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Trägt Milch zur Jodversorgung bei?

Da das Futter von Milchkühen mit Jod angereichert wird, können Milch und Milchprodukte erheblich zur Jodaufnahme beitragen.

Unsere Versorgung mit dem lebensnotwendigen Spurenelement Jod ist ein viel diskutiertes Thema. Der Mineralstoff ist für den Aufbau von Schilddrüsenhormonen unentbehrlich, kommt aber wegen der Jodarmut unserer Böden natürlicherweise nur in wenigen Lebensmitteln wie Hochseefischen in nennenswerten Mengen vor. Damit Erwachsene auf die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen 180-200 Mikrogramm pro Tag kommen, werden in Deutschland seit Anfang der 1980er Jahre zwei Strategien verfolgt: Zum einen wird Speisesalz mit Jod angereichert und zum anderen dem Futter von Legehennen und Milchkühen Jod zugesetzt. Daher zählen heute auch Milch, Milchprodukte und Eier zu den Jodlieferanten.

Eine Untersuchung an der Universität Rostock ergab, dass Milch durchschnittlich 117 und Trinkjoghurt 126 Mikrogramm Jod pro Liter enthalten. Die Mengen schwanken jedoch erheblich. Denn der Einsatz von jodierten Futtermitteln ist nicht verpflichtend und wird von Landwirt zu Landwirt ganz unterschiedlich gehandhabt. So kommt beispielsweise bei Biobauern in der Regel deutlich weniger Jod in die Futtertröge. Festgelegt ist nur eine Obergrenze von 5 Milligramm Jod pro Kilogramm Futter. Experten schätzen, dass dem Futter zur Zeit durchschnittlich etwa 1,3-1,4 Milligramm Jod pro Kilogramm zugesetzt werden. Diese Menge scheint ausreichend – sowohl für die Tiergesundheit als auch für den wünschenswerten Jodgehalt der Milch. Der gestiegene Jodgehalt in Milch und Eiern ist mittlerweile auch in der bundesweiten Datenbank für den Nährstoffgehalt, dem Bundeslebensmittelschlüssel, berücksichtigt. Mit den aktuellen Angaben haben Wissenschaftler des Max-Rubner-Institutes die Jodzufuhr der Bevölkerung anhand der Daten der Nationalen Verzehrsstudie II neu berechnet. Wird die Verwendung von Jodsalz zunächst außer Acht gelassen, kommen Männer auf durchschnittlich110 µg und Frauen auf 91 µg Jod pro Tag, also rund die Hälfte der empfohlenen Menge. Würde zusätzlich 80 Prozent des verzehrten Salzes als Jodsalz verwendet, kämen Frauen auf eine ausreichende Jodaufnahme und Männer würden diese sogar überschreiten. Personen, die keine Milch oder ausschließlich Biomilch verwenden, nehmen deutlich weniger Jod auf.

Kritiker halten den weit verbreiteten Zusatz von Jod für problematisch, da das Spurenelement empfindlichen Menschen und bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen erhebliche Probleme bereiten kann. Wie die Jodversorgung und die Entwicklung von Schilddrüsenerkrankungen der Bevölkerung tatsächlich aussieht, wird derzeit vom Robert-Koch-Institut im Rahmen eines Jodmonitorings untersucht.

Literatur

  • BfR (Hrsg.) Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsorge, 7. Februar 2012, http://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zur-jodversorgung-und-zur-jodmangelvorsorge.pdf
  • BfR (Hrsg.) Protokoll der Sitzung vom 26. September 2011, http://www.bfr.bund.de/cm/343/6-sitzung-der-bfr-kommission-fuer-ernaehrung-diaetetische-produkte-neuartige-lebensmittel-und-allergien.pdf
  • Hampel R. Jodgehalt von Getränken in Deutschland. Ernährungs-Umschau 2, 73-77, 2010
  • Quelle: UGB-FORUM 2/12, S. 96



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