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Wie läßt sich die Vitamin E-Versorgung von Säuglingen und Erwachsenen optimal sicherstellen?

Bei gesunden Erwachsenen wird durch eine gemischte, ausgewogene Ernährung der Vitamin E-Bedarf ohne Probleme gedeckt. Bei der Vollwert-Ernährung sind Zufuhrmengen möglich, die über den offiziell empfohlenen Werten liegen und daher eventuell einen Beitrag zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten können. Muttermilch enthält ebenso wie industriell hergestellte Milchersatznahrungen für die Säuglingsernährung ausreichende Mengen an Vitamin E.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt als tägliche Aufnahmemenge an Vitamin E für Erwachsene 12 mg alpha-Tocopherol-Äquivalent. Für Schwangere und Stillende liegen die Empfehlungen etwas höher. Säuglinge im Alter von 0-3 Monaten sollten laut DGE 3 mg und zwischen dem 4. und 11. Monat 4 mg alpha-Tocopherol-Äquivalent/Tag aufnehmen. Da der Bedarf an Vitamin E von der Zufuhr an ungesättigten Fettsäuren abhängt, gibt es häufig auch Empfehlungen, die sich auf die Fettsäurenzufuhr beziehen. Allerdings existieren im Markt so unterschiedliche Auffassungen über die empfehlenswerte Zufuhrhöhe (0,2-0,8 mg alpha-Tocopherol-Äquivalent/g ungesättigte Fettsäure), dass die oben genannten Empfehlungen in absoluter Höhe praxisnäher sind.

Reich an Vitamin E sind insbesondere Pflanzenöle, Nüsse und Samen. Andere Lebensmittel wie Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Eier, Milch, Fleisch und Fisch enthalten auch Vitamin E, aber keine großen Mengen. Ihr Verzehr fällt hinsichtlich der Vitamin E-Versorgung ins Gewicht, wenn z.B. Getreide regelmäßig und in größeren Mengen als Vollkorn auf dem Speisenplan steht. Bei der Lebensmittelverarbeitung und -zubereitung im Haushalt ist Vitamin E relativ stabil. Allerdings kann längerer Kontakt mit Licht und Sauerstoff bei 20-35 Grad C, z.B. das offene Stehenlassen von Speiseölen über mehrere Monate, das enthaltene Vitamin E vollständig zerstören. Erhitzen führt erst ab Temperaturen von ca. 200 Grad C z. B. beim Braten oder Frittieren zu deutlichen Vitamin E-Verlusten.

Vitamin E-Mangelerscheinungen sind daher nur für lang andauernde, schwere Störungen der Aufnahme und des Transports von Vitamin E oder bei falscher parenteraler Ernährung bekannt. Die Resorption erfolgt mit den Nahrungsfetten und erfordert die Anwesenheit von Gallensäuren und evtl. Verdauungsenzymen der Bauchspeicheldrüse. Sind Leber- oder Bauchspeicheldrüsenfunktionen aufgrund von Erkrankungen gestört (z.B. bei Cystischer Fibrose) können Vitamin E-Mangelerscheinungen auftreten.

Die wichtigste Funktion des Vitamin E im Organismus liegt nach heutiger Meinung in seiner antioxidativen Wirkung, d.h. Membranlipide, Depotfette und Lipoproteine vor Lipidperoxidation zu schützen. Darüber hinaus kann es über Enzymhemmung positiv auf den Stoffwechsel der Gefäßwandzellen wirken. In höheren Dosen hat Vitamin E in mehreren Studien eine präventive Wirkung auf Arteriosklerose und koronare Herzerkrankungen gezeigt. Da jedoch keine ausreichend gesicherten Daten aus dem Langzeitverlauf kontrollierter Studien und zur Dosis-Wirkungsbeziehung existieren, gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen zur Vitamin E-Zufuhr in Hinblick auf die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gegen eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin E über Präparate spricht, dass Wechselwirkungen mit anderen Nährstoffen nicht kalkulierbar sind und andere in Vitamin E haltigen Lebensmitteln vorkommende, präventiv wirksame Faktoren nicht enthalten sind.

Muttermilch deckt den Vitamin E-Bedarf von reif geborenen Säuglingen ab. Sollte Stillen nicht möglich oder gewünscht sein, sind industriell hergestellte Milchersatznahrungen zu empfehlen. Diese sind in ihrer Nährstoffzusammensetzung der Muttermilch weitestgehend angeglichen. Für sie ist gesetzlich ein Gehalt von 0,5 mg alpha-Tocopherol-Äquivalent/g ungesättigte Fettsäure vorgeschrieben.

Über eine ausgewogene Mischkost läßt sich die empfohlene Vitamin E-Zufuhr in der Regel ohne Probleme abdecken. Die Gießener Vollwert-Ernährungsstudie hat gezeigt, dass die Vollwertköstlerinnen im Vergleich zu den Mischköstlerinnen eine bessere Versorgung mit Vitamin E aufwiesen, was die Autorinnen insbesondere auf den Verzehr von Vollkornprodukten zurückführten. Sicher trägt auch der in der Vollwert-Ernährung im Vergleich zur konventionellen Ernährung höhere Verzehr an Nüssen, Ölsaaten, Pflanzenölen und Hülsenfrüchten dazu bei. Daher erscheinen uns eine vollwertige Lebensmittelauswahl, eine schonende Zubereitung Vitamin E-haltiger Lebensmittel und eine sorgsame Vorratshaltung (z.B. Aufbewahren von Pflanzenölen dunkel, luftdicht und kühl) geeignete Maßnahmen, um die Vitamin E-Versorgung auch in Hinblick auf eine präventive Wirkung vor oxidativen Belastungen optimal zu gewährleisten.

Literatur:
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GASSMANN, B.: Vitamin E: In: Ernährungs-Umschau 44 (2), S. 63-66, 1997
GASSMANN, B.; KÜBLER, W.: Ungesättigte Fettsäuren und Vitamin-E--Bedarf. In: Ernährungs-Umschau 43 (5), S. 172-177, 1996
HAILER, S.: Antioxidantien (Vitamin C, E, Carotinoide) zur Prophylaxe und Therapie. In: Ernährungs-Umschau 41 (8), S. 296-300, 1994
N.N.: Bekommt man mit der Nahrung genügend antioxidative Vitamine und ß-Carotin? Ist es sinnvoll, zusätzlich Präparate einzunehmen? Für die Beratungspraxis. In: DGE-info 11, S. 14-15, 1993
THIERY, J.; TEUPSER, D.: Ist eine Vitamin E-Supplementierung zur Prävention der koronaren Herzkrankheit sinnvoll? In: Der Internist 2, S. 168-176, 1997

Stand: 2007



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