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Enthalten pflanzliche Lebensmittel heute weniger Nährstoffe?

Studien belegen, dass sich der Nährstoffgehalt in Getreide, Gemüse und Obst über die Jahre in Summe nicht verringert hat. Zwar enthalten heutige Hochleistungszüchtungen teilweise weniger sekundäre Pflanzenstoffe. Dennoch ist bei einer abwechslungsreichen Lebensmittelauswahl von einer ausreichenden Nährstoffversorgung auszugehen.

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Die Werbung für Nahrungsergänzungsmittel suggeriert häufig, dass das heute erhältliche Angebot an Gemüse und Obst an Nährstoffen verarmt sei. Eine wichtige Rolle für den Nährstoffgehalt spielt die Sorte des jeweiligen Lebensmittels. So existieren oft mehrere Hundert Tomaten-, Kartoffel- oder Weizensorten, wodurch die Menge der Inhaltsstoffe voneinander abweichen. Daneben sind klimatische Bedingungen wie Lichteinfluss, Temperatur und Wasserzufuhr während des Wachstums entscheidend. Nach der Ernte wirken sich Transportwege und die Lagerung auf die Nährstoffe aus. Bei langer Wartezeit nimmt zum Beispiel der Gehalt an Vitamin C ab. Auch der Reifegrad der Ware hat Einfluss. Sogenannte klimakterische Früchte wie Avocados oder Kiwis können nachreifen, während andere bei zu früher Ernte geringere Mengen an wünschenswerten Verbindungen wie sekundären Pflanzenstoffen bilden. Diese Einflüsse machen einen exakten Nährstoffvergleich zwischen früher und heute schwierig.

Das Max Rubner-Institut (MRI) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) haben 2004 die Vitamin- und Mineralstoffgehalte ausgewählter pflanzlicher Nahrungsmittel aus internationalen Nährwerttabellen der letzten 50 Jahre analysiert. Demnach blieb die Summe der Mineralstoffgehalte unverändert und auch die Vitaminkonzentrationen zeigten sich nahezu konstant. Die regelmäßigen Untersuchungen des MRI bestätigen das Ergebnis. Die Daten können aufgrund der vielen Einflussfaktoren jedoch nur Näherungswerte abbilden.

Für eine vermeintliche Nährstoffverarmung von pflanzlichen Lebensmitteln sollen auch angeblich ausgelaugte Böden verantwortlich sein. Jedoch zeigen Proben aus intensiv genutzter Landwirtschaft keine Nährstoffverarmung der Böden. Vielmehr kommt es eher zu Überdüngungen. Auch im Bioanbau ist aufgrund der Anbauvorgaben von ausreichend Bodennährstoffen auszugehen. Allerdings gibt es regionale Unterschiede, die vor allem die Konzentration der Spurenelemente Jod und Selen in den Böden betreffen. Die Böden hierzulande sind eher selenarm. Da aber Tierfutter mit Selen angereichert wird, ist die Aufnahme über tierische Lebensmittel ausreichend. Gute pflanzliche Selenlieferanten sind Paranüsse, Pilze, Hülsenfrüchte oder Weißkraut. Auch Jod wird dem Tierfutter zugesetzt. Zudem gleichen Anreicherungen im Speisesalz das Manko jodärmerer Böden in Binnenregionen aus.

Einzelne Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich durch Züchtungen auf Hochleistungssorten der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen teilweise verringert hat. So wurden bei Chicorée und Grapefruits beispielsweise die Bitterstoffe herausgezüchtet oder Kartoffeln auf maximalen Stärkegehalt getrimmt. Doch selbst wenn bestimmte Regionen und Erzeugnisse an einzelnen Nährstoffen ärmer wären, ist die Ernährung insgesamt sehr viel abwechslungsreicher als früher und beinhaltet zudem zahlreiche Produkte aus unterschiedlichen Ländern. Voraussetzung für eine gute Versorgung bleibt eine vielseitige pflanzenbetonte Kost. In puncto Nährstoffgehalt schnitten in Studien Lebensmittel aus Ökolandbau übrigens tendenziell besser ab als konventionell angebaute. Sie wiesen höhere Gehalte an Trockenmasse und mehr Vitamin C auf und punkten mit größeren Mengen sekundärer Pflanzenstoffe.

Literatur: DGE (2006). Vitamin- und Mineralstoffgehalt pflanzlicher Lebensmittel. Ernährungsbericht 2004, Kapitel 4, Bonn
Verbrauchzentrale (Hrsg). Sind unsere Böden und Pflanzen arm an Nährstoffen? www.klartext-nahrungsergaenzung.de/wissen/projekt-klartext-nem/sind-unsere-boeden-und-pflanzen-arm-an-naehrstoffen-17734
Burger K (2014). Werden Obst und Gemüse immer ungesünder? www.spektrum.de/news/werden-obst-und-gemuese-immer-ungesuender/1303910
www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/journal/grundkenntnisse-der-pflanzenzuechtung-im-ueberblick-446

Julia Oldenburg/UB, UGBforum 2/21

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