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Ist Rohkost am Abend weniger bekömmlich?

Die Empfehlung, abends auf rohes Gemüse und Salat zu verzichten, ist öfter zu hören. Doch es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass der Verzehr von rohem Gemüse am Abend generell zu Unverträglichkeiten führt.

Die Bekömmlichkeit von Frischkost ist individuell sehr unterschiedlich. Menschen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt vertragen rohes Gemüse häufig nicht so gut, andere dagegen haben keinerlei Beschwerden. Falls Frischkost zu Bekömmlichkeitsproblemen führt, können die Ursachen sehr unterschiedlich sein. Besonders häufig treten Beschwerden auf, wenn der Organismus es nicht gewöhnt ist, größere Mengen Frischkost zu verarbeiten. In frischem Gemüse sind reichlich Ballaststoffe enthalten, an die sich der Darm erst physiologisch anpassen muss. Die unverdaulichen Bestandteile, hauptsächlich unlösliche Ballaststoffe wie Cellulose und Lignin, und wasserlösliche Ballaststoffe wie Pektine, Schleimstoffe und Pflanzengummi werden im Dickdarm von den Darmbakterien abgebaut. Dies kann, besonders bei der Zufuhr größerer Mengen, zu Druck- und Völlegefühl in der Bauchgegend und Blähungen führen. Wer mehr Frischkost in seinen Speiseplan einbauen möchte, sollte deshalb die Menge an rohem Gemüse langsam erhöhen und gut kauen. Auch die Auswahl der Gemüse kann eine Rolle spielen. Bestimmte Gemüse wie verschiedene Kohlsorten oder Lauch können eher zu Beschwerden führen, besonders wenn sie selten verzehrt werden. Besser vertragen werden Blattsalate, Wurzelgemüse und Tomaten.
Die Kombination von frischem Gemüse mit anderen Lebensmitteln kann die Verträglichkeit ebenfalls stören. So gibt es Erfahrungsberichte über Unbekömmlichkeiten, wenn rohes Gemüse gleichzeitig mit isolierten Zuckern, süßem Obst oder frischem Brot gegessen wird.
Die Besiedelung des Darms mit Mikroorganismen spielt für die Bekömmlichkeit von frischem Gemüse eine wichtige Rolle. Ist die natürliche Darmflora durch eine Erkrankung oder Medikamente gestört, kann sich auch die Verträglichkeit gegenüber Lebensmitteln verändern. Darmerkrankungen wie Divertikulose, aber auch Nahrungsmittelintoleranzen oder -allergien können zu einer Unverträglichkeit von frischem Gemüse führen. Im Zweifelsfall sollte der Hausarzt oder ein Gastroenterologe hinzugezogen werden. Durch körperliche Bewegung lässt sich die Verträglichkeit von ballaststoffreichem Essen verbessern. Da viele Menschen sich nach dem Abendessen nicht mehr viel bewegen, kann dies die Bekömmlichkeit vermindern.
Es ist nicht sinnvoll, abends generell kein frisches Gemüse zu essen. Denn Frischkost ist eine wertvolle Quelle für Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Vielmehr muss jeder selbst ausprobieren, was und wie viel er verträgt. Bei Bekömmlichkeitsbeschwerden lässt sich das rohe Gemüse durch frischen Gemüsesaft, Gemüsesuppen oder gedünstetes Gemüse ersetzen.

Literatur:
Koerber Kv u.a. Vollwert-Ernährung. Haug, 10. Aufl., Stuttgart 2004
Ledochowski M. Wegweiser Nahrungsmittel-Intoleranzen. Trias, Stuttgart 2009

Quelle: UGB-Forum 3/11, S. 148

Foto: 5 am Tag/www.machmit-5amtag.de



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