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Baby led weaning: Eine Alternative zum Brei?

Ganze Nahrungsstücke statt Brei sind ein neuer Trend in der Beikost von Säuglingen. Die Methode Baby led weaning erfordert allerdings einen hohen zeitlichen und organisatorischen Aufwand der Eltern.

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Baby led weaning, abgekürzt BLW, heißt übersetzt: vom Kind gesteuerte Entwöhnung, gemeint ist die Entwöhnung von der Muttermilch. Die britische Hebamme Gill Rapley hat diesen Begriff geprägt und damit einer Ernährungsform einen Namen gegeben, die nach ihrer Aussage viele Eltern seit Generationen praktizieren. Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster bestätigt, dass evolutionär gesehen Kinder immer schon das gegessen haben, was der Rest der Familie isst, ob zerkleinert oder vorgekaut. BLW geht davon aus, dass Kinder sich mit dem, was sie brauchen, selbst versorgen können. Dazu bieten Eltern dem Baby ab dem sechsten Monat eine große Palette vollwertiger Lebensmittel an. Das Angebot besteht aus 8-10 cm langen Stücken von bissfest gekochtem Gemüse, Fleisch, Brot sowie Obst und Käse, die die Kinder je nach motorischer Entwicklung mit der Faust umfassen können. Das Kind wählt selbst aus, greift nach dem Essen und führt es zum Mund. Eltern nehmen eine beobachtende Rolle ein.

Die Erfahrung zeigt, dass sich das Kind über einen langen Zeitraum gesehen vielseitig und vollwertig ernährt. Bis zum neunten Monat geht es allerdings nicht darum, satt zu werden, sondern die Lebensmittel mit allen Sinnen zu erfahren. Erst danach beginnt das Kind, die Lebensmittel gezielter zur Nahrungsaufnahme und auch zur Sättigung zu nutzen.

BLW ist prinzipiell eine natürliche Methode, ein Kind von der Milch an den Familientisch zu gewöhnen. Die Mütter müssen allerdings bereit sein, Muttermilch als Hauptenergie- und Nährstoffquelle bis zum ersten Geburtstag und darüber hinaus anzusehen und sich selbst gut zu ernähren. Zudem müssen Eltern sich viel Zeit für die Mahlzeiten und das anschließende Aufräumen nehmen. Damit das Kind am Familientisch teilnehmen kann, sollten BLW-Eltern selbst monatelang nur „nackte“ Gemüse-, Obst- und Fleischstücke essen. Um eine gute Nährstoffversorgung des Kindes zu gewährleisten, muss die Versorgung mit Fettsäuren über die Muttermilch sichergestellt sein, da das Kind über die stückige Kost kein Öl aufnehmen kann. Auch die Calciumaufnahme muss überwiegend über die Muttermilch erfolgen, ergänzt durch Käse und Joghurt oder Milch aus der Tasse.

Eisen nimmt das Kind über pflanzliche Lebensmittel und die ausgelutschten Fleischstückchen auf. Ob es damit seinen Eisenbedarf ausreichend deckt, ist jedoch bislang nicht untersucht. BLW bereitet Säuglinge zwar optimal auf den Familientisch vor, entspricht aber nicht der Lebenswirklichkeit im 21. Jahrhundert. Nur wenige Familien können die Zeit und den Aufwand aufbringen, ihren Nachwuchs ein Jahr lang fast voll mit Muttermilch zu versorgen und ihm regelmäßig abwechslungsreiche Nahrungsstücke anzubieten. Eine Kombination aus selbstbestimmtem Essen von fester Nahrung und Breifütterung ist hingegen für die meisten Familien realistischer.

    Literatur:
  • Gätjen E. Lotta lernt essen. Trias, Stuttgart 2012
  • Rapley G, Murkett T. Baby-led-Weaning, das Grundlagenbuch. Kösel, München 2013
  • Renz-Polster H. Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt. Kösel, München 2009
  • Stern L, Nagy E. Einmal breifrei bitte. Kösel, 3. Aufl., München 2014

Quelle: UGBforum 4/14, S. 200

Stand: 2014

Foto: psychela/pixelio.de

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