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Chronische Niereninsuffizienz

Die Hauptaufgaben der Nieren sind das Ausscheiden von Stoffwechselgiften, die Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts, des Blutdrucks, des Knochenstoffwechsels, des Säure-Basen-Haushalts und des Bluthormonspiegels. Bei chronischer Niereninsuffizienz arbeiten die Nieren nach und nach weniger, bis sie ihre Funktion schließlich ganz einstellen.

Was ist eine chronische Niereninsuffizienz?

Mit sinkender Nierentätigkeit kommt es zum Anstieg von Substanzen wie Harnstoff, Harnsäure oder Kreatinin, die in größeren Mengen für den Körper giftig sind und normalerweise über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden werden. Außerdem kommt es mit fortlaufender Niereninsuffizienz zu einem verstärkten Knochenabbau (renale Osteopathie) und zu Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt.

Steigt der Kreatininwert im Serum an, weist das auf eine Nierenstörung hin. Der normale Wert für Serumkreatinin beim gesunden Menschen liegt bei Werten um 1,2 mg pro dl Serum.

Die chronische Niereninsuffizienz wird in vier Stadien eingeteilt:
1. Stadium: volle Kompensation (Serumkreatinin <1,5 mg/dl)
Die harnpflichtigen Substanzen im Blut steigen bei normaler Nahrungszufuhr noch nicht an. Eine eiweißarme Ernährung ist noch nicht angezeigt. Die Flüssigkeitszufuhr sollte hoch sein.
2. Stadium: kompensierte Retention (Serumkreatinin 1,5 - 4 mg/dl)
Die Konzentration harnpflichtiger Substanzen im Blut steigt leicht an. Die Eiweißzufuhr mit der Nahrung sollte etwas eingeschränkt werden. Es sollte ausreichend getrunken werden. Der Energiebedarf sollte gedeckt sein.
3. Stadium: dekompensierte Retention/Präurämie (Serumkreatinin 4 - 7 mg/dl)
Extrem steiler Anstieg der Konzentration harnpflichtiger Substanzen im Blut. Die im Eiweißstoffwechsel entstehenden Stoffe vergiften den Körper. Es sollte sehr eiweißarm gegessen und ausreichend getrunken werden. Besonders wichtig ist die Deckung des Energiebedarfs.
4. Stadium: terminale Niereninsuffizienz (Serumkreatinin über 7 mg/dl)
Der Gehalt an toxischen Substanzen im Körper ist sehr hoch und das Allgemeinbefinden des Patienten schlecht. Die Dialyse, die künstliche Niere, übernimmt nun teilweise die Aufgaben der gesunden Niere. Eine spezielle, auf den Einzelnen abgestimmte Ernährung muss eingehalten werden. Die Ernährung in diesem Stadium ist allerdings nicht Gegenstand dieses Patientenbriefes.

Gezielte Ernährung als wirksame Unterstützung Die Ernährungsempfehlungen richten sich nach dem Stadium der chronischen Niereninsuffizienz. Ziel ist es, die Konzentration von harnpflichtigen Substanzen wie Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin im Blut möglichst gering zu halten. Wichtig für Ihr Wohlbefinden ist es außerdem, erhöhte Kaliumblutwerte zu vermeiden und eine gute Versorgung mit Nährstoffen zu gewährleisten. Die individuell für Sie geeignete Ernährung besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt und einer Ernährungsfachkraft.

Ernährung im 1. Stadium:

Zwar ist die Organfunktion in diesem Stadium schon eingeschränkt. Doch es kommt bei normaler, ausgewogener Ernährung nicht zu einem Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Blut. Achten Sie darauf, dass Ihre Eiweißaufnahme pro Tag nicht höher als 0,8 Gramm (g) pro Kilogramm (kg) Körpergewicht (KG) liegt. Das entspricht den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gesunde Erwachsene. Gemessen an der durchschnittlichen Eiweißzufuhr der deutschen Bevölkerung, die bei etwa 1,3 g/kg KG liegt, bedeutet das für Sie wahrscheinlich eine geringfügige Einschränkung. Eiweißreich sind vor allem tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Wurst, Milch und Milchprodukte. Günstig für Sie ist es, wenn Sie eine pflanzlich betonte Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse, Nudeln, Kartoffeln und Vollkornprodukten bevorzugen. Zwei Portionen Fleisch oder Fisch sollten Ihnen pro Woche reichen. Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken. Mit zwei bis drei Litern täglich tun Sie Ihren Nieren etwas Gutes. Bevorzugen Sie Getränke wie ungesüßte Früchte- und Kräutertees oder Mineralwasser. Versuchen Sie außerdem, Ihr Körpergewicht zu halten. Denn bei einer Gewichtsabnahme fallen harnpflichtige Substanzen in höherem Maße an, was die Nieren belastet.

Wenn Sie gleichzeitig auch unter Bluthochdruck leiden - wie bei Niereninsuffizienz häufig der Fall -, sollte der Natriumgehalt des Mineralwassers unter 50 mg, besser noch unter 20 mg pro Liter liegen. Ein Blick auf das Etikett gibt Aufschluss darüber. Versuchen Sie außerdem, Ihren Salzkonsum so gut wie möglich einzuschränken. Vor allem Fertiggerichte, -suppen oder -soßen, Gemüsekonserven, Käse, Räucher- und Pökelwurstwaren, aber auch Chips, gesalzene Erdnüsse oder Fertigsnacks enthalten reichlich Salz. Bevorzugen Sie daher unverarbeitete Lebensmittel und bereiten Sie sich daraus salzarme Speisen zu. Lassen Sie den Salzstreuer am Tisch besser stehen und salzen Sie nur sparsam beim Kochen. Nutzen Sie statt dessen lieber die Geschmacksvielfalt frischer Kräuter und Gewürze. Die Behandlung des Bluthochdrucks ist sehr wichtig, da die Niereninsuffizienz sonst sehr viel schneller fortschreitet.

Ernährung im 2. Stadium

In dieser Phase sind die Blutwerte der Substanzen, die beim Eiweißabbau anfallen, leicht erhöht. Daher sollten Sie Ihre tägliche Eiweißzufuhr auf maximal 0,6 bis 0,7 g/kg KG einschränken. Bei einer 70 kg schweren Person entspricht dies einer Menge von 42 bis 49 g. Eine Nährwerttabelle hilft Ihnen dabei, den Eiweißgehalt der Lebensmittel besser einschätzen zu können. Ansonsten gelten die gleichen Ernährungsempfehlungen wie im Anfangsstadium.

Ernährung im 3. Stadium

Da die Nieren in diesem Stadium nur noch wenig arbeiten, kommt es zu einem steilen Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Blut. Symptome wie vermehrte Wassereinlagerung im Gewebe, Übelkeit oder Wadenkrämpfe treten auf. Sie sollten maximal 0,5 bis 0,6 g Eiweiß/kg KG zu sich nehmen, was bei 70 kg 35 bis 42 g Eiweiß am Tag entspricht. Achten Sie dabei auf eine hohe biologische Wertigkeit der Eiweiße, damit Ihr Körper bei dieser relativ geringen Zufuhr noch ausreichend mit Eiweiß versorgt wird. Die biologische Wertigkeit hängt vor allem vom Gehalt an den Aminosäuren (Bausteine der Eiweiße) in einem Eiweiß ab, die der Körper nicht selber herstellen kann. Je mehr körpereigenes Eiweiß wir aus einem Nahrungseiweiß aufbauen können, desto höher ist die biologische Wertigkeit und desto weniger müssen wir aufnehmen, um unseren Eiweißbedarf zu decken. Das hochwertigste Eiweiß ist das Eiprotein. Aber auch Kartoffeln, Milch und Milchprodukte, Soja, Reis, Fleisch und Fisch sind besonders wertvoll. Wenn Sie Lebensmittel kombinieren, ergänzen sich die Eiweiße und die Wertigkeit steigt. Besonders günstig sind Gerichte, die Ei in Kombination mit Kartoffeln, Soja, Weizen oder Bohnen enthalten. Auch das Eiweiß aus Speisen mit Milch und Weizen oder Roggen sowie Bohnen mit Mais kann der Körper sehr gut verwerten. Bezüglich der Flüssigkeits- und Salzzufuhr gilt dasselbe wie in Stadium 1.

Bei zu hohen Kaliumwerten im Blut müssen Sie Ihre Kaliumzufuhr auf unter 2 g einschränken. Die Folgen eines zu hohen Kaliumgehalts im Körper sind Muskellähmungen und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand. Kaliumreich sind vor allem Gemüse und Obst. Sie können den Kaliumgehalt aber vermindern, indem Sie die Lebensmittel in kleine Stücke schneiden und sie so vor dem Verzehr für mehrere Stunden in reichlich Wasser legen. Dieses sollten Sie mindestens einmal erneuern. Dabei tritt das Kalium in das Wasser über und der Kaliumgehalt des Lebensmittels sinkt. Allerdings ist dies nicht bei allen Gemüse- und Obstarten, z. B. Pilzen und Beeren, möglich. Garen Sie Ihre Nahrungsmittel nicht in der Mikrowelle oder einem Schnellkochtopf. Denn hierbei geht weniger Kalium verloren als beim Garen in reichlich Wasser. Das Kochwasser sollten Sie anschließend verwerfen. In einer Nährwerttabelle finden Sie viele Obst- und Gemüsearten, die einen relativ geringen Kaliumgehalt haben wie Heidelbeeren, saure Kirschen, Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Paprika oder Spargel. Lebensmittel wie Brokkoli, Feldsalat, Spinat, Kohlrabi, Aprikosen, Bananen, Pflaumen, süße Kirschen, Nüsse, Kakao, Tomatenmark, Fruchtsäfte und Trockenfrüchte sollten Sie dagegen meiden. Vorsicht ist auch bei Kochsalzersatzmitteln geboten, wenn sie aus Kaliumchlorid bestehen. Diese könnten für Sie lebensgefährlich sein.
Die Phosphatzufuhr sollten Sie in diesem Stadium auf unter 1 g pro Tag einschränken, da es sonst den Knochenstoffwechsel negativ beeinflusst. Vorsicht ist vor allem bei Schmelzkäse und Parmesan geboten. Aber auch Milch und Milchprodukte, Nüsse, Kakao, Hülsenfrüchte und manche Fischarten können sehr phosphathaltig sein. Bei Wurstwaren und Erfrischungsgetränke sollten Sie sich ebenso in Zurückhaltung üben, denn Phosphat kann hier als Bindemittel oder Säuerungsmittel enthalten sein. Da Phosphat vor allem in eiweißreichen Lebensmitteln vorkommt, ist eine Phosphateinschränkung auf unter 1 g bei eiweißreduzierter Kost aber normalerweise kein Problem. Eine Nährwerttabelle hilft Ihnen dabei, die einzelnen Nährstoffgehalte von Lebensmitteln zu ersehen.

Übergang zur Dialyse

Eine extreme Einschränkung der Eiweißzufuhr auf 0,4 g/kg KG am Tag sollte erst kurz vor Einführung der Dialyse durchgeführt werden. Bei einer solch niedrigen Eiweißzufuhr ist eine hohe biologische Wertigkeit besonders wichtig, da der Organismus sonst körpereigenes Eiweiß abbaut und es dadurch zu einem vermehrten Anstieg von Giftstoffen im Körper kommt. In diesem Stadium wird meist mit der Kartoffel-Ei-Diät (KED) oder der Schwedendiät gearbeitet. Durch die hohe biologische Wertigkeit der Mischung von Kartoffel- und Eiprotein bei der KED kann die tägliche Eiweißzufuhr auf 0,3 bis 0,4 g/kg KG reduziert werden. Bei der Schwedendiät wird die gleiche Menge Eiweiß zugeführt, doch Sie können die eiweißhaltigen Lebensmittel frei wählen. Zwar bietet sie mehr Abwechslung, die Aminosäuren müssen aber über Tabletten zugeführt werden, da der Bedarf an zufuhrnotwendigen Aminosäuren anders nicht gedeckt werden würde. Die Flüssigkeitszufuhr muss jetzt eingeschränkt werden.

Buchtipp:

Kluthe, R.; Quirin, H.: Abwechslungsreiche Diät für Nierenkranke. Trias, Stuttgart 1998, 271 S., ISBN 3893734244, 39,80 DM

Stand 2001



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