Stromwechsel: Grün statt yellow

Seit Öffnung des Strommarktes vor gut zwei Jahren können umweltbewusste Verbraucher so genannten Ökostrom beziehen. Wir sagen Ihnen, wie Sie Anbieter finden, die wirklich etwas für die Umwelt tun, und worauf Sie beim Wechsel achten sollten.

Um es gleich zu sagen: Eine Farbe hat Strom nicht. Für die Umweltverträglichkeit ist seine Herkunft entscheidend. Elektrische Energie wird heute in Atom-, Kohle-, Wasser- oder Windkraftanlagen erzeugt. Aus der Steckdose kommt aber immer ein Mix aus regenerativem und konventionell erzeugtem Strom - auch bei Kunden, die Ökostrom beziehen. Denn jeder erzeugte Strom wird in das gemeinsame Stromnetz der Energieversorger eingespeist. Ökostrom-Unternehmen garantieren aber, dass sie eine dem Verbrauch des Kunden entsprechende Strommenge aus erneuerbaren Quellen ins Netz liefern.


Angebot größer als Nachfrage

Derzeit werden rund sieben Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt. Davon stammen rund zwei Drittel aus Wasserkraft. Der Ausbau traditioneller Wasserkraftwerke, mit Staudämmen und großflächigen Staubecken ist jedoch an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Umweltschützer warnen vor dem Bau neuer Anlagen, da sie fast immer eine große Belastung für die Natur bedeuten. Sie plädieren dafür, mehr Strom aus regenerativen Energiequellen wie Wind, Sonne, Biomasse und Erdwärme zu gewinnen.

Um alternative Energiequellen stärker zu fördern, hat die Bundesregierung im Frühjahr 2000 das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verabschiedet. Es gestattet den Stromanbietern, Ökostrom separat zu verkaufen. Doch nicht jedes Ökostromunternehmen unterstützt regenerative Energiequellen. Findige Energieunternehmen wie das Bayernwerk (E.ON) bieten ihren Mixstrom einfach getrennt an: Im grünen "Aquatarif" verspricht das Bayernwerk seinen Kunden 100 Prozent Strom aus Wasserkraft und verlangt dafür pro Kilowattstunde einige Pfennige mehr. Den normalen Abnehmern kann das Unternehmen dadurch einige Zehntelpfennige nachlassen und so neue Kunden ködern. Tatsächlich investiert E.ON aber keine müde Mark in neue Anlagen, denn der Ökostrom stammt vollständig aus alten Wasserkraftwerken.

Wie grün ist Grüner Strom wirklich?

Um mehr Klarheit in den Strommarkt zu bringen, haben einige Umweltverbände spezielle Öko-Labels geschaffen. Auch von den Technischen Überwachungsvereinen (TÜV) gibt es ein Siegel. Es stellt jedoch lediglich sicher, dass der Ökostrom, den der Kunde ordert, auch ins Netz eingespeist wird. Sowohl das "Ok Power"-Zertifikat als auch das "Grüner Strom Label" garantieren dagegen, dass der Anbieter auch wirklich in regenerative Anlagen investiert. Die höchsten Anforderungen erfüllen "Ok power 100" bzw. das "Goldene Label". Dabei müssen 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. In der zweiten Kategorie, "Ok power 50" bzw. "Silbernes Label" darf der Anbieter zur Hälfte Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung mitliefern. Dem reinen Ökostrom wird dabei bis zu 50 Prozent Strom zugemixt, der zwar aus fossilen Brennstoffen, aber energiesparend in Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen wird. Das sind kleine Heizkraftwerke, die die bei der Erzeugung von Elektroenergie anfallende Abwärme nutzen, um Wasser aufzuheizen. In Kombination mit Strom aus erneuerbaren Quellen sind diese Angebote aus Umweltsicht durchaus zu empfehlen. Die Auszeichnung mit dem "Grünen Strom Label" geht noch einen Schritt weiter. Die dafür verantwortlichen Umweltverbände überprüfen die Verbindung des Anbieters zur Atomindustrie und ob seine Bemühungen hinsichtlich der Förderung von Neuanlagen ernst gemeint sind.

Ökostrom muss nicht teurer sein

Trotz Öko-Label ist es gar nicht so einfach, unter den rund 170 regionalen und überregionalen Energieunternehmen einen umweltgerechten und gleichzeitig preiswerten Anbieter zu finden. Brauchbare Hilfen bieten z. B. die Verbraucher-Zentralen oder Internetseiten wie stromtarife.de bzw. greenprices.de
Über eine einfach zu bedienende Suchfunktion können Sie sich Angebote mit den von Ihnen gewünschten Umweltkriterien anzeigen lassen. Sie erhalten dann eine Anbieterliste, mit den günstigsten Offerten. Meist liegen die grünen Strompreise etwas über dem Niveau für Normalstrom. Das ist aber auch notwendig, wenn das Unternehmen in neue umweltfreundliche Anlagen investieren soll. Zudem gibt es auch Kompromissangebote, die zwar nicht zu 100 Prozent grünen Strom liefern, dafür aber annähernd - manchmal sogar noch günstiger sind als der alte Normaltarif.

Ein Wechsel lohnt sich

Das Unternehmen, zu dem Sie wechseln wollen, übernimmt für Sie die Abmeldung bei Ihrem bisherigen Energieversorger. Die Ummeldung dauert oft zwei bis drei Monate. Am besten lassen Sie sich deshalb einen Liefertermin schriftlich zusagen. Meistens sind die Kosten für Anschluss und Wechselgebühren im Gesamtpreis enthalten. Manche Unternehmen berechnen diese Leistung allerdings gesondert. Achten Sie auch auf die Vertragsbindung. Verträge mit einer kurzen Laufzeit (maximal ein Jahr) und einer Kündigungsfrist von 1-3 Monaten ermöglichen es Ihnen, auf den noch in Bewegung befindlichen Strommarkt zu reagieren. Sollte z. B. Ihr Anbieter die Preise erhöhen oder ein anderer Konkurrent die Preise senken, können Sie schnell wechseln. Um wirklich etwas für eine umweltschonende Energiegewinnung zu tun, lohnt sich der Wechsel zu einem Ökostromanbieter in jedem Fall.

Grüner Strom Label e. V.
Die Kriterien zur Vergabe des "Grünen Strom Labels" haben verschiedene Umwelt- und Verbraucherverbände- u. a. BUND, Verbraucher-Initiative und Eurosolar -erstellt. Strom mit diesem Label muss zu mindestens einem Prozent solar erzeugt werden. Zusätzlich müssen mindestens zehn Prozent der im Vorjahr verkauften Strommenge aus neuen Anlagen stammen. Es gibt zwei Kategorien: Um das "Goldene Label" zu erhalten, muss der gesamte Strom aus regenerativen Energien erzeugt werden. Das Silberne Label garantiert als "Light-Version" nur 50 Prozent Öko-Strom, der Rest wird in Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen. Anbieter, die Betreibern von Atomkraftwerken z. B. als Tochtergesellschaft angehören, können die Zertifikate nur nach einem Ausstiegsbeschluss erhalten. Weitere Informationen unter gruenerstromlabel.de


Ok Power
Das Gütesiegel "Ok power" wird vom Verein EnergieVision e. V. vergeben, einem Zusammenschluss vom Öko-InstitutFreiburg, der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalenund dem World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland. Das Gütesiegel wird an zwei Gruppen von Ökostromangeboten vergeben. Im so genannten "Händlermodell" gibt es mindestens 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien, den Rest aus umwelteffizienter Kraft-Wärme-Kopplung. Zwei Drittel des Stroms muss in Anlagen erzeugt werden, die nicht älter als drei Jahre sind. Nach dem "Fonds- oder Zuschussmodell" erhält der Kunde in der Regel denselben Strom wie bisher. Ein Aufpreis auf den üblichen Tarif wird für die Unterstützung neuer regenerativer Kraftwerke verwendet. Zudem wird der Anbieter verpflichtet, seine Kunden über die Art des gelieferten Stroms zu informieren und den Ausbau regenerativer Anlagen zu fördern. Weitere Infos unter energie-vision.de


Quelle: Weigt, S.: UGB-Forum 5/01, S. 253-254
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Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

Wir weisen darauf hin, dass die Inhalte durch neue wissen­schaft­liche Erkennt­nisse möglicher­weise neu bewertet werden müssen.

Außer unter Ökostrom / Energie finden Sie diesen Artikel auch unter den Stichworten

Energieversorgung Strommarkt Gütesiegel



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