Homöopathie:
Tausendmal verdünnt und trotzdem wirksam

Trotz vieler Erfolge hat es die Homöopathie schwer, sich neben der Schulmedizin zu behaupten. Ist alles nur Einbildung oder ist an den Kügelchen und Tropfen wirklich etwas dran?

"Da helfen nur noch Antibiotika", meinte die Ärztin, "so stark vereiterte Mandeln müssen sofort behandelt werden". Carola Henning hatte sich eine schwere Angina zugezogen. Obwohl die Schmerzen unerträglich waren, wollte sie Antibiotika möglichst vermeiden und suchte eine Heilpraktikerin auf. Nach ausführlicher Befragung gab ihr diese einige Kügelchen mit Schlangengift, 20-mal 1 zu 100 verdünnt. Das Mittel schlug gleich an. Bereits am nächsten Tag waren die dicken Eiterpusteln verschwunden und die Schmerzen wie weggeblasen. Hatte sich Carola Henning alles nur eingebildet oder hat das Mittel tatsächlich so schnell gewirkt?

Homöopathie: Alles nur Placeboeffekt?

Dass homöopathische Arzneimittel bei zahlreichen Gesundheitsstörungen effektiv helfen, haben mittlerweile etliche wissenschaftliche Studien bestätigt. Die meisten Schulmediziner führen die Wirkung aber auf einen Placeboeffekt zurück, gemäß dem Motto: "Wer daran glaubt, dem hilft es auch." Doch eine Analyse von über 100 internationalen Studien kommt zu dem Ergebnis, dass an den Kügelchen und Tropfen mehr dran sein muss als nur der Glaube. Auch der Erfolg bei Kleinkindern und Tieren spricht gegen einen reinen Placeboeffekt.

Homöopathie

Zugegeben, es ist schwer vorstellbar, wie eine Substanz wirken soll, die tausendfach und mehr verdünnt ist. In den meisten homöopathischen Mitteln findet sich nicht einmal ein einziges Molekül der Ausgangssubstanz wieder. Je höher die Verdünnung (Potenz), desto stärker ist die Wirkung. Mit den gängigen biochemischen Modellen lässt sich das nicht erklären. Homöopathen ziehen daher gerne die Physik zu Rate: Möglicherweise wird auf das Lösungsmittel eine "Energie" übertragen, eine Art Information oder Schwingung, die selbst dann noch wirkt, wenn kein Molekül der Wirksubstanz mehr vorhanden ist. Derzeit ist allerdings weder bekannt, wie eine solche Information beschaffen ist, noch, wie sie zu messen ist. Doch Physiker wissen aus Erfahrung, dass es noch viele Phänomene gibt, die sich außerhalb des Messbaren befinden.

Homöopathie: Ähnliches mit Ähnlichem heilen

Nach Ansicht von Homöopathen gibt die wie auch immer geartete Information in einem homöopathischen Mittel dem Körper einen Reiz. Dadurch werden die Regulationsmechanismen angeregt, die durch die Krankheit beeinträchtigt sind. Auf diese Weise heilt sich der Organismus selbst. Nur so ist auch der zentrale Ansatz der Homöopathie zur erklären: Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Hat der Patient beispielsweise eine Mandelentzündung mit Schmerzen auf der linken Seite, erhält er das Mittel, das genau diese Symptome bei einem Gesunden auslöst. Auf das Ähnlichkeitsprinzip kam der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann 1790. In einem Selbstversuch entdeckte der Arzt, dass er Symptome einer Malaria entwickelte, als er regelmäßig eine Abkochung von Chinarinde trank. In unzähligen Versuchen stellte Hahnemann zahlreiche Substanzen zusammen, die bei Kranken in verdünnter Form genau die Symptome beseitigen, die sie beim Gesunden auslösen. Noch heute werden solche Arzneimitelprüfungen an Gesunden durchgeführt.

Als Ausgangssubstanz für homöopathische Arzneimittel dienen heute Hunderte von Wirkstoffen aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie Mineralien, Metalle und Salze. Selbst Viren und Gifte wie Arsen und Bienengift kommen zum Einsatz. In starker Verdünnung als Hochpotenz haben sie sich als ungiftig erwiesen. Die Ursubstanzen werden mit einem Lösungsmittel, meist Alkohol, verdünnt. Es gibt drei verschiedene Verdünnungsstufen: D-Potenzen sind 1:10, C-Potenzen 1:100 und Q-Potenzen 1:50.000 gemischt. Ein Medikament mit der Bezeichnung D6 wurde also sechsmal 1:10 verdünnt. Anschließend wird die potenzierte Lösung auf ein Milchzuckerkügelchen (Globuli) geträufelt, zu Tabletten gepresst oder als Tropfen angeboten.

Klassisch oder komplex?

Für seine Diagnose erfasst der Therapeut z. B. den genauen Ort der Beschwerden (oben, unten, rechts, links), die Art der Schmerzen (stechend, spitz, stumpf, hämmernd) oder den Verlauf der Erkrankung (morgens, mittags oder nachts schlimmer). Auch die seelische Verfassung, Begleitsymptome und die Verhaltensweise des Patienten gehen in die Bewertung ein. Dadurch erhalten zwei Patienten mit der gleichen schulmedizinischen Diagnose oft unterschiedliche Mittel. Andererseits können aber zwei Personen mit der gleichen Grundkonstitution dasselbe Mittel verordnet bekommen, obwohl sie an ganz verschiedenen Erkrankungen leiden.

Mittlerweile gibt es auch etliche Komplexmittel gegen bestimmte Beschwerden. In ihnen werden mehrere Substanzen zusammen gemischt, die einzeln beispielsweise gegen Kopfschmerzen bei vielen Menschen wirksam sind. Meist arbeiten die Hersteller dabei mit geringen Potenzen, die eine breite Wirkung haben. Klassische Homöopathen halten von solchen Mischpräparaten wenig. Ihrer Erfahrung nach heilen Komplexmittel nur selten, da sie nicht gezielt auf die individuellen Symptome und die Konstitution des Patienten abgestimmt sind. Anhänger der klassischen Therapie behandeln überwiegend mit Einzelmitteln in hohen Potenzen, die tiefgreifend und dauerhaft wirken.

Homöopathie: Von Allergie bis Zahnweh

Da die Homöopathie nicht Symptome bekämpft, sondern grundlegend in den Organismus eingreift, hat sie sich bei vielen chronischen Störungen wie Allergien, Migräne oder Hautproblemen bewährt. Sie wirkt selbst gegen Beschwerden, deren Ursache noch nicht genau diagnostiziert ist. Denn die Wahl des Mittels richtet sich ausschließlich nach den Krankheitszeichen und dem Befinden des Patienten. Auch bei allen viralen und bakteriellen Erkrankungen wie Erkältung, Blasenentzündung oder Magen-Darminfekten wird die Homöopathie erfolgreich eingesetzt. Doch ebenso wie die Schulmedizin führt eine homöopathische Behandlung nicht immer zum Erfolg. Homöopathen begründen dies damit, dass entweder das Mittel falsch gewählt war oder der Patient nicht auf die gegebenen Reize reagiert. So gelten Patienten, die mit Chemotherapeutika oder langjährig mit Cortison behandelt wurden, als schwer therapierbar, weil es lange dauert, die Substanzen aus dem Körper auszuleiten.

Durch die Einnahme homöopathischer Arzneien kann eine "Erstverschlimmerung" der Symptome eintreten. Diese verschwinden aber meist schon nach einem Tag und zeigen dem Therapeuten an, dass er das richtige Mittel gefunden hat. Wer ein homöopathisches Mittel nicht sachgerecht oder in falscher Dosierung einnimmt, kann allerdings unangenehme Beschwerden entwickeln. In akuten Fällen oder bei chronischen Erkankungen empfiehlt es sich daher, einen erfahrenen Therapeuten aufzusuchen.

So finden Sie einen guten Homöopathen Homöopathie wird sowohl von Ärzten als auch von Heilpraktikern angeboten. In der Regel muss eine homöopathische Behandlung privat gezahlt oder von einer Zusatzversicherung abgedeckt werden. Wie gut ein Therapeut ist, hängt nicht nur von seiner Ausbildung, sondern auch von seiner Erfahrung, Menschenkenntnis und Gründlichkeit ab. Die beste Gewähr bieten daher Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Adressen in Ihrer Nähe finden Sie ansonsten im Branchenbuch oder unter
www.mickler.de
www.homoeopathie-forum.de oder
www.bph-online.de

Quelle: Dittrich-Brack, U.: UGB-Forum 6/01, S. 332-333

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Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

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Außer unter Homöopathie / Arzneimittel finden Sie diesen Artikel auch unter den Stichworten homöopathische, Verdünnungen, Hahnemann, Heilpraktiker, Globuli, Naturheilkunde, Potenzen, Ähnlichkeitsprinzip, Komplexmittel, Hochpotenzen, .



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