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Pestizide sind überall

Pestizide verbreiten sich kilometerweit durch die Luft und lassen sich praktisch überall in Deutschland nachweisen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Umweltinstitut München gemeinsam mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft in Auftrag gegeben hat.

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Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 30.000 Tonnen Pestizid-Wirkstoffe ausgebracht. Um ihre Verteilung zu untersuchen, analysierten Experten sogenannte Passivsammler, Luftfiltermatten aus Be- und Entlüftungsanlagen, Baumrinden und fermentierte Blütenpollen (Bienenbrot) aus Bienenstöcken. Auch Ergebnisse eines Monitorings von Baumrinden aus 2018 wurden integriert. In den 163 untersuchten Proben ließen sich 152 verschiedene Wirkstoffe nachweisen. Meist zeigten sich Rückstände von mehreren Pestiziden – unabhängig davon, ob die Probe vom Land, dem Nationalpark oder aus der Stadt stammte. 138 ließen sich auf landwirtschaftliche Ausbringung zurückführen, zum Beispiel Glyphosat. Zum Messzeitpunkt waren 30 Prozent der Pestizide nicht mehr oder sogar noch nie zugelassen. Besonders hoch belastet zeigten sich Wein- und Obstanbaugebiete. Hohe Konzentrationen fanden sich jedoch auch an Standorten unabhängig von der Pestizidausbringung vor Ort. Biobetriebe sind ebenfalls nicht vor Verunreinigungen aus der Luft geschützt. Das hat in der Vergangenheit bereits dazu geführt, dass ökologisch erzeugte Ware nicht als solche verkauft werden durfte. Die Initiatoren der Studie fordern daher, einen Ausgleich für Biobetriebe über einen Entschädigungsfonds, in den die Chemieindustrie einzahlt, zudem ein reformiertes Zulassungsverfahren für Pestizide, das die Verbreitung über die Luft berücksichtigt.

Quelle: Julia Bansner/Hans-Helmut Martin. UGBforum 6/20, S.303

Literatur:
Kruse-Plaß M et al. (2020). Pestizid-Belastung der Luft.

Foto: Christophe B./Fotolia.com