicht aus. Bei unsachgemäßer Anwendung oder zu hoher Dosierung sind Rückstände auf den Lebensmitteln nicht auszuschließen. Zuletzt sorgten erhöhte Rückstände bei Gemüsepaprika aus Spanien für Schlagzeilen. Nach einer Untersuchung der EU-Kommission waren 19 Prozent der in der EU verkauften Paprika unzulässig mit Pestiziden belastet. Ökolebensmittel beweisen, dass es auch ohne Chemie geht. Dafür ist ein höherer Arbeitsaufwand erforderlich, wie sich beim Möhrenanbau zeigt: Sobald die Möhrenkeime die Erde durchstoßen, ist die erste Bearbeitung fällig: Mit einem speziellen Gerät brennt der Landwirt die unerwünschten Beikräuter ab. Den Möhrenkeimen schadet das nicht, da sie noch von Erde bedeckt sind. Durch das Abflämmen haben sie einen Wachstumsvorsprung gegenüber den Beikräutern, die erst wieder neu keimen müssen. Wenn sie nachgewachsen sind, muss der Landwirt sie mit einer Maschine mit rotierenden Bürsten zwischen den Reihen wegfegen. Später kommt noch zweimal die Hackmaschine zum Einsatz. Auch sie entfernt nur die Pflanzen zwischen den Reihen. Alles, was innerhalb der Möhrenreihen wächst und keine Möhre ist, muss per Hand entfernt werden. Das bedeutet pro Hektar 50 bis 500 Stunden Handarbeit. Hinzu kommt, dass Ökomöhren langsamer wachsen als konventionell angebaute Möhren, weil die Mineralstoffe des Bodens im Gegensatz zum leicht löslichen Mineraldünger nicht so schnell verfügbar sind.

Öko-Lebensmittel: Mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthalten

Neueste Studien deuten darauf hin, dass Biolebensmittel höhere Konzentrationen gesundheitsfördernder Substanzen enthalten. So fanden Wissenschaftler höhere Werte für verschiedene Vitamine, insbesondere Vitamin C. Das Forschungsinstitut für ökologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz hat Äpfel aus ökologischem und konventionellem Anbau untersucht. Die Forscher verglichen Früchte von direkt benachbarten Bäumen. Die Ökoäpfel enthielten mehr Ballaststoffe und Phosphor. Bei der Ernte und bei späteren Tests waren sie knackiger und wiesen ein harmonischeres Zucker-Säure-Verhältnis auf, so dass sie von geschulten Testpersonen bessere Noten hinsichtlich Aroma und Aussehen bekamen als konventionelle Äpfel. Zusätzlich lag der Anteil an sekundären Pflanzenstoffen, insbesondere an antioxidativ wirkenden Flavonoiden, in den Ökoäpfeln deutlich höher. Menschen, die viel Flavonoide aufnehmen, erkranken seltener an Herzinfarkt.

Ein ähnliches Ergebnis hinsichtlich des Gehalts an gesundheitsfördernden Pflanzenstoffen brachte ein Vergleich von ökologischen und konventionellen Rotweinen. In einer französisch-schweizerischen Studie lag der Gehalt an dem sekundären Pflanzenstoff Resveratrol im Ökowein um 40 bis 60 Prozent höher. Die zu den Phytoöstrogenen zählende Verbindung wirkt als Antioxidanz vermutlich gegen Krebs und Herzinfarkt.

Qualität der Öko-Lebensmittel überzeugt

Die gesundheitlichen Vorteile der rückstandsärmeren Lebensmittel aus ökologischer Herstellung machen einen entscheidenden Unterschied zur konventionellen Massenware aus. Mit gutem Gewissen in eine knackige Biomöhre zu beißen, scheint immer mehr Verbraucher zu überzeugen. Nicht zuletzt ist es aber auch der Genuss, der für ökologisch erzeugte Lebensmittel spricht. Denn Ökotomaten oder Biofleisch bleiben genug Zeit zur Reife bzw. zum Wachstum. Sie schmecken einfach besser als wässrige Tomaten und in Rekordzeit gemästetes Schweinefleisch.

Quelle: Dietz, E.: UGB-Forum 3/02, S. 125-127

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