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Enthält Trinkmilch bedenkliche Mengen an Hormonen?

Kuhmilch enthält von Natur aus geringe Mengen Hormone. Einige Vertreter der veganen Ernährung halten diese für schädlich und raten daher vom Milchkonsum

Besonders in die Kritik geraten ist der Gehalt an den Sexualhormonen Östrogen und Progesteron in Kuhmilch sowie dem sogenannten Insulin-like Growth Factor (IGF-1), der beim Zellwachstum eine Rolle spielt. Einige Studien verweisen auf einen Zusammenhang zwischen erhöhten IGF-1-Spiegeln im Blut und Prostatakrebs. IGF-1 regt die Zellen zur Teilung an und verhindert deren programmierten Zelltod. Ob dies das Krebsrisiko erhöhen kann, wird diskutiert. Auch Brustkrebs wird immer wieder mit Sexualhormonen aus der Nahrung in Zusammenhang gebracht. Verschiedene Übersichtsarbeiten haben allerdings keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Milch und Prostata- oder Brustkrebs ergeben.

Milch liefert zwar mehr Östrogene und Progesterone als andere Lebensmittel, im Vergleich zur körpereigenen Synthese ist der Gehalt aber sehr niedrig. Im Schnitt enthält ein Kilogramm Vollmilch etwa 0,13 µg Östron und 0,02 µg Östradiol. Die Progesterongehalte werden mit 10 µg pro Kilogramm Milch angegeben. Da Progesteron fettlöslich ist, weisen vollfette Milch sowie Butter höhere Mengen auf als fettarme Milchprodukte. Die Eigenproduktion des menschlichen Körpers an Sexualhormonen liegt um ein Vielfaches höher. Männer bilden pro Tag etwa 420 µg Progesteron und bis zu 25 µg Östrogene, bei Frauen kann die Produktion im Verlauf des Menstruationszyklus auf bis zu 19.600 µg Progesteron und bis zu 100 µg Östrogene ansteigen.

Über die Nahrung aufgenommene Hormone werden nur in geringem Maß vom Körper resorbiert und schnell wieder abgebaut. Bei Progesteron liegt die Bioverfügbarkeit nur bei etwa 10 Prozent. Selbst Erwachsene, die sehr viel fettreiche Milchprodukte verzehren, beispielsweise 100 g Butter, 200 g Sahne, 200 ml Vollmilch und 100 g Mozzarella, erreichen den ADI-Wert von 30 µg/kg Körpergewicht bei weitem nicht. Eine Gesundheitsgefahr durch Hormone aus Milch und Milchprodukten gilt daher eher als unwahrscheinlich. Da es aber nur sehr wenige und teilweise recht alte Studien zu diesem Zusammenhang gibt, ist eine abschließende Bewertung nicht möglich.

    Literatur

  • BfR. 2014, www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_hormonen_in_fleisch_und_milch-190401.html
  • BfR. Stellungnahme, 2008, www.bfr.bund.de/cm/343/bfr_sieht_keine_assoziation_zwischen_dem_progesterongehalt_in_milch_und_brustkrebs.pdf
  • Knasmüller S. Krebs und Ernährung, Thieme, Stuttgart 2014

Quelle: UGBforum 6/14 S.304

Foto: H.Hautumm/pixelio.de



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