Eine ausgewogene Ernährung ist gerade für ältere Menschen wichtig. Denn sie benötigen weniger Energie, aber dennoch die gleiche Menge an Nährstoffen wie in jungen Jahren. Die Vollwert-Ernährung berücksichtigt beide Kriterien. Wird sie an altersbedingte Veränderungen angepaßt, ist sie auch für Senioren optimal geeignet
Bei vielen Senioren lassen die Ernährungsgewohnheiten zu wünschen übrig. Durch Verzehrserhebungen und biochemische Untersuchungen wurde ermittelt, daß hochmolekulare Kohlenhydrate, Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren und pflanzliches Eiweiß viel zu selten auf den Tisch kommen. Auch von den meisten Vitaminen und den Mineralstoffen Calcium, Jod und Zink nehmen Senioren häufig zu wenig auf. Dagegen ist die Energiezufuhr und der Fettanteil der Nahrung eindeutig zu hoch. Was bei uns auf dem Speiseplan steht, wird allerdings nicht nur von biologischen Faktoren beeinflußt; auch soziale, psychologische und wirtschaftliche Umstände wirken sich in gleicher Weise auf das Ernährungsverhalten aus. Fleisch, Auszugsmehl und größere Mengen an Butter sind zum Beispiel für die Kriegsgeneration, die viele Entbehrungen erleiden mußte, oft ein Statussymbol. Für zukünftige Generationen werden dies vielleicht Fast Food und Fertigprodukte sein. Hier gilt es, bereits heute vorbeugend tätig zu werden. Denn jeder hat es selbst in der Hand, durch eine gesunde Lebensweise und ausgewogene Ernährung sein Leben voll auszukosten. Voraussetzung ist aber, daß man sich der körperlichen Veränderungen im Alter bewußt ist, diese akzeptiert und die Ernährung an diese Veränderungen anpaßt.
Gesunde Senioren nehmen heute wesentlich mehr Energie auf, als sie verbrauchen. Ihre Zufuhr liegt etwa 800 kcal über dem eigentlichen Bedarf. Obwohl immer weniger Energie benötigt wird, bleibt der Bedarf an lebensnotwendigen Nährstoffen wie Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen jedoch unverändert. Da ältere Menschen häufiger krank sind, meist Medikamente einnehmen und sich weniger bewegen, wird empfohlen, die Proteinzufuhr etwas zu erhöhen.
Die mit der Nahrung aufgenommene Energie sollte bei Personen ab dem 51. Lebensjahr zu mindestens 55-65 Prozent aus Kohlenhydraten, zu 25-30 Prozent aus Fett und zu etwa 10-15 Prozent aus Eiweiß bestehen. Das bedeutet, daß die Lebensmittel zwar wenig Energie, aber viele Nährstoffe enthalten müssen, das heißt, eine hohe Nährstoffdichte aufweisen. Dies ist vor allem bei Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, mageren Milchprodukten, Kartoffeln, Vollkornprodukten sowie magerem Fisch und Fleisch der Fall. Weniger geeignet sind alle fett- und zuckerhaltigen Lebensmittel sowie Alkohol. Ein weiterer Grund für diese Empfehlung ist die nachlassende Durchblutung und Speicherkapazität der Leber, wodurch ihre Fähigkeit, Alkohol abzubauen, im Alter stark nachläßt.
Durch hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre verringert sich die Knochenmasse bei Frauen um durchschnittlich 35 Prozent. Aber auch bei Männern gehen etwa 12 Prozent Knochensubstanz verloren. Um den Zustand der Knochendichte zu erhalten, ist eine ausreichende Zufuhr von Calcium dringend erforderlich. Eine Osteoporose kann dadurch allerdings nicht beseitigt werden. Wer täglich einen halben Liter fettarme Milch oder entsprechende Mengen an mageren Milchprodukten verzehrt, ist ausreichend mit Calcium versorgt.
Anstatt 3mal am Tag größere Portionen zu essen, ist es bekömmlicher, etwa 5 bis 6 kleinere Mahlzeiten einzunehmen. Auf diese Weise werden die Verdauungsorgane und der Insulinstoffwechsel weniger belastet. Heißhungerattacken kommen seltener vor, die Konzentrationsfähigkeit und das Leistungsvermögen bleiben erhalten. Außerdem trägt die gleichmäßige Verteilung der Mahlzeiten über den Tag dazu bei, daß der Tagesablauf strukturiert wird.
Vollkornprodukte müssen nicht grob und hart sein. Das Vollgetreide kann als Brei, geschrotet in Aufläufen und Suppen oder in Form von Flocken im Müsli gegessen werden. Statt Vollkornbrot mit ganzen Körnern sind feines Schrotbrot, Grahambrot und Brote mit gelockerter Kruste wie Weizenkeimbrot geeignet. Auch Vollkorntoast, Knäckebrot und Vollkornzwieback bieten sich als Alternativen an. Einige ältere Menschen vertragen Milch nicht mehr so gut. Statt dessen können Sauermilchprodukte wie Joghurt, Dickmilch, Kefir oder Buttermilch gegessen werden. Sie sind im allgemeinen gut bekömmlich und haben zudem eine leicht abführende Wirkung. Die Milchsäurebakterien haben bereits eine gewisse Vorverdauung durch den Abbau des Milchzuckers vorgenommen. Auch lang gereifte Käsesorten wie alter Gouda, Emmentaler oder Parmesan werden gut vertragen, da durch die lange Reifung die Struktur des Milcheiweißes gelockert und teilweise aufgespalten wird. Wenn Fleisch nicht mehr so gut gekaut werden kann, können kleine Mengen gedünstetes Hackfleisch, Geflügel und vor allem Fisch verwendet werden.
Diese Ernährungsempfehlungen sind für alle Personen geeignet, die keine spezielle Diät halten müssen und sich noch selbst versorgen können. Sie gelten aber auch für viele Erkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Hypertonie, Gicht oder Übergewicht. Das heißt, bei allen Erkrankungen ist ein sparsamer Umgang mit Fett, Fleisch, Alkohol und Zucker angeraten, dagegen sollten Gemüse, Obst, Kartoffeln, Vollkornprodukte und fettarme Milchprodukte regelmäßige Bestandteile des Speiseplans sein. Darin unterscheiden sich die Empfehlungen für Senioren nicht von denen für den Rest der Bevölkerung. Eine derart abwechslungsreiche Nahrung ist die beste Garantie, alle Nährstoffe in ausreichender Menge aufzunehmen.
Das Ziel aller Bemühungen um eine altersgerechte, ausgewogene Ernährung ist letztlich, zu vermeiden bzw. zu verzögern, daß ernährungsbedingte Krankheiten auftreten. Auf diese Weise kann das Wohlbefinden, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit lange erhalten bleiben und die Lebensqualität gesteigert werden.
Frühstück:
Müsli aus Getreide(flocken), Obst, Milchprodukten, einigen Nüssen oder anderen Saaten oder Vollkornbrötchen mit wenig Butter oder Margarine und wenig Marmelade, dazu Magerquark oder Vollkornbrot mit magerem Belag
1. Zwischenmahlzeit:
Obst oder einige Vollkornkekse oder Milch bzw. Milchprodukte, z. B. Joghurt oder Buttermilch
Mittagessen:
Salatteller, Vollkornnudeln, Hülsenfrüchte oder Kartoffeln, Gemüse, gelegentlich etwas Fleisch oder ein Ei oder etwas Fisch
2. Zwischenmahlzeit:
Obst oder ein Becher Joghurt oder 1/2 Scheibe belegtes Vollkornbrot oder gelegentlich ein Stück Vollkornkuchen
Abendessen:
Salat, 1-2 Scheiben belegtes Vollkornbrot, möglichst mit fettarmem Käse, pflanzlichem Aufstrich oder Kräuterquark
Eventuelle Spätmahlzeit:
Obst oder einige Vollkornkekse
LITERATUR:
BECKER, H.-G.: Ernähren im Alter. aid-Verbraucherdienst 40/12, S. 276-279, 1995
BRODHAGEN, D.: Ernährungsaufklärung älterer Menschen. Dissertation. Asgard, Hippe 1993
KOERBER V., K., MÄNNLE, T.; LEITZMANN, C.: Vollwert-Ernährung, Konzeption einer zeitgemäßen Ernährungsweise. 8. Aufl., Haug, Heidelberg 1994
VERBRAUCHER-ZENTRALEN HAMBURG UND HESSEN: Gesund ernähren im Alter - Ein Ratgeber für Alten- und Pflegeheime und Sozialstationen. 3. Aufl., Hamburg 1995
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