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Wie entsteht Mundgeruch und was kann man dagegen tun?

Mundgeruch entsteht durch bakterielle Zersetzungsvorgänge. Meist ist mangelnde Mundpflege die Ursache für die Entstehung des unangenehmen Mundgeruchs, aber auch Erkrankungen des Nasen- und Rachenraums, des Magen-Darmtraktes und der Lunge können Mundgeruch hervorrufen. Begünstigt wird die Geruchsbildung zusätzlich durch verminderten Speichelfluss und Faktoren wie Rauchen, Alkohol und Stress. Die Behandlung von Mundgeruch richtet sich nach der Ursache und muss dementsprechend von dem jeweilig zuständigen Facharzt behandelt werden.

In der Fachsprache werden zwei Begriffe für Mundgeruch verwendet: "Foeter ex ore" und "Halitosis". Häufig werden beiden Begriffe synonym verwendet. Streng genommen versteht man unter foeter ex ore jedoch ausschließlich übelriechende Atemluft aus dem Mund, die auf pathologische Veränderungen der Mundhöhle zurückzuführen ist. Halitosis hingegen umfasst zusätzlich unangenehme Gerüche über die Nase mit extraoralen Ursachen.
Verschiedene Untersuchungen weisen auf einen Zusammenhang zwischen Mundgeruch, Mundhygiene und Parotontalerkrankung hin. Man geht heute davon aus, dass dies in etwa 70-90 Prozent der Fälle die Ursache für Mundgeruch ist. Für die Geruchsbildung sind anaerobe gramnegative Bakterien verantwortlich, die organische Substanzen wie Speichel, Nahrungsreste und abgeschilferte Epithelzellen abbauen. Dabei setzen sie schwefelhaltige Gase, z.B. Schwefelwasserstoff, Dimethylsulfid und Methylmercaptan frei, die dem Atem eine übelriechende Note verleihen. Einen besonderen Stellenwert in Hinblick auf die Mundhygiene besitzt aufgrund ihrer Größe die Zunge. Sie nimmt mit einer Fläche von durchschnittlich 53 Quadratzentimeter 25 Prozent der Oberfläche des ganzen Mundes ein. Tiefe Furchen in der Zunge begünstigen die Ansiedlung von Mikroorganismen und die Bildung von riechendem Zungenbelag. Durch eine tägliche Zungenreinigung mittels eines Zungenschabers oder einer Zungenbürste kann Mundgeruch deutlich reduziert werden.
Weitere Ursachen einer Halitosis können Erkrankungen der Nase und Nasennebenhöhlen, dem Rachenraum sowie der Bronchien und der Lungen sein. Dort finden die gasbildenden Bakterien einen geeigneten Nistplatz. Auch Magen- und Darmerkrankungen können Halitosis verursachen. Beispiele hierzu sind eine chronische Gastritis, eine Über- oder Untersäuerung des Magens, eine Infektion mit Helicobacter pylori oder eine erhöhte Durchlässigkeit des Dünndarms. Faktoren wie Schnarchen, Mundatmung, Rauchen, Alkoholkonsum, Fasten und Stress können die Mundgeruchsbildung zusätzlich fördern.

Die Diagnose Halitosis gestaltet sich oft schwierig, da Mundgeruch immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft ist und mit Hemmungen und Schamgefühlen verbunden ist. Ist der Weg zum Arzt erst einmal überwunden, gibt es verschiedene Methoden zur Diagnostik. Die einfachste Methode ist die organoleptische Messung, wobei der Mundgeruch durch den Geruchssinn des Behandlers beurteilt wird. Eine objektivere Einschätzung kann der Patient seit den 60er Jahren über Gaschromatographen erhalten. Jedoch ist ihre Anwendung kompliziert und kostspielig und kann daher nicht in einer normalen Arztpraxis durchgeführt werden. Heute kann man Mundgeruch sehr schnell und einfach mittels eines Halimeters, das ist ein Sulfidmonitor, messen. Dabei wird dem Patienten ein Sensor in den Mundraum gehalten, der den Gehalt der im Atem vorhandenen flüchtigen Schwefelverbindungen erfasst. Die Anzeige erfolgt in ppb (parts per billion), d.h. in Teilchen pro einer Milliarde Teilchen. Werte zwischen 60 und 100 ppb liegen außerhalb der menschlichen Wahrnehmung. In der Regel ist ein Geruch erst ab 100 ppb riechbar. Bei Werten zwischen 300 und 400 ppb kann der Geruch bereits auf Sprechdistanz wahrgenommen werden. Darüber hinaus gibt es chemische Schnelltests, bei denen mittels Zungenabstrich Schwefelverbindungen durch Farbveränderungen angezeigt werden.

Die Behandlung von Mundgeruch ist generell abhängig von seiner Ursache. Daher gibt es keine Standardtherapie. Sind Paradontalerkrankungen, mangelnde Zahnpflege oder Zungenbeläge die Ursache, kann eine Intensivierung der häuslichen Mundhygiene bereits zur Beseitigung des Problems führen. Experten empfehlen mindestens zweimal täglich die Zähne zu putzen. Ebenso ist die regelmäßige Benutzung von Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume und eine tägliche Zungenreinigung mittels Zungenbürste oder Zungenspatel unumgänglich. Häufig ist eine professionelle Zahnreinigung und eine Beratung durch den Zahnarzt im Vorfeld ratsam. Mundwasser, Gurgellösungen oder auch Pfefferminzbonbons sind keine Dauerlösung, sie überdecken den Mundgeruch meist nur für kurze Zeit. Da die antibakteriellen Inhaltsstoffe in Mundwässern nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Bakterien in der Mundhöhle abtöten, wird bei zu häufiger Anwendung die natürliche Mundflora zerstört, eine Bakterienansammlung begünstigt und so die Geruchsbildung zusätzlich verstärkt.
Falls der Mundgeruch nicht auf unzureichende Mundhygiene oder eine zahnmedizinische Erkrankung zurückzuführen ist, ist es notwendig andere Ursachen durch die entsprechenden Fachärzte abklären zu lassen. Die nächsten Anlaufstellen sind dann ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der Nase, Nasennebenhöhlen und Rachen in Augenschein nimmt. Bei Magen-Darm-Störungen ist es sinnvoll einen Internisten oder Gastroenterologen zu Rate zu ziehen. Liegt die Ursache in den tieferen Atemwegen, den Bronchien oder Lungen kann der Gang zu einem Lungenfacharzt weiterhelfen. In diesen Fällen kann das Problem schnell mittels einer medikamentösen Behandlung oder diätetische Maßnahmen in den Griff bekommen werden. In seltenen Fällen hat der Mundgeruch psychische Ursachen oder muss durch einen chirurgischen Eingriff behandelt werden.

Ist die Ursache des Mundgeruchs erst einmal identifiziert, ist die Behandlung meist nicht schwierig und führt schnell zu Erfolgen. Ist man sich seinem Problem erst einmal bewusst, sollte man keine falsche Scheu an den Tag legen, sondern sich und seiner Umwelt zuliebe schnell versuchen Abhilfe zu schaffen.

Quellen:
Bode, A: Ursachen für Mundgeruch. aus: www.quarks.de/peinlich/03.htm (eingesehen am 23.12.2004)
Jecke, U.: Klinische Studie zur Beurteilung oraler Risikoparameter für Halitosis. aus: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/archive/00000530/ (eingesehen am 23.12.2004)
KZBV - die deutschen Zahnärzte: Zahninfos/Vorsorge bei Jugendlichen und Erwachsenen. aus: www.kzbv.de/m41.htm?/zahninfo/vorsorge/erwachsene/vore7.htm (eingesehen am 23.12.2004)
Migros-Genossenschafts-Bund in Zusammenarbeit mit der Mibelle AG Cosmetics CANDIDA Dental-Forschung, 5033 Buchs: Halitosis (Mundgeruch) - Wissenschaftliche Erkenntnisse für den Zahnarzt und die Dentalhygienikerin. September 2003, aus: www.candida.ch/docs/Halitosis_Mundgeruch.pdf (eingesehen am 23.12.2004)
N.N.: Mundgeruch. aus: www.denthouse.com/Patientenlexikon/M-Mundgeruch.pdf (eingesehen am 23.12.2004)
N.N.: Mundgeruch - Ursachen und Therapien. aus: www.mundgeruch-experte.de/mundgeruch.htm (eingesehen am 23.12.2004)
Seemann, R.: Halitosis (Mundgeruch). aus: www.charite.de/praevmed/patient/Halitosis/halitosis.html (eingesehen am 23.12.2004)

Stand: 2007



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