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Ist Säuglingsanfangsnahrung genauso gut wie Muttermilch?

Muttermilch bietet eine Vielzahl an Inhaltsstoffen, insbesondere Immunfaktoren, die in industrieller Säuglingsmilch nicht enthalten sind. Weitere Vorteile tragen dazu bei, dass gestillte Babys seltener krank sind.

saeuglingsanfangsnahrung

In der Werbung wird vielfach der Eindruck vermittelt, Säuglingsanfangsnahrung sei ebenso gut wie Muttermilch. Doch dieser Eindruck täuscht. Industriell hergestellte Formulanahrungen entsprechen zwar hinsichtlich der wesentlichen Nährstoffen der Zusammensetzung von Muttermilch. Das heißt, die Gehalte an Kohlenhydraten, Eiweiß, Fett, Vitaminen und Mineralstoffen sind auf die grundlegenden Bedürfnisse von gesunden Säuglingen abgestimmt. Dies ist in der Diätverordnung entsprechend festgelegt.

Muttermilch enthält darüber hinaus aber weitere Substanzen, die so nicht in industrieller Säuglingsnahrung vorkommen. Hierzu zählen vor allem die in Muttermilch vorhandenen Immunstoffe wie Immunoglobuline, Zytokine, Hormone, Wachstumsfaktoren und Enzyme. Diese sind größtenteils durch das Immunsystem der Mutter geprägt und individuell ganz unterschiedlich. Zudem enthält Muttermilch komplexe Oligosaccharide sowie durch die Mutter geprägte Keime, die die Ausbildung der kindlichen Darmflora begünstigen. Die verschiedenen Immunstoffe tragen dazu bei, dass gestillte Säuglinge seltener erkranken als Flaschenkinder. Wird das Baby während der ersten 4-6 Monate ausschließlich gestillt, muss es nur halb so oft ins Krankenhaus und leidet 40-70 Prozent seltener an Infektionen. So treten beispielsweise Atemwegsinfekte, Mittelohrentzündungen und Magen-Darm-Infektionen bei gestillten Säuglingen seltener auf. Einige Studien weisen darauf hin, dass selbst chronische Erkrankungen wie Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 durch Stillen möglicherweise positiv beeinflusst werden. Es gibt zwar erste Versuche, imitierte Prä- und Probiotika der Formulanahrung zuzusetzen. Dies ist aber aufgrund der Vielfalt an Substanzen in Muttermilch nur annäherungsweise möglich.

Muttermilch weist darüber hinaus noch weitere Vorteile gegenüber Flaschenmilch auf: Ihre Zusammensetzung passt sich während der gesamten Stillzeit und selbst während einer Stillmahlzeit den Bedürfnissen des Babys an und gewährt eine optimale Bioverfügbarkeit der Nährstoffe. Das Zusammenspiel all dieser Faktoren trägt dazu bei, dass Muttermilch die ideale Nahrung in den ersten Lebensmonaten ist. Wegen ihrer einzigartigen, von Mutter zu Mutter unterschiedlichen Zusammensetzung ist sie nicht durch industriell hergestellte Säuglingsnahrung zu imitieren.

Literatur

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg.) Unterschiede in der Zusammensetzung von Muttermilch und industriell hergestellter Säuglingsanfangs- und Folgenahrung und Auswirkung auf die Gesundheit von Säuglingen. Stellungnahme Nr. 028/2012 des BfR vom 16. Juli 2012.www.bfr.bund.de/cm/343/unterschiede-in-der-zusammensetzung-von-muttermilch-und-industriell-hergestellter-saeuglingsanfangs-und-folgenahrung.pdf
  • N.N. Verordnung über diätetische Lebensmittel. www.gesetze-im-internet.de/di_tv/BJNR004150963.html#BJNR004150963BJNG000303310 (Stand 10/12)
  • Scherbaum V, Bellow A C. Förderung des Stillens – ein Beitrag zur Prävention von Übergewicht. Ernährungs-Umschau 56 (7), 388-394, 2009
  • Quelle: UGB-FORUM 6/12, S. 304

    Foto: Techniker Krankenkasse



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