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Was ist Wasserkefir? Kann man damit Krankheiten heilen?

Wasserkefir wird wie Milchkefir mit Hilfe spezieller Hefen und Milchsäurebakterien hergestellt. Statt in Milch werden die Mikroorganismen in Wasser zusammen mit Zucker, getrockneten Feigen oder Rosinen und Zitronen angesetzt. Auf eine heilende Wirkung des Wasserkefirs deuten lediglich individuelle Erfahrungen hin. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es keine Hinweise auf eine heilende Wirkung des Getränks.

Ursprünglich stammt Kefir aus dem Kaukasus im Süden der ehemaligen Sowjetunion und Südosteuropa, wo er aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch hergestellt wurde. Wie beim Milchkefir leben auch beim Wasserkefir Hefen zusammen mit Milchsäurebakterien in einer Symbiose. Bei den Hefen handelt es sich um die Gattungen Torulopsis, Saccharomyces und Candida, die den zugesetzten Zucker vergären. Es ist davon auszugehen, dass diese Hefen etwa ebensoviel Alkohol und Kohlensäure bilden wie der Milchkefir. Durch eine hohe Säuerungsaktivität der Bakterien und Sauberkeit im Umgang mit den Kefirkörnern kann ein Befall mit unerwünschten Mikroorganismen vermieden werden. Fäulniserreger sind relativ leicht an Geruchs- und Geschmacksveränderungen erkennbar. Die Zugabe der Feigen und Zitronen dürfte lediglich dem besseren Geschmack dienen. Ernährungsphysiologisch hat Wasserkefir nicht so viel zu bieten wie der übliche Milchkefir, da die wertvollen Inhaltsstoffe der Milch fehlen. Außerdem ist Wasserkefir aufgrund der Verwendung von isoliertem Zucker nicht empfehlenswert.

Anhänger des Wasserkefirs schreiben dem Getränk heilende Wirkungen zu. Täglich zwei Liter beseitigen angeblich Magen-, Darm-, Leber-, Blasen- und Gallenerkrankungen sowie viele andere Leiden. Ihre Behauptungen stützen die Kefirfans auf das hohe Lebensalter der Bewohner des Kaukasus, die Kefir als Grundnahrungsmittel trinken und nicht selten über 100 Jahre alt werden. Krankheiten wie Asthma, Krebs und sonstige Wohlstandsleiden sind dort fast gänzlich unbekannt. Unberücksichtigt bleiben bei dieser Argumentation jedoch die allgemeinen Lebensumstände wie Ernährung, Umweltbelastung und sozialpsychologische Einflußfaktoren. Bisher gibt es keine wissenschaftliche Studie, die eine heilende Wirkung von Wasserkefir nachweist. Unbestritten ist jedoch die positive Wirkung von Kefir auf die Darmflora. Der Milchsäuregehalt fördert die Entwicklung der für den Menschen nützlichen Mikroorganismen im Darm. Als gesäuertes Milchprodukt gehört Milchkefir zu den empfehlenswerten Lebensmitteln in der Vollwert-Ernährung und sollte dem Wasserkefir vorgezogen werden. Wird Milchkefir wegen Unverträglichkeit abgelehnt, kann Milchsäure auch über andere milchsauervergorene Lebensmittel wie Sauerkraut aufgenommen werden.

Literatur:
N.N.: Wasserkefir - eine neue Sensation auf dem Gesundheitssektor? Aus Forschung, Klinik und Praxis. EBD-Haushalt und Heime (12), S. 1-2, 1992
Schriftliche Mitteilung der Bundesanstalt für Milchforschung, Kiel, Prof. Dr. W. Heeschen vom 31.08.1992

Stand: 2007



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