Können Vitamine und Mineralstoffe Arteriosklerose vorbeugen?

Arteriosklerose ist eine Erkrankung der Arterienwände. Sie kann in allen Blutgefäßen auftreten, betrifft aber vor allem die Gefäße von Herz, Gehirn und Beinen. Durch Einlagerung von LDL-Cholesterin, oxidierten Lipiden und anderen Substanzen verhärten und verdicken sich die Gefäßwände. Kann nicht mehr ausreichend Blut durch die Herz-Kranzgefäße zirkulieren, kommt es zu Herzinfarkt, der häufigsten Todesursache in den westlichen Industrieländern.

Entstehung von Arteriosklerose

Zahlreiche Faktoren begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose. Neben genetischer Veranlagung, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Rauchen, Streß und Bewegungsmangel hat sich besonders die Ernährung als bedeutender Einflußfaktor erwiesen. Zur Vorbeugung empfehlen Mediziner möglichst wenig Fett, gesättigte Fettsäuren, Cholesterin und Trans-Fettsäuren aufzunehmen. Günstig soll dagegen eine Kost wirken, die reich an Omega-3-Fettsäuren, einfach und mehrfach ungesättigen Fettsäuren, Ballaststoffen sowie antioxidativ wirksamen Substanzen ist.

Auch sekundäre Pflanzenstoffe schützen vor Arteriosklerose

Antioxidative Substanzen in Lebensmitteln werden empfohlen, weil sie die Oxidation von Lipiden verhindern, die an der Bildung arteriosklerotischer Ablagerungen beteiligt sind. Solche Eigenschaften werden vor allem den Vitaminen E, C und Beta-Carotin zugeschrieben. Die Mineralstoffe Selen und Zink unterstützen zudem körpereigene Schutzmechanismen vor schädlichen Oxidationen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von sekundären Pflanzenstoffen wie die Flavonoide und Phenole, die teilweise stärker antioxidativ wirken als Vitamine.

Ob eine hohe Zufuhr antioxidativer Substanzen die Entstehung von Herzinfarkt verringern kann, ist umstritten. Einige Wissenschaftler halten bei hohen Dosen sogar negative Auswirkungen für möglich. So wurde festgestellt, daß bei hoher Zufuhr von alpha-Tocopherol (Vitamin E) dieses selbst zum freien Radikal werden kann und so die Lipidoxidation fördert. Auch für Beta-Carotin häufen sich die Hinweise, daß große Mengen auf Lungenkrebspatienten eher schädlich wirken. Daher werden hochdosierte, isolierte Antioxidantien zur Prävention von Ernährungswissenschaftlern überwiegend abgelehnt und eine optimierte Versorgung über Lebensmittel empfohlen. Für gesunde Erwachsene, die keinem besonderen oxidativen Streß, z. B. Rauchen, ausgesetzt sind, empfehlen Wissenschaftler folgende Zufuhrmengen: Vitamin C ca. 75-150 mg, Beta-Carotin ca. 2-4 mg, Vitamin E ca. 15-30 mg. Diese Mengen liegen über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, sind aber über eine gezielte Lebensmittelauswahl gut zu erreichen. Die empfohlenen 75-150 mg Vitamin-C sind durch regelmäßigen Obstverzehr leicht zu decken. 200-250 g Gemüse täglich reichen zur Versorgung mit Beta-Carotin aus. Besonders günstig sind tiefgrüne und orangefarbene Sorten wie Spinat, Grünkohl, Möhren und Tomaten. Ein regelmäßiger Verzehr von Gemüse und Obst sorgt außerdem für reichlich sekundäre Pflanzenstoffe. Vitamin E wird ausreichend zugeführt, wenn pflanzliche Öle wie Sonnenblumen- und Olivenöl täglich auf dem Speisenplan stehen.

Zur Therapie bereits erkrankter Patienten kann unter Umständen eine erhöhte Aufnahme von Antioxidantien sinnvoll sein. In Versuchen konnte die Zufuhr von über 100 mg Vitamin E pro Tag das Fortschreiten der Krankheit verringern. Solche Mengen sind nur über Supplemente zu erreichen. Inwieweit die Gabe hoher Vitamindosen in der Therapie von Arteriosklerose sinnvoll ist, muß im Einzelfall der Arzt mitentscheiden.

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Quelle: Franz, W.: UGB-Forum 3/98, S. 171

Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

Wir weisen darauf hin, dass die Inhalte durch neue wissen­schaft­liche Erkennt­nisse möglicher­weise neu bewertet werden müssen.

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