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Viel Wirbel ums Wasser

Ohne Wasser kein Leben. Daran besteht kein Zweifel. Doch was hat es mit verwirbeltem, vitalisiertem oder gar lebendem Wasser auf sich? Und hat Wasser ein Gedächtnis, wie einer der Kernsätze der neuen Wasserphilosophie lautet?

Heilpraktiker, asiatische Gesundheitsgelehrte und sogar ein paar anerkannte Wissenschaftler glauben, dass Wasser Informationen speichern kann. So sollen Schadstoffe wie chemische Pflanzenschutzmittel, die einmal im Grundwasser enthalten waren, selbst dann noch Schaden verursachen, wenn sie herausgefiltert wurden. Denn, so die Theorie, das Wasser speichert die Information, auch wenn das eigentliche Gift gar nicht mehr enthalten ist. Aus der Homöopathie ist ein ähnliches Wirkprinzip bekannt. Wasser, das in der Natur durch Bäche und unterirdische Kanäle fließt, durch Gesteinsschichten sickert und aus Bergquellen sprudelt, besitze eine natürliche Wasserstruktur. Leitungswasser verliere dagegen seine Lebendigkeit, wenn es eingezwängt und unter hohem Druck durch enge Rohre strömt. Dadurch verschlechtere sich nicht nur der Geschmack, sondern auch die Qualität. Zahlreiche Stoffwechselerkrankungen, so sind verschiedene Wasserphilosophen überzeugt, würden durch das immer schlechtere Trinkwasser mitverursacht.

Einige Vertreter dieser Theorien bieten unterschiedliche Geräte und Verfahren zur Vitalisierung oder Energetisierung von Trinkwasser an. Die Bezeichnungen für gutes Wasser reichen dabei von kleinclustrig, mit kristalliner Molekularstruktur oder ionisiert über levitiert, kolloidal, lösungs- und bindefähig bis hin zu lebensbejahend. Die Geräte zur Vitalisierung sollen laut Herstellerangaben die nicht mehr chemisch nachweisbaren Schadstoffinformationen löschen, die möglicherweise durch den Kontakt mit Pflanzenbehandlungsmitteln, Medikamenten und anderen Giften im Wasser gespeichert sind.

Levitation: Verwirbeltes Wasser lebendiger?

Ein rein physikalisch-mechanisches Verfahren zur Belebung von Wasser entwickelte der Physiker Wilfried Hacheney bereits vor mehreren Jahrzehnten. Bei der so genannten Levitation wird Wasser nach einem patentierten Verfahren verwirbelt. In einer Maschine läuft es mit hoher Geschwindigkeit durch spiralförmig angeordnete Schläuche. Die dabei auftretenden Saugeffekte und Mikrowirbel sollen die Strukturen des Wassers aufbrechen und die Molekülverbände (Cluster) verkleinern. Die veränderte Clusterstruktur soll die Aufnahmefähigkeit des Wassers für Schlacken und Schadstoffe erhöhen. Wer levitiertes Wasser trinkt, könne so mehr Schadstoffe ausscheiden, behauptet Hacheney. Menschen, die ihr Trinkwasser mit seinem Gerät aufbereiten, würden innerhalb kurzer Zeit ihr Blutbild verbessern; Cholesterin- und Harnstoffwerte gingen zurück.

Auf ähnliche Weise begründete der Pionier der Wasserforschung Viktor Schauberger (1885-1958) sein mechanisches Prinzip der Verwirbelung. In Rohren komprimiertes Leitungswasser, das an Energie verloren habe, soll so seine ursprüngliche (Bergbach)-Struktur zurückerhalten. Schadstoffinformationen würden durch die Neustrukturierung des Wassers gelöscht. Ebenso wie mit dem Verfahren von Hacheney können mit dieser Methode jedoch keine Schadstoffe aus dem Trinkwasser entfernt werden. Dazu sind nur eine chemische Reinigung oder grobstoffliche Wasserfilter in der Lage. Einfache Spiralen nach Schauberger, die an den Wasserhahn angeschlossen werden, sind ab 30 Euro zu haben. Die größeren Levitationsgeräte nach Hacheney werden ebenfalls für die Küchennutzung angeboten, kosten aber mindestens 2000 Euro.

Positive Energien sollen übertragen werden

Auf dem Markt befinden sich darüber hinaus Geräte, die das Wasser durch gespeicherte Energie positiv beeinflussen sollen. Das Leitungswasser wird dabei an Naturmaterialien wie speziellen Wässern, Steinen oder Kristallen vorbei geführt. Diese treten nicht in direkten Kontakt mit dem Leitungswasser, sondern sind in einer Vorrichtung außen an den Rohren befestigt. Laut Hersteller geben die Naturprodukte auch ohne direkten Kontakt die in ihnen gespeicherte Energie an das Wasser ab. Damit werde dem Wasser seine natürliche Struktur, Ordnung und Energie zurückgegeben und sein Selbstreinigungsvermögen gestärkt. Auf diesem Prinzip beruht auch das vor allem in Österreich weit verbreitete Granderwasser. Der österreichische Naturforscher Johann Grander will durch sein Informationswasser, das er zuvor mit lebensbejahenden Informationen versetzt hat, dem vorbei fließenden Leitungswasser seine natürliche Lebensenergie zurückgeben. Die Informationsübertragung erfolge dabei allein durch Resonanz, das heißt, die beiden Wässer treten in keinen direkten Kontakt. Die mit Granderwasser gefüllten Geräte können an den Wasserhahn oder an die zentrale Wasseranlage im Haus angeschlossen werden und kosten etwa ab 370 Euro für die Küche und 1000 Euro für eine ganze Wohnung. Grander führt zahlreiche Erfahrungsberichte seiner Kunden an, die von Linderung bestehender Krankheiten, gesteigertem Wohlbefinden, besserem Geschmack und diversen technischen Vorteilen berichten. So soll sich der Wasch- und Spülmittelverbrauch verringern oder die Kalkbelastung von Haushaltsgeräten vermindern. Obwohl verschiedene Wasserforscher versucht haben, die Wirkungsweise wissenschaftlich zu belegen, konnten bisher keine eindeutigen Beweise für die positiven Eigenschaften des Granderwassers erbracht werden.

Phantastische Heilversprechen

Bei ionisiertem bzw. superionisiertem Wasser (SIW) handelt es sich um ein Wasser, das zusätzliche Elektronen in seiner äußeren Hülle enthalten soll. Von einer Art Konzentrat gibt man einige Tropfen in mehrere Liter Wasser, welches dann zu ionisiertem bzw. superionisiertem Wasser wird. Woher all die zusätzlichen Elektronen stammen, bleibt allerdings das Geheimnis des türkischen Erfinders Ayhan Doyuk. Durch seine Produkte (Getränke, Kosmetika und Reinigungsmittel aus SIW) sollen Schadstoffe gebunden und abtransportiert werden. Doyuk, der eine eigene Internetseite zum Vertrieb seiner Produkte betreibt, behauptet sogar, durch das Trinken von superionisiertem Wasser könne neben der Heilung praktisch aller Krankheiten der Cholesterinspiegel gesenkt und im ganzen Körper Fette in Proteine umgewandelt werden, was zur Gewichtsreduktion beitragen soll. Die phantastisch anmutenden Aussagen über die Wirkungsweise des ionisierten bzw. superionisierten Wassers klingen mehr als unglaubwürdig. Bedenklich erscheint auch das Vertriebssystem, bei dem Kunden aufgefordert werden, bei Freunden und Bekannten für die Produkte zu werben.

Beeindruckend sind die Kristallbilder des japanischen Alternativmediziners Masaru Emoto. Er fotografiert Eiskristalle unter dem Mikroskop kurz vor dem Schmelzen. Dabei entstehen Bilder von wunderschön geformten Kristallen bis hin zu strukturlosen, wirren Formen. Aus diesen Kristallbildern liest der Wasserforscher die Qualität und Lebendigkeit des Wassers ab. Je schöner und filigraner die Form des Wasserkristalls ist, desto harmonischer und energiereicher sei das Wasser. Doch seine Forschungen gehen noch weiter: Er bespielt das Wasser mit unterschiedlicher Musik, bespricht es oder graviert Worte auf das Wassergefäß. Laut Emoto verändern sich die Eiskristalle abhängig davon, ob sie mit guter oder schlechter Musik bzw. Worten behandelt werden. Halte man beispielsweise einen Zettel mit dem Wort "Hitler" an ein Wasserglas, bildeten sich nur kümmerliche Kristalle. Aus wissenschaftlicher Sicht lassen seine Untersuchungen allerdings zu wünschen übrig. Zum Beispiel sind seine Ergebnisse nicht wiederholbar (reproduzierbar), ein wichtiges Kriterium für die wissenschaftliche Anerkennung.

Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel

Mittlerweile wurden zahlreiche Versuche unternommen, die energetische Qualität von Wasser wissenschaftlich zu bestimmen und dafür nachvollziehbare Belege zu erbringen. Untersucht wurden beispielsweise die Veränderungen der Oberflächenspannung, des elektrischen Potenzials oder der Wachstumsrate von Mikroorganismen. Diese Versuche blieben jedoch bisher größtenteils erfolglos.

Eine Erklärung könnten aber vielleicht einmal die Ergebnisse des Ingenieurs Bernd Kröplin liefern. Der Professor an der Fakultät für Luft- und Raumfahrt der Universität Stuttgart entdeckte im Rahmen seiner Forschungen, dass sich der Speichel von Testpersonen unter dem Einfluss von Mobilfunk- und Röntgenstrahlung verändert. In seinem Institut wurden daraufhin Rückstände tausender getrockneter Tropfen verschiedensten Ursprungs unter dem Mikroskop fotografiert. Die ästhetischen Salzkristalle ließen sich jedoch vorerst nicht reproduzieren. Schließlich konnte Kröplin aber nachweisen, dass sich die Ergebnisse auf charakteristische Weise unterscheiden, je nachdem, welcher Mitarbeiter den Versuch durchführte. Kröplin zieht aus seinen Untersuchungen den Schluss, dass geistige und emotionale Prozesse die materielle Anordnung in Flüssigkeiten beeinflussen.

Mysterium für die Forschung

Tatsächlich ist Wasser für die Wissenschaft nach wie vor ein Mysterium. Es verhält sich oft anders, als aufgrund physikalischer Gesetze zu erwarten wäre. Etwa 40 dieser bekannten Anomalien sind inzwischen erklärbar, etwa dass Wasser bei vier Grad Celsius die größte Dichte hat. Normalerweise nimmt die Dichte mit steigender Temperatur zu. Offen ist dagegen ein Phänomen, das beim Abkühlen von Wasser auftreten kann. Unter Umständen bilden sich zwei Phasen: eine mit niedriger und eine mit hoher Dichte. Während die einen Wassermoleküle vier Nachbarn haben, sind es in der anderen Phase fünf.


Wird damit nun die gesamte Wasserforschung vor ein neues Problem gestellt? Wenn die Gestalt des Wasserkristalls nämlich auf den Experimentator, auf seine Gefühle und Erwartungen reagiert, hieße dies, Skeptiker erreichen eher negative Ergebnisse, während Menschen, die fest an ein positives Resultat glauben, dieses auch erhalten. Erklärt dies vielleicht auch die Ergebnisse des japanischen Wasserforschers Emoto, dass Wasser auf geschriebene Worte reagiert? Tatsächlich verhielten sich die Kristalle bei den von ihm durchgeführten Experimenten entsprechend seinen Erwartungen. Die Ergebnisse Kröplins, der mit seinen Forschungsarbeiten auf anderen Gebieten durchaus Anerkennung in Fachkreisen findet, wurden jedoch noch von keinem zweiten Labor untersucht und bestätigt.

Lichtsignale deuten auf Informationsspeicher hin

Der Schweizer Chemiker Prof. Louis Rey fand einen weiteren Hinweis auf die Fähigkeit von Wasser, Informationen zu speichern. Dazu wandte er die Thermolumineszenz-Messung an. Dabei wird Wasser, in dem verschiedene Salze gelöst sind, gefroren. Wird das Eis daraufhin erwärmt, strahlt es Licht ab, das je nach Zusatz der verschiedenen Salzlösungen charakteristisch ist. Rey entdeckte nun auch die gleichen Lichtsignale bei hoch verdünnten Proben, die kein einziges Salzmolekül mehr enthalten. Ist dies nun ein wissenschaftlicher Beweis, ähnlich wie für die Wirkung der Homöopathie? Allerdings existieren auch hier Vorwürfe bezüglich der Unwissenschaftlichkeit seiner Forschungen. So hat Rey den Versuch nicht blind durchgeführt, das heißt, er wusste stets, um welche Probe es sich handelt.

Am Bodensee betreibt das Untersuchungslabor der Hagalis AG Kristallanalysen. Das Verfahren wurde von dem Heilpraktiker Andreas Schulz entwickelt. Nach Trennung des Wassers in seine mineralischen und flüssigen Anteile und ihrer anschließenden Wiedervereinigung ergebe sich nach dem Verdunsten unter dem Mikroskop ein arttypisches Kristallbild der zurückbleibenden Salze (siehe Fotos). An Ausbreitung, Stärke, Form und Struktur der Kristalle lasse sich der energetische Zustand des untersuchten Wassers ablesen. Laut Schulz sind die Kristallbilder aus einer Probe reproduzierbar. Durch die Kristallanalyse könnten somit verschiedene Wässer und die Wirksamkeit von verschiedenen Belebungsverfahren nachgewiesen werden. In einer aktuellen Studie des privaten Labors schneiden alle untersuchten Wasserbelebungsgeräte positiv ab, erhöhen demnach tatsächlich die Qualität des Wassers. Nach dem Stuttgarter Forscher Kröplin wäre allerdings jede Bewertung von Wasserkristallbildern reine Spekulation, da der Forscher unweigerlich auch seine Erwartungen an das Wasser abgibt, die sich im Ergebnis widerspiegeln.

Wissenschaft versagt bislang die Anerkennung

Trotz der neuesten Ergebnisse der Wasserforschung ist für den Großteil der Naturwissenschaftler die Energetisierung und Belebung von Wasser reine Spinnerei. Wie soll es möglich sein, dass Wasser Strukturen oder Informationen speichert, obwohl sich die Bindungen zwischen den Wassermolekülen unaufhörlich im Takt von milliardstel Sekunden umorientieren? Eine wissenschaftliche Erklärung dafür steht aus. Vorsicht ist bei Theorien geboten, bei denen vor allem der Verkauf von Produkten im Vordergrund steht. Verdächtig sind insbesondere solche Anbieter, die teure Geräte bzw. Produkte offerieren und unseriöse Vertriebsstrukturen offenbaren. Auch von Verfahren mit phantastischen Heilversprechen und Methoden, deren Wirkung vom Anbieter geheim gehalten wird oder nicht plausibel erklärt werden kann, sollte man besser die Finger lassen. Andererseits sind fehlende wissenschaftliche Erklärungen kein zwingender Beweis dafür, dass bestimmte Phänomene nicht existieren können.

Quelle: Schuster, A.: UGB-FORUM 3/05 S. 120-123

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