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Hat ein regelmäßiger Alkoholkonsum Auswirkungen auf den Körperfettanteil?

Da Alkohol als Energielieferant bevorzugt vor anderen Nährstoffen verbrannt wird und beim Abbau der Fettstoffwechsel direkt beeinflusst wird, wirkt sich Alkohol auf die Fettbildung aus. Da Alkohol meist zusätzlich zur täglichen Energieaufnahme zugeführt wird, führt er oft auch zu überschüssigen Fettdepots und begünstigt die Entstehung von Übergewicht. Ob Alkohol bei gleicher zugeführter Kalorienmenge zu einem höheren Fettanteil führt, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Verschiedene Studien deuten aber darauf hin, dass dies eher nicht der Fall ist.

Als Nährstoff liefert 1 g Alkohol, also Ethanol, 29 kJ bzw. 7 kcal und somit fast doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate oder Protein. Zwei bis zehn Prozent der aufgenommenen Menge werden unverändert über Atem, Schweiß, Speichel, Urin oder auch die Muttermilch wieder ausgeschieden, ein geringer Teil wird über die Magenschleimhaut abgebaut, der Großteil in der Leber oxidiert. Dazu stehen zwei Wege zur Verfügung: Bei geringen Alkoholmengen wird das Enzym Alkoholdehydrogenase aktiv. Es baut Ethanol und NAD+ zu Acetaldehyd und NADH + H+ ab.

Bei höheren Blutalkoholspiegeln ab etwa 0,5 Promille wird die mischfunktionale Oxidase, auch mikrosomales Ethanol-oxidierendes System (MEOS) genannt, aktiv. Sie wandelt Ethanol unter Verbrauch von NADPH + H+ und Sauerstoff zu Acetaldehyd, NADP+ und 2 Moleküle Wasser um. Da Acetaldehyd toxisch ist, muss auf beide Schritte eine Entgiftung folgen. Dies geschieht durch das Enzym Aldehyddehydrogenase, die aus Acetaldehyd NAD-abhängig Acetat herstellt. Durch den vermehrten Verbrauch von NADPH + H+ durch das MEOS ist die Fettsäuresynthese eingeschränkt. Durch den hohen Umsatz von NAD+ ist aber gleichzeitig auch der Fettsäurenabbau in der Beta-Oxidation gedrosselt. Gleichzeitig mit Alkohol über die Nahrung aufgenommene Fettsäuren, die ins Blut gelangen, werden dagegen vermehrt als Depotfett eingelagert, da Alkohol bevorzugt zur Energiegewinnung verwendet wird. Da in den meisten Fällen Alkohol zusätzlich zur normalen Energieversorgung aufgenommen wird, entsteht also ein Energieüberschuss, der die Entstehung ungewollter Fettdepots begünstigt. Anders verhält sich dies bei chronischem Alkoholmissbrauch. Dabei ersetzt Alkohol häufig Mahlzeiten, es kommt oft zur Mangelversorgung mit vielen Nährstoffen, z.B. Thiamin, Folsäure, Zink oder Selen. Alkoholiker sind oft auch untergewichtig.
Früher wurde häufig angenommen, dass die Energie aus Alkohol nicht effizient genutzt werden kann. Messungen mittels indirekter Kalorimetrie haben dies widerlegt. Die durch Ethanol induzierte Thermogenese, d.h. die durch Transport und Verstoffwechselung verbrauchte Energie, beträgt etwa 15 Prozent und ist somit höher als bei Kohlenhydraten oder Fett. 85 Prozent der Energie stehen dem Körper aber zur Verfügung. Allerdings kann diese Energie nicht gespeichert werden. Alkohol wird daher vorrangig vor den anderen Nährstoffen zur Energieversorgung herangezogen (1,2,3).
Ob Alkohol bei gleicher Kalorienaufnahme einen höheren Körperfettanteil bewirkt als die übrigen Nährstoffe, lässt sich aufgrund der derzeitigen Studienlage nicht abschließend beantworten. Bekannt ist jedoch, dass chronischer Alkoholkonsum über eine Kaskade komplexer Vorgänge die Entstehung einer Fettleber begünstigt (4).

Nadja Graßmeier/WF

Literatur:
(1) Schek A: Ernährungslehre kompakt. 3. Auflage, Umschau Zeitschriftenverlag, Sulzbach 2009
(2) Jéquier E: Alcohol intake and body weight: a paradox. Am J Clin Nutr 69:173-4, 1999
(3) Kasper H, Burghardt W: Ernährungsmedizin und Diätetik. 11. Auflage, Urban & Fischer, München 2009
(4) Donohue TM: Alcohol-induced steatosis in liver cells. World J Gastroenterol 13(37):4974-8, 2007

Stand: 2010



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