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Nicht-Alkoholische Fettleber (NAFLD)

Nicht-Alkoholische Fettleber (NAFLD) Die Leber ist ein 1,5 Kilogramm schweres Organ im rechten Oberbauch und ist im menschlichen Körper für etliche Stoffwechselfunktionen verantwortlich. So wird auch der Energiehaushalt reguliert und Mikronährstoffe verarbeitet. Auch die Regulation des Hormonhaushalts zählt zu den Aufgaben des Organs.

Was ist eine NAFLD?

Die nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD = non-alcoholic fatty liver disease) ist eine Form der Fettleber, die anders als die alkoholische Fettleber (AFLD), unabhängig von einem erhöhten Konsum von Alkohol entsteht. Bei einer milden Form der NAFLD kommt es zu einer gesteigerten Fetteinlagerung in einem Drittel der Leberzellen. Wenn mehr als zwei Drittel der Leberzellen verfettet sind spricht man von einer schweren Form. Eine NAFLD kann sich zu einer Leberentzündung, Leberzirrhose bis hin zu einem Leberkarzinom weiterentwickeln. In Europa sind schätzungsweise bis zu 30% der Bevölkerung von einer NAFLD betroffen. Weltweit gesehen, auch in weniger stark industrialisierten Ländern, erkranken immer mehr Menschen an einer NAFLD. Da häufige Ursache ernährungsbedingte Erkrankungen sind, ist eine Ernährungstherapeutische Behandlung einer nicht-alkoholischen Fettleber von großer Bedeutung. Auch präventiv kommt der Ernährung eine große Bedeutung zu.

Ursachen einer NAFLD

Aufgrund einer starken Assoziation mit metabolischen Risikofaktoren, insbesondere viszeraler (Bauchfett) Adipositas, Dyslipidämie und Insulinresistenz wird die NAFLD als „hepatische Manifestation des metabolischen Syndroms“ (Abb. 1) angesehen. Sie kann aber auch unabhängig davon auftreten. So sind Ernährungs- und Lebensstilfaktoren ebenfalls ein Einflussfaktor bei der Entstehung. Ein höheres Alter, höherer BMI bzw. Bauchumfang und geringere physische Aktivität wurden bereits mit der NAFLD in Verbindung gebracht. Männer sind zudem öfter betroffen, da sie weniger Adiponektin besitzen und damit die Förderung der Insulinresistenz begünstigen und eine ausgeprägtere viszerale Adipositas ausbilden können. Auch genetische Dispositionen und die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms sind gesicherte Risikofaktoren für eine NAFLD. Besonders der heutige westliche Lebensstil ist als ein Verursacher anzusehen. Eine kohlenhydrat – und fettreiche Ernährung mit hoch verarbeiteten Nahrungsmitteln in Verbindung mit einem Mangel an Bewegung, und der damit verbundenen erhöhten Anfälligkeit für oxidativen Stress, können zu den oben genannten Risikofaktoren führen.

Während die primäre NAFLD eher metabolische Ursachen hat sind bei der sekundären NAFLD bspw. Mangelernährung durch Vitaminmangel, Medikamente und anderen Erkrankungen, wie chronische Virusinfektionen, ursächlich. Selten könne auch Magen-Darm Operationen oder Morbus Chron und Zöliakie Auslöser sein.

Abb. 1: Unter dem metabolischen Syndrom wird das Auftreten von mindestens 3 der unten aufgelisteten Risikofaktoren oder ein erhöhter Taillenumfang plus 2 weitere Risikofaktoren verstanden:
Risikofaktoren
AHA/NHLBI-Definition
IDF-Definition
Taillienumfang Männer

Frauen

≥ 102 cm

≥ 88 cm

≥ 94 cm

≥ 80 cm

Triglyceride ≥ 150 mg/dl oder medikamentöse Behandlung ≥ 150 mg/dl (1,7 mmol/l) oder medikamentöse Behandlung
HDL-Cholesterin Männer

Frauen

< 40 mg/dl

< 50 mg/dl oder medikamentöse Behandlung

< 40 mg/dl (1,03 mmol/l) < 50 mg/dl (1,29 mmol/l) oder medikamentöse Behandlung
Blutdruck Systolisch

diastolisch

≥ 130 mmHg

≥ 85 mmHg oder Antihypertensiva

≥ 130 mmHg

≥ 85 mmHg oder Antihypertensiva

Nüchternglucose ≥ 100 mg/dl oder Antidiabetika ≥ 100 mg/dl (5,6 mmol/l) oder Typ-2-Diabetes

Wie kommt das Fett in die Leber?

Eine NAFLD hat keine exakt definierten Symptome. Oft liegen bei der Diagnose keine Beschwerden vor. Doch die Fettbelastung äußert sich häufig durch Müdigkeit und Erschöpfung, aber auch Oberbauchschmerzen können durch die Größenzunahme der Leber hervorgerufen werden. Die Entstehung und Fortschreitung bis zu einer nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH) ist noch nicht vollständig geklärt. Etwa 20% der NAFLD – Erkrankten entwickeln eine NASH. Der Unterschied zwischen der NAFLD und einer NASH ist ein entzündetes, degenerativ geschädigtes Lebergewebe bei letzteren. Folge sind tote Leberzellen und Lebervernarbung (Fibrose), welches keine Funktion hat – die Fortschreitung der Erkrankung zur Leberzirrhose. Eine Leberzirrhose entsteht bei etwa 10-20% der an NASH erkrankten. Aber auch andere Erkrankungen, wie die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Mellitus Typ 2 sind mit einer bestehenden NAFLD assoziiert.

Eine Über – und Fehlernährung führt zu einer erhöhten Fettmasse, die besonders durch das Bauchfett (viszerale Fettgewebe) gefährlich für die Leber werden kann. Es kommt dabei zu einer stärkeren Freisetzung von Fetten (Triglyceriden), begünstigt durch eine erhöhte Insulinausschüttung, die sich in die Leber lagern. Auch die Leber selbst produziert aus der Nahrung Fette, die sich in ihr Lagern. Dies führt zu Störungen im Fett-Stoffwechsel, wodurch toxische Lipide und oxidativer Stress entstehen die, die Leberzellen schädigen und eine Entzündung fördern. Auch die Entgiftungsfunktion der Leber nimmt ab. Durch eine kohlenhydratreiche Ernährung über die Speicherkapazität der Leber hinaus, wird vermehrt Insulin ausgeschüttet. Dies hat Auswirkungen auf die Insulinsensivität der Zellen, was bis zu einer Insulinresistenz führen kann. Besonders die Insulinresistenz gilt als bedeutsamer Risikofaktor bei der Entstehung einer NAFLD. Denn Erkrankungen mit hoher Fettleberrate unter den Erkrankten, wie Diabetes Mellitus Typ 2 und Adipositas, werden durch eine Insulinresistenz gefördert.

Diagnostik

Die Erfassung serologischer Blutmarker, eine Leberbiopsie, der Ultraschall und die kernspinotomografische Untersuchung geben Auskunft über die Verfettung, Entzündung und Fibrose der Leber. Die Leberbiopsie ist durch die gute Bestimmung des Erkrankungsstatus Goldstandard bei der Diagnose. Dennoch ist sie durch die unregelmäßige Verteilung des Fettes in der Leber ebenfalls kein exakter Parameter zur Bestimmung des Status. Es kann zu einer Unter- als auch Überschätzung des Stadiums der Erkrankung kommen.

Mit dem Fatty-Liver-Index (FLI) wird die Wahrscheinlichkeit einer Leberverfettung errechnet. Der Parameter errechnet sich aus dem BMI plus Taillienumfang, dem Enzym γ-Glutamyltransferase (GGT) - und Triglyzerid – Wert. Bei einem FLI > 60 ergibt sich eine 86%-ige Wahrscheinlichkeit für eine Leberverfettung.

Gewichtsreduktion als zentrale Therapiemaßnahme einer NAFLD

Da bei einer NAFLD noch keine Schädigung des Gewebes vorliegt ist eine frühzeitige Therapie wichtig. Denn während die Verfettung und Entzündung in der Leber durch den Einsatz von Gegenmaßnahmen reversibel sind, sind Fibrosen irreversible Schädigungen der Leber. Bei der Therapie einer Fettleber ist nicht nur eine Ernährungsumstellung nötig, sondern auch eine Lebensstiländerung sollte Bestandteil sein. Die wichtigsten Bausteine in der Therapie der NAFLD sind eine Gewichtsreduktion von mindestens 5% (0,5 – 1kg/ Woche) durch Ernährungstherapeutische Maßnahmen sowie einer gesteigerten körperlichen Aktivität. Insbesondere die mediterrane Kostform, angereichert mit Olivenöl, reduziert bei NAFLD das Risiko einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln.

Ernährungstherapie Lebensstiländerung
Negative Energiebilanz um eine Gewichtsreduktion zu erzielen Gesteigerte Körperliche Aktivität
  • Ausdauertraining und/oder Krafttraining
  • Langfristig: 200 Minuten / Woche mit mäßiger Intensität für 48 Wochen
  • Kurzfristig: 60 min / Tag für eine Woche
  • Geringere KH-Aufnahme (40-45 Energie %)
  • insbesondere Glukose, Fruktose und Saccharose reduzieren
  • keine Softdrinks
  • mehr Gemüse und Obst
  • Alkoholverzicht
  • moderate Mengen bis zu 20 g (w) bzw. 30g / Tag könnten protektiv wirken
  • Fett-Aufnahme im Bedarfsbereich (≤ 30%)
  • gesättigte Fette (max. 10% der Energiezufuhr  verarbeitete, fettreiche Lebensmittel einschränken
  • ungesättigte Fette (Omega-3) evtl. über den Bedarf hinaus
  • fettarme Lebensmittel – Varianten wählen
  • Rauchen einstellen
    Protein-Aufnahme im Bedarfsbereich (0,8 – 1g/kg KG)
  • aus pflanzlichen Proteinquellen
  • tierische Produkte reduzieren
  • Ausreichende Vitamin-Aufnahme, aber keine spezielle Supplementation nötig, falls nicht verordnet
    Kochsalzreduktion
    Kaffeekonsum (koffeinhaltig): 2-3 Tassen (ca. 300 mg Koffein) protektiv
    Modulation der Darm-Mikrobiota durch Präbiotika

    Besteht bereits eine NASH wird eine vollwertige Ernährung als Therapie empfohlen. Derzeit gibt es noch keine medikamentöse Therapie gegen die Lebererkrankungen. Betont werden muss nochmals, dass das präventive Potential, eine NAFLD vorzubeugen, enorm hoch ist. Durch bewusste Ernährung und einem gesunden Lebensstil kann das Erkrankungsrisiko stark gesenkt werden.

    Stand 2022