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Entzieht Kaffee dem Körper Flüssigkeit?

Neue wissenschaftliche Daten und Interpretationen deuten darauf hin, dass Kaffee die Flüssigkeitsbilanz des Körpers doch nicht negativ beeinflusst.

Kaffee trägt nicht zur Flüssigkeitsversorgung bei, sondern verursacht über seine harntreibende (diuretische) Wirkung zusätzliche Flüssigkeitsverluste ndash; so die bisher gängige Meinung von Ernährungswissenschaftlern. Doch laut einer aktuellen Meldung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind diese Aussagen hinfällig. Bei einer 1997 durchgeführten Studie tranken 12 Männer und Frauen nach sechs coffeinfreien Tagen am Folgetag sechs Tassen Kaffee mit insgesamt 642 mg Coffein. Dabei stieg das Tagesurinvolumen um 753 ml an, das Körpergewicht nahm im Schnitt um 0,7 kg und das Gesamtkörperwassers um 1,1 kg ab. Bisher interpretierten Wissenschaftler diese Veränderungen als Verschlechterung des Flüssigkeitsstatus. Nicht beachtet wurde allerdings, dass der Körper nach dem Kaffeekonsum auch vermehrt Natrium mit dem Urin ausscheidet. Da Natrium Wasser im Extrazellulärraum bindet, nimmt durch das ausgeschiedene Natrium das Wasser außerhalb der Körperzellen ab. So reduziert sich zwar die Menge des Gesamtkörperwassers. Für den Organismus und den Status der Flüssigkeitsversorgung spielt das aber keine Rolle, da es nur den Extrazellulärraum betrifft. Nur wenn es zu großen extrazellulären Flüssigkeitsverlusten kommt, aktiviert der Körper Regulationsmechanismen.

Ein Flüssigkeitsmangel äußert sich in einem Anstieg der gelösten Teilchen im Blutplasma und es bildet sich mehr ADH, ein antidiuretisch wirkendes Hormon. Als Folge wird weniger, aber höher konzentrierter Urin ausgeschieden. In der oben genannten Studie blieben diese Anzeichen am Ende des "Kaffeetages&qiuot; jedoch aus. Keine Unterschiede im Urinvolumen, der Menge der gelösten Teilchen im Urin und der Elektrolytausscheidung, fand eine Studie aus dem Jahr 2000 – unabhängig davon, ob die Probanden einen Tag lang coffeinfreie oder coffeinhaltige Getränke tranken. Die Autoren schlossen daraus, dass coffeinhaltige Getränke durchaus der täglichen Flüssigkeitszufuhr anzurechnen sind.

Auch eine 2003 veröffentlichte Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass die üblicherweise mit Kaffee aufgenommenen Coffeinmengen nicht zu einer negativen Flüssigkeitsbilanz führen. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass die bisher dazu durchgeführten Studien zum Teil Schwachpunkte aufweisen und nicht direkt vergleichbar sind. In manchen Studien bekamen die Probanden Kaffee, in anderen jedoch coffeinhaltige Getränke bzw. reines Coffein. So bleiben weitere Substanzen, die möglicherweise für die harntreibende Wirkung von Kaffee verantwortlich sind, unberücksichtigt. Teilweise gab es vorher coffeinfreie Tage, bei anderen Untersuchungen nicht. Auch dies spielt eine Rolle, weil der diuretische Effekt des Coffeins bei regelmäßigem Konsum abnimmt. Unbestritten ist, dass nach Kaffeegenuss kurzfristig eine individuell unterschiedlich ausgeprägte harntreibende Wirkung eintritt.

Die aktuellen Ergebnisse deuten zwar darauf hin, dass Kaffee sich nicht negativ auf die Flüssigkeitsbilanz auswirkt. Insgesamt beruhen sie allerdings auf einer nur geringen Datenlage. Von zu viel Kaffee rät die Vollwert-Ernährung dennoch ab. So kann der Kaffeebestandteil Cafestol (nicht in Filterkaffee) den Cholesterinspiegel erhöhen. Kaffee setzt zudem nachweislich die Eisenverfügbarkeit aus der Nahrung herab und ist gering mit Acrylamid belastet. Ab etwa 200 mg Coffein (2 Tassen) kann es bei empfindlichen Menschen zu Herzklopfen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und Magenbeschwerden kommen. Gegen einen gemäßigten Kaffeegenuss ist jedoch nichts einzuwenden.

Literaturangaben:
DGE (Hrsg.): Bedeutung von Kaffee für den Flüssigkeitshaushalt. DGE-Info 4, S. 58-59, 2004

GRANDJEAN, A.C. u.a.: The effect of caffeinated, non-caffeinated, caloric and non-caloric beverages on hydration. Journal of the American College of Nutrition,19, S. 591-600, 2000

MAUGHAN, R.J.; GRIFFIN, J.: Caffein ingestion and fluid balance: a review. Journal of Human Nutrition and Dietetics 16, S. 411-420, 2003

NEUHÄUSER-BERTHOLD, M. u.a.: Coffee consumption and total body water homeostasis as measured by fluid balance and bioelectrical impedance analysis. Annals of Nutrition & Metabolism 41, S. 29-36, 1997

Stand: 2004

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