Beim Fasten wird nicht nur reichlich Wasser und Tee getrunken, sondern es werden je nach Methode verschiedene Ergänzungen gegeben. Sie reichen von Säften und Gemüsebrühe über Brötchen bis hin zu Wein. Bei richtiger Anwendung können sie den Fastenprozeß positiv unterstützen.
Fasten hat eine lange Tradition. In allen Weltreligionen gibt es Empfehlungen zum zeitweisen Nahrungsverzicht, wobei der spirituelle Aspekt meist im Vordergrund steht. Im islamischen Fastenmonat "Ramadan" beispielsweise wird traditionsgemäß zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts gegessen. Leider wird dann abends häufig so viel geschlemmt, daß die positiven Wirkungen des Fastentages aufgehoben werden. Auch im Mittelalter suchten die körperlich hart arbeitenden Mönche nach Möglichkeiten, trotz Fastenzeit Energie aufnehmen zu können. Nach dem Motto "liquidum non frangit" - "Flüssiges bricht das Fasten nicht" - führten sie Starkbier als Fastengetränk ein. Noch heute ist besonders in Bayern die Starkbierzeit ein großes, gesellschaftliches Ereignis, bei dem allerdings nicht mehr gefastet wird. Im Christentum läutet der Karneval die vorösterliche Fastenzeit ein. Das Wort "Karneval" hat vom Wortstamm her zwei Bedeutungen: Neben Carrus navalis = Schiffswagen bezieht es sich auch auf Carne vale = Fleisch, lebe wohl. Die allemannische "Fastnacht" deutet ebenfalls auf die letzte Nacht vor der Fastenzeit hin.
Neben den Getränken werden je nach Fastenrichtung verschiedene Zusätze gegeben, die geringe Mengen an Kalorien enthalten können. Solange die Energiezufuhr unter 500 Kilokalorien bleibt, werden die erwünschten Fastenwirkungen nicht beeinträchtigt. Zusätze wie Saft und Gemüsebrühe, Molke oder Milch gewährleisten zudem eine geringe Vitamin- und Mineralstoffzufuhr. Durch Säfte, eventuell ein bis zwei Teelöffel Honig, Brötchen oder Getreidebrei wird dem Körper auch etwas Glucose zugeführt. Dies trägt dazu bei, daß während der Fastenzeit weniger Protein abgebaut wird. Bei schlanken Fastern oder einem sehr langen Fastenzeitraum ist darüber hinaus eine geringe Proteinzufuhr über Buttermilch oder Molke sinnvoll. Bei einigen Fastenvarianten sind Molke oder Milch ohnehin fester Bestandteil des Fastenmenüs.
Aus der Fastenbewegung um die Jahrhundertwende sind unterschiedliche Fastenformen entstanden, die sich durch die Ergänzungen, aber auch das Begleitprogramm unterscheiden. Bei allen Varianten sind positive Fastenerfolge zu verzeichnen, und es ist mehr eine Frage der persönlichen Vorliebe, für welche Fastenart man sich entscheidet.
Beim Mayr-Fasten nach dem österreichischen Arzt Franz Xaver Mayr (1875-1965) wird in der Regel ein strenges Fasten mit Wasser, Tee und Gemüsebrühe von der "Milch-Semmel-Kur" abgelöst. Letztere ist ein Teilfasten, bei dem als Besonderheit ein Kautraining durchgeführt wird. Zweimal täglich werden 2-4 altbackene Weißmehlbrötchen mit wenig Milch intensiv gekaut. Dadurch soll gutes Kauen, ein kräftiger Speichelfluß und das Erleben eines Sättigungsgefühls eingeübt werden. Wie bei den anderen Fastenformen kommt auch hier der Magen-Darm-Trakt weitgehend zur Ruhe. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll, Vollkornbrötchen zu verwenden, da die darin enthaltenen Ballaststoffe den Darm zu stark anregen würden. Zur regelmäßigen Darmentleerung wird jeden Morgen Bittersalz gegeben und eine Bauchmassage durchgeführt. Eine Mayr-Kur dauert in der Regel mindestens drei Wochen und wird vor allem zur Magen-Darm-Sanierung eingesetzt. Wegen der notwendigen Bauchmassage kann sie zu Hause schlecht durchgeführt werden.
Die Schroth-Kur wurde vor etwa 150 Jahren von dem schlesischen Bauern Johann Schroth (1798-1856) ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Teilfasten, das kleine Mengen Getreide in Form von altbackenen Brötchen oder Brot und Gemüse in Form von Suppen enthält. Es können bis zu 1200 Kilokalorien pro Tag erreicht werden. Sogenannte Trinktage wechseln sich mit Trockentagen ab. Dadurch soll die Reinigungswirkung auf den Organismus besonders groß sein. An den drei Trockentagen pro Woche wird außer einem achtel Liter Wein, der in kleinen Schlücken eingenommen wird, nichts getrunken. Statt des Weins kann auch Traubensaft verwendet werden, die meisten Fastenden bevorzugen jedoch das anregende Getränk. Unentbehrlich bei einer Schroth-Kur ist der Dunstwickel. Dabei wird der Körper in feucht-kalte Tücher eingewickelt und so die Durchblutung angeregt. Trotz der umstrittenen Weingaben hat sich die Schroth-Kur im Rahmen einer Badekur bewährt. Fasten wird auch bei anderen ganzheitlich orientierten Kurformen eingesetzt, z. B. im Rahmen einer Kneipp- oder Felkekur.
Der Begriff "Heilfasten" wurde 1935 von Dr. Otto Buchinger geprägt. Heute sorgt dieser Begriff zum Teil für Verwirrung, da darunter oft nur das rein therapeutische Fasten verstanden wird. Dieses sollte selbstverständlich nur unter fastenärztlicher Be-treuung durchgeführt werden. Buchinger verstand jedoch unter "Heilfasten" sowohl die Unterstützung physiologischer Gesundheit als auch eines seelisch-geistigen Wohlbefindens. "Heilfasten" umfaßt somit neben dem therapeutischen Fasten auch die präventive, vorbeugende Seite des Fastens, das heißt auch Gesunde können "Heilfasten".
Jedes Fasten sollte gut vorbereitet werden. Für den Entlastungstag und die ersten Fastentage benötigt man reichlich Obst oder Gemüse, ausreichend Mineralwasser, Kräutertees und Säfte. Zumindest Alleinlebende sollten überlegen, ob sie nicht restliche Essensvorräte verschenken oder wegräumen wollen, damit sie nicht ständig ans Essen erinnert werden. Weiterhin benötigt man ein Einlaufgerät zur regelmäßigen Darmentleerung. Eine Wärmflasche, Sportzeug, Hautöl und eine Trockenbürste sind ebenfalls gute Fastenbegleiter. Außerdem sollte man sich zumindest für die ersten Tage keine dringenden Arbeiten oder Termine vornehmen, damit man das Fasten in Ruhe angehen kann.
Nach dem ersten oder zweiten Fastentag hat man meistens den Einstieg ins Fasten geschafft. Der Organismus hat auf die "Ernährung von innen" umgeschaltet, ein anfängliches Hungergefühl tritt kaum noch auf. Immer wichtiger werden jetzt unterstützende Maßnahmen wie ein leichtes Bewegungsprogramm, das den Kreislauf und den Stoffwechsel in Schwung hält. Man sollte auch bedenken, daß beim Fasten mit dem Essen auch eine besondere Art der Zuwendung entfällt. Spaziergänge an frischer Luft, innere Ruhe, körperliche Nähe, Musik, Tanz und anderes mehr können das möglicherweise entstehende emotionale Vakuum füllen.
Damit Endprodukte des Stoffwechsels ausgeschieden werden können, ist eine regelmäßige Darmentleerung wichtig. Gerade während des Fastens gibt der Körper über Leber und Galle sowie über die Darmschleimhaut verschiedene Stoffwechselprodukte ab. Auch abgeschilferte Schleimhautzellen und abgestorbene Darmbakterien würden ohne Entleerung im Darm verbleiben. Da ohne Nahrungszufuhr die Darmbewegung zum Erliegen kommt, muß sie aktiviert werden. Die schonendste Methode dafür stellt der Einlauf dar, der jeden zweiten Tag durchgeführt werden sollte. Wer aus einem Klinikaufenthalt den Einlauf in schlechter Erinnerung hat, wird überrascht sein, daß er bei schonender Durchführung nicht unangenehm sein muß. Viele Faster haben mit morgendlichen Kreislaufschwierigkeiten zu kämpfen. Langsames Aufstehen, Gymnastik an frischer Luft, Massagen und Trockenbürsten oder kalte Arm- und Beingüsse im Anschluß an eine warme Dusche können hier helfen. Auch etwas Gin-seng- oder Schwarztee kurbeln den Kreislauf an.
Wie lange gefastet werden soll, kann nicht pauschal angegeben werden. Üblich sind ein bis vier Fastenwochen. Längere Fastenperioden sollten auf alle Fälle von einem Fastenarzt begleitet werden. Kürzer als eine Woche zu fasten, ist nicht sinnvoll, da selbst erfahrene Faster zur Umstellung oft ein bis zwei Tage benötigen. Viele Menschen fasten regelmäßig ein- oder zweimal im Jahr, andere wiederum nur alle paar Jahre.
Am zweiten Aufbautag steigert man sich zu einer kleinen Frischkost aus leicht verträglichem Gemüse wie Blattsalaten oder Möhren, etwas Getreideschrot in der Gemüsesuppe sowie gedünstetem Gemüse mit Pellkartoffeln. Der dritte Aufbautag führt idealerweise weiter zur Vollwert-Ernährung hin mit einem Müsli aus Getreideflocken, Obst und Joghurt, viel Frischkost und Vollkornbrot. Auch während der Aufbautage sollte viel getrunken werden, möglichst aber nicht zu den Mahlzeiten. Ansonsten wird man zu leicht dazu verführt, ohne gründliches Kauen das Essen hinunterzuspülen. In der Aufbauphase sollte bewußt und ohne weitere Ablenkung langsam und wenig gegessen sowie gründlich gekaut werden.
Quelle: Martin, H.-H.: UGB-Forum 2/96, S. 77-80Der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung bildet kompetente FastenleiterInnen aus und hat ein spezielles Konzept für Fastenkurse entwickelt.
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