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Hat Manuka-Honig wirklich heilsame Wirkungen?

Manuka-Honig kommt aus Neuseeland und soll besondere Heilwirkungen haben. Tatsächlich zeigt er in Studien antientzündliche Effekte. Verantwortlich ist der hohe Gehalt an Methylglyoxal.

Manuka-Honig wird von Bienen aus dem Blütennektar der Manukapflanze gewonnen, die zu den Teebaumgewächsen zählt. Er besitzt eine hell- bis dunkelbraune Färbung, schmeckt aromatisch herb bis würzig und dadurch weniger süß als anderer Honig. Als „rein“ bezeichnet wird ein Manuka-Honig, wenn er zu mindestens 70 Prozent aus Manuka-Pollen besteht. 250 Gramm können bis zu 60 Euro kosten. Der hohe Preis des Manuka-Honigs wird mit seinen besonderen Eigenschaften gerechtfertigt. So soll er antibakteriell, antioxidativ, entzündungs- und krebshemmend wirken. Wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass Manuka-Honig aufgrund des hohen Gehalts an Methylglyoxal (MGO) tatsächlich eine deutliche antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung hat. Der Anteil von MGO ist im Manuka-Honig bis zu 100-mal höher als in anderen Honigsorten. Dieses reaktive Aldehyd entsteht aus Dihydroxyaceton (DHA) während der Umwandlung des Nektars in Honig, die im Darm der Biene und bei der Lagerung stattfindet. DHA ist in größeren Mengen nur im Nektar der Manuka-Pflanzen enthalten.

In einigen Kliniken wird Manuka-Honig in aufbereiteter Form für die äußere Behandlung von Wunden genutzt. Auch Entzündungen im Hals und pathogene Keime im Mundbereich lassen sich durch die Einnahme des Honigs vermindern. Ein präventiver und therapeutischer Nutzen besteht zudem bei Entzündungen im Mund. Laborstudien an der Universität Ottawa in Kanada belegten die Wirksamkeit des Manuka-Honigs gegen Erreger von Nasennebenhöhlenentzündungen, Humanstudien dazu stehen noch aus. Da Honig meist nur in geringen Mengen verzehrt wird und diese während der Verdauung mit körpereigenen Flüssigkeiten verdünnt werden, sind keine positiven Auswirkungen im Darmbereich zu erwarten. Wissenschaftler diskutieren aber beispielsweise die Wirkung auf das Bakterium Heliobacter pylori, verantwortlich für Entzündungen der Magenschleimhaut, und den Durchfallerreger Campylobacter.

Antikanzerogene und antioxidative Wirkungen des Honigs konnten bisher nicht eindeutig belegt werden. Hier unterscheidet sich Manuka-Honig nicht von anderen Honigsorten. Seine hohe Konzentration an MGO gilt jedoch als einzigartig und eröffnet natürliche Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten. Entsprechend der in vitro gemessenen Bakterienhemmung wird Manuka-Honig in verschiedenen Wirkstärken angeboten, angegeben als MGO 100+, 250+, 400+ oder 550+. Damit wird der Gehalt an Methylglyoxal in Milligramm pro Kilogramm Honig deklariert. In Laborstudien war ab etwa 100 mg Methylglyoxal pro Kilogramm eine antibakterielle Wirkung messbar.

Lebensmittelfälscher versuchen immer wieder, mit unechtem Manuka-Honig Profit zu machen. Jährlich werden ca. 1500 bis 2000 Tonnen des reinen Honigs in Neuseeland produziert. Im Handel findet sich aber rund zehnmal so viel. Um die Echtheit des Honigs zu prüfen, entwickelte die Universität Leipzig ein Prüfverfahren, das spezifische Reaktionsprodukte von MGO nachweist. Wer den hochwertigen Honig kaufen und in puncto Qualität sicher gehen möchte, sollte auf offizielle Zertifikate der neuseeländischen Zertifizierungsstellen achten. Entsprechende Listen finden sich im Internet.

Literatur:

Atrott J (2013). Methylglyoxal in Manuka-Honig (Leptospermum scoparium): Bildung, Wirkung, Konsequenzen. Dissertation. TU Dresden
Heuer D, Heuer L, Saalfrank V (2011). Manuka-Honig. www.deutsche-apotheker- zeitung.de/daz-az/2011/daz-25-2011/manuka-honig
n.n. (2019). Wo Honig heil sam sein kann und wo nicht. www.test.de/Honigim- Test-1750427-1750436/
Raupbach J (2019). Süße Fälschung. https://klartext-preis.de/meldungen/ suesse-faelschung/

Nora Haarz/UB, UGBforum 3/20

Foto: Maridav/depositphotos.com