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Sind Gemüsechips besser zu bewerten als Kartoffelchips?

Dünn geschnittene, gewürzte und frittierte Gemüsechips haben ein gesundes Image. In ihrer ernährungsphysiologischen Qualität unterscheiden sie sich jedoch kaum von ihrem Pendant aus Kartoffeln.

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Dünn geschnittene, gewürzte und frittierte Gemüsechips haben ein gesundes Image. In ihrer ernährungsphysiologischen Qualität unterscheiden sie sich jedoch kaum von ihrem Pendant aus Kartoffeln. Die beliebtesten Knabberartikel in Deutschland sind Kartoffelchips, Erdnüsse und Salzstangen. Diese Snacks enthalten jedoch reichlich Kalorien, Fett und Salz. Gemüsechips dagegen müssten da doch deutlich gesünder sein – das meinen immerhin 40 Prozent der Teilnehmer an einer Umfrage, die Stiftung Warentest 2017 durchgeführt hat. In letzter Zeit steigt die Beliebtheit dieser Produkte, was nicht zuletzt an der Vermarktung in ansprechender und gesund erscheinender Aufmachung liegt. Auch Biohersteller nutzen den Trend.

Doch sind Gemüsechips tatsächlich gesünder als ihre Vorbilder aus Kartoffeln? Bei Betrachtung des Herstellungsverfahrens und der Inhaltsstoffe lässt sich bereits vermuten, dass der Unterschied nicht groß sein kann. Als Gemüsechips kommen zum Beispiel Süßkartoffeln, Karotten, Rote Bete, Pastinaken, Wirsing oder verschiedene Kohlsorten zum Einsatz. Meistens wird die in sehr dünne Scheiben geschnittene Rohware in Öl frittiert und anschließend gewürzt. Die frittierten Produkte aus dem Supermarkt enthalten mit 35 Gramm pro 100 Gramm vergleichbar viel Fett und dadurch auch einen ähnlich hohen Kaloriengehalt wie Kartoffelchips. Der Salzgehalt fällt häufig etwas geringer aus; eine Portion von 25 Gramm deckt trotzdem rund 10 Prozent der maximal empfohlenen täglichen Verzehrsmenge ab. Ein Vorteil gegenüber Kartoffelchips: In vielen Produkten sind weniger Zutaten wie Hefextrakt oder Aroma und weniger Zuckerzusätze wie Dextrose zu finden. Allerdings wird durch das Trocknen der natürlicherweise enthaltene Zucker stark aufkonzentriert, während wertvolle Nährstoffe wie hitzeempfindliche Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe durch den Erhitzungsprozess verloren gehen. Punkten können die Gemüsechips bestenfalls mit ihrem etwa dreimal höheren Ballaststoffgehalt. Der liegt allerdings auch nur bei 6-14 Gramm pro 100 Gramm. Stiftung Warentest warnt vor gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffen wie Acrylamid und Nitrat in Gemüsechips, das gilt auch für solche aus Kartoffeln. Im Test wurden bei 4 von 15 Produkten kritische Mengen gefunden.

Neben den klassisch frittierten Gemüsechips werden teilweise auch gebackene oder getrocknete Varianten angeboten. Sie zeichnen sich durch einen geringeren Fettgehalt aus; die getrockneten Snacks enthalten auch weniger Acrylamid. Dennoch: Eine gesunde Alternative sieht anders aus. Wer aber gerne einmal Gemüsechips als Snack essen möchte, kann diese einfach selbst herstellen. Hier lassen sich dünne Gemüsescheiben nach Belieben mit wertvollen Ölsorten und Gewürzen verfeinern und anschließend im Ofen knusprig backen. Die Backzeiten und -temperaturen sollten dabei nicht zu hoch ausfallen, da auch im heimischen Backofen Acrylamid entstehen kann.

Literatur:

www.bdsi.de/warenkunde/knabberartikel/gemuesechips/ www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/ sind-gemuesechips-gesuender-als-kartoffelchips-12584
www.test.de/Test-Gemuesechips-5220648-0/

Andrea Diers, UGBforum 2/20

Foto: Yulia Yunovidova/123RF.com