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Bewußter Essen nach dem Fasten

Viele Menschen nutzen die Fastenzeit, um ihre Ernährungs- und Lebensweise zu überdenken. Ohne Essen fühlen sie sich leicht und fit und wollen auch nach dem Fasten etwas für ihr Wohlbefinden tun. Fasten ist daher ein idealer Einstieg in eine gesündere Ernährung.

Wir essen heute zuviel und zu unüberlegt. Nahrung ist in unserer westlichen Überflußgesellschaft jederzeit und schnell verfügbar. Sie dient nicht selten als reine Genußquelle oder als Ersatzbefriedigung zum Ausgleich von inneren Spannungen. Bevorzugt werden dabei fettreiche Snacks, cremige Saucen und allerlei Süßigkeiten, die zwar viel Energie, aber wenig wertvolle Aufbau- und Schutzstoffe für unseren Körper liefern. Nicht selten vernachlässigen wir im Alltagsstreß unsere wahren Bedürfnisse und bemerken das erst, wenn wir uns nicht mehr wohlfühlen und Übergewicht oder Krankheiten entstehen. Während des Fastens stellt sich der Körper auf innere Ernährung um. Fastende werden dadurch offen und empfindsam sowohl für körperliche als auch für geistige Wahrnehmungen. Weit weg von Alltagshektik und Reizüberflutung kommen sie innerlich zur Ruhe. Das sind ausgezeichnete Voraussetzungen, um sich neu zu orientieren und seine Lebensgewohnheiten zu verändern. So ist gerade nach einem freiwilligen Nahrungsverzicht die Motivation für eine Ernährungsumstellung besonders hoch.

Eine neue Erfahrung: Hunger und Sättigung

Zu Beginn des Fastens werden Magen und Darm gründlich entleert. Dadurch verschwindet auch das Hungergefühl. Erst beim Fastenbrechen produziert der Körper wieder Verdauungssäfte und entwickelt damit auch Hunger. Dieser Hunger signalisiert den physiologischen Bedarf des Körpers nach Essen. In der Aufbauzeit nach dem Fasten können Hunger und Appetit besonders deutlich unterschieden werden. Das hilft, sich bei der Nahrungsaufnahme wieder mehr an den echten körperlichen Bedürfnissen und weniger an Eßgelüsten zu orientieren. Menschen, die ständig essen, kennen das Gefühl von leichtem Hunger gar nicht mehr und fühlen sich oft übervoll und unwohl. Nach dem Fasten lernen sie wieder, dem Körper genügend Pausen zwischen den Mahlzeiten zu lassen.

Auch das Sättigungsgefühl wird nach dem Fasten bewußter wahrgenommen. Die Fastenden erleben in der Aufbauzeit, daß eine fettarme, ballaststoffreiche Kost mit einem hohen Anteil an Gemüse und Getreide angenehm satt macht, ohne schwer im Magen zu liegen. Knackige Salate werden nach einer Fastenperiode mit Freude verzehrt und sorgen schon vor dem warmen Hauptgericht für eine entsprechende Magenfüllung. Anstatt die Nahrung hastig zu verschlingen, wird jetzt wieder jeder Bissen genüßlich gekaut. Dadurch werden die Speisen bekömmlicher und sättigen gut. Üppige, fettreiche Kost wird dagegen nach dem Fasten als Belastung empfunden und nicht mehr so gerne gegessen wie vorher.

Fasten schärft die Sinne

Der Fastende nimmt seine Sinneseindrücke intensiver wahr. Die Geschmacksschwellen für salzig und süß sinken, und die Aromen frischer Kräuter werden bereits beim Würzen der Fastenbrühe wiederentdeckt und helfen, den Kochsalzkonsum zu reduzieren. Auch Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke sinken in der Gunst der Fastenerfahrenen, da sie vielfach als zu süß empfunden werden. Voraussetzung ist, daß während des Fastens nur wenig Süßstoff verwendet wurde. Süßungsmittel wie Frischobst, Trockenfrüchte, Honig, Ahornsirup und Fruchtdicksäfte können in der Aufbauzeit Zucker ersetzen und bieten neue Geschmackser-lebnisse.

Geschmackvoll und gut verträglich

Mit der Sensibilisierung der Sinne werden die Lebensmittel nach dem Fasten nach anderen Kriterien ausgewählt. Geschmack, Geruch und Farbe von Obst und Gemüse bekommen einen höheren Stellenwert. Schon der erste Apfel, mit dem das Fasten gebrochen wird, bietet einen ungeahnten Genuß. Die Unterschiede zwischen saisongerechten, frischen Lebensmitteln möglichst aus biologischem Anbau und stark verarbeiteten Fertigprodukten mit Geschmacksverstärkern und künstlichen Aromastoffen können regelrecht erschmeckt werden. Fastende machen sich auch Gedanken über die "innere" Qualität von Lebensmitteln, die im Chemielabor nicht erfaßt werden kann. Nach dem reinigenden Fasten ist der Wunsch, sich von wohlschmeckenden, hochwertigen, natürlichen Lebensmitteln mit einer hohen Nährstoffdichte zu ernähren, besonders groß. Ratschläge für eine geeignete Lebensmittelauswahl und schonende Zubereitung nehmen die Fastenden mit großem Interesse auf.

Durch den freiwilligen Nahrungsverzicht mit regelmäßiger Darmentleerung wird der Verdauungstrakt entlastet. Die Fastenden spüren dadurch eine gewisse Leichtigkeit, die sie sich auch nach dem Fasten erhalten möchten. In der Aufbauzeit werden Reaktionen des Körpers auf bestimmte Nahrungsmittel besonders gut wahrgenommen. Dadurch fällt es leichter, ungünstige Eßgewohnheiten durch körperverträglichere zu ersetzen - denn der Erfolg ist sofort spürbar. Eine ballaststoffreiche Kost ermöglicht eine regelmäßige Darmentleerung, und mit entsprechenden Zwischenmahlzeiten wird ein gleichmäßigerer Blutzuckerspiegel gewährleistet. Damit ist einer langfristigen erfolgreichen Ernährungsumstellung der Weg bereitet.

Chancen für Diabetiker und Allergiker

Auch bei einigen Stoffwechselstörungen kann Fasten hilfreich sein. Allergiker können beispielsweise in der Aufbauzeit eine spezielle Eliminationsdiät durchführen, bei der Lebensmittel nach und nach in den Speiseplan aufgenommen und so auf ihre Allergenität getestet werden. Typ-II-Diabetiker schaffen es oft, durch eine entsprechende Ernährung weiter auf blutzuckersenkende Medikamente zu verzichten, die bereits während der Fastenzeit abgesetzt werden konnten. Auch deutlich bessere Blutfett- und Harnsäurewerte zeigen, daß eine gesündere Nahrung den Körper positiv beeinflussen kann. Übergewichtige werden durch die Gewichtsabnahme im Fasten motiviert, weiter - wenn auch langsamer - an Gewicht zu verlieren und sich dabei wohl zu fühlen. Aber auch bei Gesunden wird die bewußte Lebensmittelauswahl mit einer besseren körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit belohnt.

Essen nach dem Fasten: Essensrhythmus gleich Lebensrhythmus

Rhythmen spielen in der Natur und so auch in der Ernährung eine wichtige Rolle. Im Fasten besinnt sich der Mensch wieder auf seine inneren Bedürfnisse und erkennt, daß Nahrungsaufnahme, Verdauung und Ausscheidung zu bestimmten Zeiten erfolgen - je rhythmischer desto problemloser. Durch regelmäßige Essenszeiten und eine maßvolle Nahrungsaufnahme, vor allem abends, werden die Speisen besser vertragen und ein erholsamer Schlaf ermöglicht. Viele Menschen führen ein sehr hektisches Leben und leiden daher oft unter unregelmäßigem Stuhlgang, Unwohlsein oder verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden. Durch die positiven Erfahrungen während des Fastens beschließen sie, ihr Alltagsleben neu zu organisieren und besser ihren Bedürfnissen anzupassen. Für die Ernährung ergeben sich dabei sehr wirksame, sofort zu realisierende Maßnahmen. Dazu gehören eine sinnvolle Mahlzeitenverteilung, leichte Kost, besonders in den Abendstunden und eine ausreichende, regelmäßige Flüssigkeitszufuhr. Die Fastenden spüren, wie günstig sich eine Entlastung des Verdauungstraktes auf die allgemeine Leistungsfähigkeit auswirkt. Oft entscheiden sie sich auch nach dem Fasten zu einem regelmäßigen Entlastungstag, z. B. mit Obst oder Reis.

Die Ausscheidung von Endprodukten des Stoffwechsels wird im Fasten durch die Zufuhr von Wasser und Tee unterstützt. Besonders bei hohen Außentemperaturen muß ausreichend getrunken werden, damit es nicht zu Kreislaufschwierigkeiten kommt. Die Fastenden spüren am eigenen Leib, wie bedeutsam Wasser für einen gut funktionierenden Stoffwechsel ist. Gelegentliche Hungergefühle entpuppen sich oft als Flüssigkeitsbedürfnis und verschwinden nach einem Glas Wasser wieder. In der Aufbauzeit erinnern sich die Faster daran und mindern oder beseitigen vermeintlichen Hunger, indem sie etwas trinken. Auch unterwegs oder am Abend hat eine Tasse Tee oft einen angenehmeren Effekt als eine üppige Mahlzeit. Die Fastenkur ist außerdem eine gute Gelegenheit, Kräuter- und Früchtetees mit neuen Geschmacksrichtungen und Wirkungen kennenzulernen.

Spaß an Bewegung

Körperliche Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Lebensweise. Sie beeinflußt nicht nur das Hunger-Sättigungsempfinden positiv und hilft bei Darmträgheit, sondern trägt auch dazu bei, Fett zu verbrennen. Die Fastenden erleben, daß der Körper vorübergehend auch ohne Nahrung sehr gut Energie aus seinen Fettreserven gewinnen kann. Obwohl sie nichts essen, fühlen sie sich körperlich und geistig leistungsfähig. Für viele ist das ein Schlüsselerlebnis.

Gerade Menschen, die besonders leicht zum Fettansatz neigen, sind nach den Fastenerfolgen sehr motiviert, nicht nur weniger Fett zu essen, sondern auch durch Ausdauersport überschüssige Fettreserven abzubauen. Regelmäßige Bewegung regt zudem den Stoffwechsel an und führt zu einem besseren Allgemeinbefinden, was wiederum die Freude an einer gesunderhaltenden Kost erhöht. Eine Fastenkur macht nicht nur sensibler für Körpersignale, sie bietet auch Zeit und Muße, sich mit der eigenen Ernährungsweise zu beschäftigen. Fern von den Verpflichtungen des Alltags können die Fastenden in Ruhe überlegen, was sie konkret ändern möchten. Ideal ist es, wenn sie während der Fastenzeit die Möglichkeit haben, eine gesunde Ernährung kennenzulernen, sowohl theoretisch als auch praktisch in einer Lehrküche. Der Erfolg einer Ernährungsumstellung ist am größten, wenn die gefaßten Vorsätze für die Zeit nach dem Fasten schriftlich festgehalten werden.

Eßstörungen auf den Grund gehen

Wie anfangs erwähnt, wird Essen oft dazu benutzt, unbewältigte Konflikte zu verdrängen. Geschieht dies regelmäßig, kommt es zu Übergewicht mit seinen physischen und psychischen Folgen, die bis zur sozialen Isolation reichen können. Fastende zeigen eine erhöhte Bereitschaft, sich mit seelisch-geistigen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Dies ist eine hervorragende Voraussetzung, um Eßverhaltensstörungen auf den Grund zu gehen. Von der Frage, woher die inneren Spannungen kommen, die unkontrolliertes Eßverhalten auslösen, bis hin zu Lösungsstrategien können in der Fastenzeit wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. Besonders wirksam ist dabei ein ganzheitlicher Ansatz aus Ernährungs-, Bewegungs-, Physio- und Psychotherapie. Auch wenn die zugrundeliegenden Probleme während des Fastens nicht unbedingt gelöst werden, so können dennoch Weichen für eine gesündere Lebensweise gestellt werden.

Essen nach dem Fasten: Alternativen zu Eßgelüsten entdecken

Für viele streßgeplagte Menschen gehört essen zu den wenigen "Streicheleinheiten", die sie sich gönnen. Oft wird Nahrung als Ersatz für andere Grundbedürfnisse wie Zuwendung, Entspannung oder Bewegung benutzt. Da es beim Fasten keinerlei Eßgenüsse gibt, erleben die Fastenden vielfach eine Befreiung von einem zuweilen zwanghaften Eßverhalten, bei dem sich die Gedanken nur um die nächste Mahlzeit drehen. Sie entdecken stattdessen gesunde Alternativen, die Freude und Genuß bereiten, wie ein erfrischender Spaziergang in der Natur, schöne Musik, kreative Tätigkeiten wie Malen und Tanzen oder Entspannung mit Autogenem Training, Yoga oder einem interessanten Buch.

Die Reizüberflutung in unserer schnellebigen Zeit kann uns stumpf und unsensibel machen. Essen bedeutet für viele Menschen lediglich Ablenkung, Kompensation oder achtloses Verschlingen von Nahrung. Viele futtern sich auch mit dem Übergewicht einen emotionalen Schutzpanzer an. Im Fasten beschränkt sich der Mensch wieder auf das Wesentliche und gewinnt dadurch geistige Klarheit. Die intensive "Schau nach innen" macht den Fastenden empfindsamer für seine eigentlichen Bedürfnisse und öffnet ihn für Veränderungen. Nahrung bekommt beim Beenden des Fastens einen neuen Stellenwert als wertvoller, gesunderhaltender Aufbaustoff für den Körper. Eine gut geleitete Fastenkur ist daher ein vielversprechender Beginn für eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten.

Quelle: Huber, A.: UGB-Forum 2/96, S. 81-84

Der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung bildet kompetente FastenleiterInnen aus und hat ein spezielles Konzept für Fastenkurse entwickelt.
Aus- und Fortbildungen für FastenleiterInnen finden Sie hier

Wollen Sie selbst einmal Fasten? Qualifizierte Fastenleiter finden Sie im Netzwerk Gesunde Ernährung.

Kliniken, die Heilfasten anbieten:

Klinik Dr. Otto Buchinger,
Klinik für Naturheilverfahren und Ganzheitsmedizin
Forstweg 39,
D-31812 Bad Pyrmont,
Tel.: 05281/1660

Klinik am Warteberg
D-37217 Witzenhausen
Tel.: 05542/5060

Felke-Kurhaus Menschel
Naheweinstr. 65
D-55566 Sobernheim
Tel.: 06751/850

Kurhaus Dhonau
Privatklinik für Naturheilverfahren
D-55566 Sobernheim
Tel.: 06751/93390

Tannerhof Klinik für Naturheilverfahrenv D-83735 Bayrischzell
Tel.: 08023/98020

Klinik Buchinger am Bodensee
Wilhelm-Beck-Str. 27
D-88662 Überlingen
Tel.: 07551/8070

Kurpark Klinik
Gällerstr. 10
D-88662 Überlingenv Tel.: 07551/8060

Klinik Dr. von Weckbecker
Naturheilverfahren und Heilfasten
Rupprechtstr. 20
D-97765 Bad Brückenau
Tel.: 09741/830


Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

Wir weisen darauf hin, dass die Inhalte durch neue wissen­schaft­liche Erkennt­nisse möglicher­weise neu bewertet werden müssen.

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