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Heilerde: Multitalent für die Hausapotheke

In der Volksmedizin hat Heilerde seit Jahrtausenden ihren festen Platz. Löss, Vulkan- oder Tonerde - wie das Naturheilmittel auch genannt wird - kann bei Magen-Darm-Problemen über Hauterkrankungen bis hin zu Gelenkschmerzen helfen.

Heilerde - Hausapotheke

Peter M. hat es befürchtet: Sein durch beruflichen Stress ohnehin gereizter Magen reagiert mit saurem Aufstoßen und Völlegefühl auf das üppige Ostermenü. Selbst nachdem er den Gürtel weiter geschnallt hat, lässt das Sodbrennen nicht nach. Erst ein Löffel eines schlichten Pulvers verschafft ihm endlich Linderung - Heilerde. Wie Peter M. mit seinem Reizmagen leiden viele Menschen unter einem übersäuerten Magen und greifen daher bei Sodbrennen und ähnlichen Beschwerden zu dem traditionellen Naturheilmittel.
Durch ihre staubfeine Struktur besitzt Heilerde eine große spezifische Oberfläche. Die winzigen Teilchen treten mit anderen Substanzen in Wechselwirkung und können Ionen, also elektrisch geladene Teilchen, einlagern. So binden die schichtartig aufgebauten Tonminerale beispielsweise die Säure-Ionen der Magensäure. Zudem liefert Heilerde lösliche Kalksalze (Calcium), die zum Säure-Base-Ausgleich im Körper beitragen. Je nach Herkunft enthält Heilerde unterschiedliche Mengen weiterer Mineralien und Spurenelemente wie Kieselsäure, Eisen, Magnesium, Selen oder Zink.

Heilerde - ein Heilmittel mit langer Tradition

Heilerde wird aus Ablagerungen gewonnen, die aus Gletschern der letzten Eiszeiten entstanden sind. Im Laufe von Jahrtausenden wurden die Gesteine zerrieben und verwitterten zu feinem Pulver. Schon im alten Ägypten und antiken Griechenland hatten heilende Erden ihre Fürsprecher. Nachdem sie einige Jahrhunderte in Vergessenheit geraten waren, tauchten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder auf. Pfarrer Sebastian Kneipp und der als Lehmpastor bezeichnete Emanuel Felke trugen zu ihrer Wiedergeburt bei. Sie beschrieben überwiegend äußerliche Anwendungen. Später wiesen der Arzt Julius Stumpf und Adolf Just die antibakterielle Wirkung wissenschaftlich nach.
Die in mehreren Metern Tiefe gestochene Heilerde wird getrocknet, gemahlen und gesiebt. Je nach Herkunft und vorherrschenden Gesteinsarten unterscheidet man verschiedene Arten von Heilerde. Bei uns ist besonders die bräunliche Heilerde bekannt. Es gibt sie in verschiedenen Feinheitsgraden. Menschen mit sehr empfindlichem Magen sollten besonders feines Pulver wählen. Präparate der Firma Luvos besitzen als einzige in Deutschland die Zulassung als Arzneimittel und sind deshalb besonders für die innere Anwendungen geeignet. Obwohl der naturreine Löss schon von sich aus keimarm ist, wird Heilerde zur Verwendung als Arzneimittel zusätzlich auf 133 ?C erhitzt. Neben dem bräunlichen Pulver, das beispielsweise im Taunus oder in der Schweiz gewonnen wird, ist auch die grüne Tonerde aus Frankreich populär, deren Farbe durch enthaltene Mineralien wie Eisenoxid entsteht.

Innere Anwendung von Heilerde

Zum Einnehmen lösen Sie 1-2 Teelöffel Heilerde mit einem halben Glas Wasser oder Tee auf und trinken es in kleinen Schlucken. Zum Umrühren sollten Sie einen Löffel aus Holz oder Keramik benutzen. Wer es mag und genügend Speichel hat, kann das Pulver auch trocken einnehmen beziehungsweise mit Flüssigkeit hinunterspülen. Ansonsten gibt es auch fertige Kapseln zum Schlucken.


Heilerde ist ein natürliches Hausmittel für viele Beschwerden

Heilerde ist ein wahres Multitalent. Sie bindet nicht nur überschüssige Magensäure, sondern auch Gallensäuren oder flüssige und gasförmige Stoffwechselprodukte, die durch Gär- und Fäulnisprozesse entstehen können. In Wasser aufgelöst hilft sie bei Aufstoßen, Blähungen oder Durchfall. Sogar schädliche Bakterien bleiben in ihrer zerklüfteten Struktur hängen. Bei Übersäuerung des Magens oder Sodbrennen sind eher kleinere Mengen angesagt, die über den Tag verteilt eingenommen werden. Bei akutem Durchfall können Sie durchaus mehrmals am Tag einige Teelöffel aufgelöste Heilerde trinken. Am besten nehmen Sie Heilerde etwa eine Stunde vor dem Frühstück und vor dem Schlafengehen zu sich. Wenn Sie gerade Medikamente bekommen, sollten Sie einen Abstand von ein oder zwei Stunden einhalten, da sonst eventuell auch Arzneimittelwirkstoffe gebunden werden. Heilerde ist frei von Nebenwirkungen. Nur schwangere und stillende Frauen sowie Kinder unter zwölf Jahren sollten vorsichtshalber darauf verzichten, weil hierfür keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen. Auch bei chronischer Verstopfung wird von Heilerde abgeraten.

Heilerde hilft bei Gelenk-beschwerden und Pickeln

Für die äußerliche Anwendung von Heilerde eignet sich eine gröbere Körnung besser als feines, weiches Pulver. Bei Magenbeschwerden unterstützen Leibwickel mit Heilerde die innere Anwendung. Auch bei Prellungen, Muskel- und Gelenkbeschwerden bis hin zu Hexenschuss bieten sich Wickel an (siehe Kasten). Schon während des Trocknens setzt die wohltuende Wirkung ein. Die behandeltete Körperstelle wird besser durchblutet und erwärmt sich angenehm. Ferner bindet der Löss auch Wundsekrete und die entstehende Sogwirkung unterstützt bei offenen Stellen das Austrocknen von nässenden Wunden und Geschwüren.

Feuchte Wickel

Für Wickel oder Kompressen verrühren Sie das Pulver mit Wasser, Essigwasser oder einem Aufguss z. B. aus Kamille, Zinnkraut oder Haferstroh. Den streichfähigen Brei tragen Sie auf das betroffene Körperteil auf. Kleinere Stellen werden fingerdick bestrichen, größere Flächen bleistiftdick und ganze Körperteile millimeterdünn. Offene oder nässende Wunden sollten Sie allerdings zuvor mit einer dünnen Mullbinde schützen. Über den Brei kommt zunächst ein feuchtes und dann ein trockenes Baumwolltuch.

Weil die äußerliche Anwendung unter anderem auch bei allergischen Hautreaktionen, Akne, Insektenstichen oder gar Herpes hilft, machen viele Menschen Gesichtsmasken mit Heilerde. Diese trocknen deutlich schneller als die Wickel, und es ist auch kein trockenes Tuch nötig. Bei allergischen Hautreaktionen und akuten Entzündungen sollten die Wickel kalt, bei chronischen Entzündungen, Verhärtungen, Krämpfen oder Ekzemen dagegen besser warm sein. Gegen Erkrankungen im Mund- und Rachenraum können Sie mit Heilerde auch gurgeln. Dazu lösen Sie den Löss in lauwarmen Salbeitee auf.
Selbst als Zusatz zu Haarshampoo und Zahnpasta kommt Heilerde zum Einsatz. Manche Menschen verwenden sie als Badezusatz, weil sie den Stoffwechsel anregt und die Blutzirkulation fördert. Dazu geben Sie acht bis zehn Esslöffel ins einlaufende Badewasser. Nach dem warmen Bad kuscheln Sie sich am besten in ein großes Tuch und lassen die anhaftende Erde trocknen. Die Krümel können Sie danach einfach mit einem feuchten Tuch abrubbeln, quasi als natürliches Peeling. Heilerde ist sicher kein Wundermittel. Als natürliches Heilmittel ohne Nebenwirkungen kann es aber bei vielen Gelegenheiten die Beschwerden lindern. Probieren Sie es aus.

Onlineversion von: Pabel, B.: UGB-Forum 2/04, S. 79-80
Foto: Luvos

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