Die Deutschen essen derzeit mehr frisches Gemüse und Obst, mehr Ballaststoffe und weniger Fett. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte Ernährungssurvey des Robert-Koch-Instituts. Obwohl viele Menschen gesundheitsbewusster essen als in den zurückliegenden Jahren, gibt es nach wie vor Schwachstellen im Ernährungsverhalten.
Heute essen die Deutschen im Wesentlichen gesünder als noch in den 80er Jahren. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen Ernährungssurveys. So gehen die Bundesbürger mittlerweile erheblich sparsamer mit Fett um. Gleichzeitig verzehren sie heute mehr Kohlenhydrate und Gemüse als noch vor 15 Jahren. Vermutlich erzielte die breit angelegte Ernährungsaufklärung eine gewisse Wirkung. Darüber hinaus dürfte eine Veränderung des Lebensmittelangebotes, zum Beispiel fettärmere ("Light-")Produkte, hierzu beigetragen haben. Und dennoch: Unser Ernährungsverhalten könnte sich noch in vielen Punkten verbessern.
Unter der maximal empfohlenen Cholesterinzufuhr von höchstens 300 mg am Tag bleibt nur die Mehrheit der jungen und älteren Frauen. Frauen mittleren Alters und Männer liegen hier zum Teil deutlich über den Empfehlungen. Am meisten Cholesterin nehmen junge Männer auf, mit durchschnittlich 450 mg am Tag. Zwar essen die Menschen hierzulande mehr pflanzliche als tierische Fette. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn der Verzehr tierischer Fette zu Gunsten der pflanzlichen noch stärker eingeschränkt würde.
In der Altersklasse der 25- bis 34-Jährigen sind bereits über die Hälfte der Männer übergewichtig, das heißt, sie haben einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 oder mehr. Ab einem Alter von 45 Jahren überschreiten mehr als 75 % der Männer und über 50 % der Frauen diese Grenze. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat (kg/m2). Personen mit einem BMI-Wert unter 18,5 gelten als untergewichtig, von 18,5-25 als normalgewichtig, von 25-30 als übergewichtig und von 30 oder mehr als stark übergewichtig (adipös). Nach dieser Klassifizierung sind zwei Drittel der deutschen Männer und fast die Hälfte der Frauen übergewichtig. Nur 0,4 % der Männer haben Untergewicht; bei den Frauen sind dies 1,5 %. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 18-24 Jahren (ca. 4 %). Nur etwa die Hälfte der Frauen und lediglich ein Drittel der Männer sind normalgewichtig.
Insbesondere die Zufuhr an Folsäure ist weder bei Frauen noch bei Männern im Mittel ausreichend. Hier liegen weit über 80 % der Deutschen unter den Empfehlungen. Vor allem Schwangere sind wegen der für sie höheren Refe-renzwerte deutlich unzureichend versorgt. Gute Lieferanten für dieses Vitamin sind viele Gemüsearten wie Brokkoli, Endiviensalat, verschiedene Kohlsorten, Spinat und andere dunkelgrüne Blattgemüse. Bei der Folatversorgung spielen überraschender Weise auch Milchprodukte eine wichtige Rolle, obwohl sie deutlich weniger verfügbare Folsäure enthalten. Sie fallen aber wegen ihres mengenmäßig höheren Verzehrs im Vergleich zu Gemüse so stark ins Gewicht.
Auch bei Vitamin D liegen über 80 % der Deutschen unter den Referenzwerten. Über die Hälfte erreicht für Vitamin E nicht die empfohlene Zufuhr. Allerdings ist bei allen diesen Beurteilungen zu berücksichtigen, dass die Referenzwerte mit dem Ziel festgelegt wurden, den Bedarf von nahezu allen (98 %) gesunden Personen im Durchschnitt zu decken. Diese Zielgrößen haben präventiven Charakter, beinhalten einen erheblichen Sicherheitszuschlag und sind so kalkuliert, dass eine gewisse Körperreserve angelegt werden kann. Somit bedeutet eine Unterschreitung für den Einzelnen nicht automatisch, dass er unterversorgt ist oder gar an einem Nährstoffmangel leidet. Lediglich die Gefahr für eine Unterversorgung ist erhöht.
Für viele Vitamine sichert bereits die Ernährung weitgehend den Bedarf. Erwartungsgemäß ist die Versorgung bei Menschen, die regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel schlucken, besser als bei Nichtnehmern. Allerdings erreichen auch diese nicht für alle Vitamine die von der DGE empfohlenen Referenzwerte. Trotz Präparaten bleiben viele unter den Empfehlungen für Pantothensäure, Vitamin E, Biotin und insbesondere Folsäure. In speziellen Lebenssituationen wie Schwangerschaft oder im hohen Alter können Nahrungsergänzungen sinnvoll sein. Ob für andere Personen eine Ergänzung notwendig ist, sollte individuell genau geprüft werden. Ansonsten kann auf Vitamin- und Mineralstoffpräparate verzichtet werden. Schließlich beschreibt bereits das Wort Nahrungsergänzungsmittel sehr treffend auch seine Funktion - nämlich die Ergänzung der Nahrung und nicht etwa deren Ersatz. In vielen Fällen führt sicher schon eine geringe Änderung der Lebensmittelauswahl zu einer ausreichenden Versorgung mit Vitaminen.
Obwohl für fast alle Nährstoffe die durchschnittliche Aufnahme ausreicht, gibt es praktisch für jeden Nährstoff Gruppen in der Bevölkerung, bei denen eine mehr oder weniger ausgeprägte Unter- oder auch Überversorgung festzustellen ist. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass Teile der Bevölkerung wie Hochbetagte oder Nichtsesshafte nicht in den Ernährungssurvey einbezogen wurden. Beratungs- und Präventionsangebote müssen daher speziell auf die jeweiligen Risikogruppen ausgerichtet werden. Nur so lassen sich durch Fehlernährung bedingte Gesundheitsrisiken langfristig vermeiden.
Quelle: Mensink, G.: UGB-Forum 2/03, S. 95-98
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