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Macht Pu-Erh-Tee wirklich schlank?

Pu-Erh-Tee ist ein speziell fermentierter Tee, dem verschiedene gesundheitliche Wirkungen zugesprochen werden. Für diese Wirkungen gibt es weder eine fundierte Erklärung noch werden wissenschaftliche Belege genannt. Daher ist der Genuß dieses Tees als Schlankheitsmittel nicht zu empfehlen.

Mit massiven Werbekampagnen wird zur Zeit Pu-Erh-Tee als neues Schlankheitsmittel angepriesen. Für Preise bis zu 40,- DM pro 100 Gramm können Abnehmwillige den Tee in Teefachgeschäften, Asialäden, Apotheken, Reformhäusern, Naturkostläden oder über den Versandhandel beziehen. Als lose Blattware, in gepreßter Form und sogar als Kapseln steht der Tee zur Verfügung.

Fermentierte Blätter

Pu-Erh-Tee ist ein speziell fermentierter Tee aus den Blättern des Teestrauches Camellia sinensis, aus denen auch schwarzer Tee hergestellt wird. Nach Angaben der Vertreiber werden die frischen, grünen Teeblätter gepreßt und solange fermentiert, bis sie die charakteristisch rötlich-braune Farbe und den erdig-nussigen Geschmack bekommen. Konsumenten empfinden das Aroma allerdings eher als modrig und pilzig. Hinweise dazu, welche Mikroorganismen an der Fermentation beteiligt sind und unter welchen genauen Bedingungen (Temperatur, Zeit, Luftfeuchte) sie abläuft, gibt es nicht.

Auch die Aussagen zu den Wirkungen des Tees sind mehr als dürftig. Pu-Erh-Tee soll die Blutfettwerte, insbesondere den Cholesterinspiegel senken, das Immunsystem sowie die Verdauung anregen und über den Leberstoffwechsel den Alkoholabbau fördern. Daß der Teekonsum zum Abbau von Körpergewicht beiträgt, soll angeblich in klinischen Studien in China und Frankreich beobachtet worden sein. Genaue Quellen können die Vertreiber allerdings nicht angeben. Selbst ein Anbieter sieht einen uneingeschränkten Genuß des Pu-Erh-Tees kritisch und empfiehlt, ihn nicht literweise zu trinken. Es sei nicht sicher, ob der Tee möglicherweise mit Giften von Schimmelpilzen belastet sei. Zudem weist der konventionell angebaute Tee stark schwankende Belastungen mit Pestiziden auf. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) empfiehlt seinen Mitgliedern insbesondere aufgrund von möglichen DDT-Belastungen, generell eine Analyse des Pestizidgehaltes zu fordern. Bisher gibt es auch noch keine Daten zum Coffein- und Gerbstoffgehalt des Pu-Erh-Tees. Die Frage, ob der angebliche Wundertee die gleichen negativen Wirkungen wie Schwarztee und Bohnenkaffee hat, bleibt damit offen.

"Abgebrühte Verbrauchertäuschung"

Nach Ansicht der Verbraucher-Zentrale Hessen handelt es sich bei Pu-Erh-Tee um eine "abgebrühte Verbrauchertäuschung". Die Verbraucherschützer fordern die Vertreiber auf, ihre Werbeaussagen durch Studien zu belegen und eine Zulassung als Arzneimittel zu beantragen. Bis dahin sollen die Lebensmittelüberwachungsbehörden den Tee wegen "seiner unhaltbaren Diät- und Heilversprechen" aus dem Verkehr ziehen. Auch der UGB warnt davor, den Werbesprüchen zu vertrauen. Denn für eine langfristige Stabilisierung des Körpergewichts ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung unverzichtbar. Bisher haben sich noch alle Wundermittel zur "Gewichtsreduktion ohne Ernährungsumstellung" als leere Versprechen erwiesen, die ausschließlich dem Geldbeutel der Anbieter dienen. Den Übergewichtigen bescheren sie nur neuen Frust sowie verlorene Zeit und Geld.

LITERATUR:
HEUSCHRECKE GmbH, Köln (Hrsg.): Info Pu-Erh Tee vom 16.03.1999
N.N.: Abgebrühte Verbrauchertäuschung - Pu-Erh-Tee als Schlankheitsmittel wirkungslos. In: Pressedienst Verbraucherzentrale Hessen 24, 1999
N.N.: Belasteter Pu Erh Tee. In: BNN-Einzelhandel Pressedienst vom 18.03.1999
SINASS-TEE (Hrsg.): Pu Erh Tee. In: SinAss-Informationsdienst 3, Bremen 1999
WEIHOFEN, J.: Pu-Erh. Roter Tee aus China - nicht nur ein "Fettkiller". Sanoform, Troisdorf 1998

Quelle: Franz, W.: UGB-Forum 2/99, S. 112


Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

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