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Wieso wirkt Flohsamen gegen Verstopfung und Durchfall?

Flohsamen enthält reichlich Ballaststoffe und kann sehr viel Flüssigkeit binden. Deshalb wird er sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall eingesetzt.

Unter dem Begriff Flohsamen oder Psyllium werden die Samen verschiedener Wegerichgewächse (botanisch: Plantaginaceae) zusammengefasst. Die einjährigen, niedrigen Kräuter sind in Indien, Pakistan und dem Mittelmeerraum beheimatet. Psyllium bedeutet griechisch "Floh" und tatsächlich erinnern die ovalen, 1,5-3,5 mm langen, von blassrosa über rötlichgelb bis graubraun gefärbten Samen an das Aussehen von Flöhen. Verarbeitet werden entweder die ganzen Samen oder nur ihre Schalen. Die Samenschale besteht zu 85 Prozent aus löslichen, schleimbildenden Ballaststoffen. In Flüssigkeit eingerührt quellen die Schalen innerhalb kurzer Zeit auf und bilden ein farbloses, zähflüssiges Gel mit neutralem Geschmack. Reines Psyllium wird als Ballaststoffpräparat zur Behandlung von Verstopfung (Obstipation) eingesetzt und ist Bestandteil verschiedener Abführmittel (Laxanzien).
In den USA sind bereits seit einigen Jahren mit Psyllium angereicherte Frühstückscerealien im Handel. Studien zur Wirkung von Flohsamen ergaben, dass die enthaltenen Ballaststoffe Stuhlgewicht und -menge signifikant steigern und die Stuhlfrequenz erhöhen. Bei der Mehrzahl der untersuchten Patienten wurden die Stühle weicher, deutlich gleitfähiger und waren somit leichter absetzbar. Teilweise beschleunigte sich auch die Passagezeit. Wer Flohsamen einnimmt, muss aufgrund der starken Quellfähigkeit ausreichend Flüssigkeit aufnehmen, da es sonst zu schwerwiegender Verstopfung in Speiseröhre oder Darm kommen kann.

Die schleimbildenden Ballaststoffe sind es auch, die gegen Durchfall helfen. Sie binden überschüssiges Wasser, so dass sich bei Durchfall der Stuhl verfestigt. In zahlreichen Studien wurde zudem nachgewiesen, dass eine Psylliumzufuhr von 10-15 g/Tag die Gesamt- und LDL-Cholesterinkonzentration im Blut senkte, während die Konzentration des "guten" HDL-Cholesterins unbeeinflusst blieb. In einer Studie an Kindern mit erhöhtem Chlolesterinspiegel zeigte sich allerdings keine Wirkung. Psyllium scheint den Cholesterinspiegel aber nur nachhaltig zu senken, wenn es innerhalb einer Mahlzeit in Form eines angereicherten Lebensmittels und nicht etwa in isolierter Form zwischen den Mahlzeiten aufgenommen wird. Flohsamen wirken sich außerdem günstig auf den Blutzuckerspiegel aus.

Wie alle Quellstoffe können sie wegen ihres Bindungsvermögens die Nährstoffaufnahme behindern. Andere Nebenwirkungen sind bei einer Therapie mit täglich bis zu 10 g Psyllium selten. Die am häufigsten beobachteten Reaktionen sind allergischer Art. Ausgelöst werden sie jedoch selten durch den Verzehr, sondern meist über Hautkontakt und das Einatmen von Flohsamen-Staub. Unklar ist derzeit noch, wie sich eine langfristige Einnahme von Psyllium auswirkt. Eine Studie aus dem Jahr 2000 stellte fest, dass bei Patienten mit Dickdarmkrebs, die über drei Jahre hinweg geringe Mengen an Psyllium verabreicht bekamen, die Rückfallrate höher lag als in der Kontrollgruppe. Obstipation oder erhöhte Blutfettwerte sollten daher nicht vorrangig mit Flohsamen oder anderen Ballaststoffpräparaten behandelt werden. Sinnvoller ist es, die Ernährung generell ballaststoffreicher und fettärmer, das heißt vollwertiger zu gestalten. So wird gleichzeitig die Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Substanzen optimiert - was kein Ballaststoffpräparat leisten kann.

Literaturangaben:
www.heilpflanzen-suchmaschine.de/flohsamen/flohsamen.shtml
KREFT, D.: Flohsamen - lösliche Ballaststoffe zur Therapie der chronischen Obstipation. In: Ernährungs-Umschau 48 (12), S. 482-489, 2001
TRAUTWEIN, E.A. u.a.: Psyllium - ein löslicher Ballaststoff mit cholesterol- senkender Wirkung. In: Ernährungs-Umschau 44 (6), S. 214-218, 1997
WISKER, E.: Funktionelle Wirkungen unverdaulicher Kohlenhydrate: Viskose, Ballaststoffe und resistente Stärke. In: Ernährung/Nutrition 7/8, S. 298-302, 2000

Stand: 2007



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