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Wechseljahre - Hormontherapie Pro & Contra

Hitzewallungen, Schlafstörungen und Knochenabbau sind typische Symptome der Wechseljahre. Ärzte verordnen gegen die Beschwerden in der Regel Östrogenpräparate. Immer mehr Betroffene sind unsicher, wie sich die künstlichen Hormone langfristig auf ihre Gesundheit auswirken. Die Expertin für Frauen- und Naturheilkunde Prof. Ingrid Gerhard von der Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg hält die pauschale Einnahme von Hormonen für unnötig.

Warum kommt es zu Wechseljahrsbeschwerden und
wann müssen sie behandelt werden?

Prof. Gerhard: Frauen kommen nur mit einer bestimmten Anzahl von Eizellen auf die Welt, die sich im Laufe des Lebens verbrauchen. Wenn keine Eizellen mehr vorhanden sind, werden auch weniger Hormone im Eierstock produziert. Die nachlassende Hormonaktivität der Eierstöcke führt dazu, dass die Hirnanhangdrüse versucht, die Eierstöcke zu erhöhter Arbeit anzuregen. Dadurch kommt das empfindliche Gleichgewicht zwischen Eierstöcken und Hirnanhangdrüse durcheinander. Überträgerstoffe im Gehirn, die die Psyche und alle unbewussten Körpervorgänge beeinflussen, werden in zu hoher oder zu niedriger Konzentration produziert, so dass die Frauen Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Depressionen bekommen. Aufgrund verschiedener Untersuchungen gehen wir aber davon aus, dass in Deutschland etwa ein Drittel aller Frauen überhaupt keine Wechseljahrsbeschwerden verspürt. Bei 30 Prozent treten leichte Missempfindungen auf, und nur 30 bis maximal 40 Prozent haben so starke Beschwerden, dass sie medikamentös behandelt werden müssen. Nur für diese letzte Gruppe von Frauen ist also eigentlich eine Therapie erforderlich.

In der Regel verordnen Mediziner gegen die Beschwerden
Hormonpräparate. Was sind das für Hormone?

Mit Hormonpräparaten gibt man dem Körper praktisch das, was die Eierstöcke nicht mehr produzieren können. Vergleichbar ist die Praxis mit der bekannten Gabe von Schilddrüsenhormonen, wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet. Es werden Östrogene verabreicht, die durch Gelbkörperhormone (Gestagene) ergänzt werden; es sei denn die Gebärmutter wurde entfernt.

Bekommt jede Frau dieselben Präparate
oder werden diese individuell zusammengestellt?
Wie lange dauert eine Therapie?

Prinzipiell sollte selbstverständlich jede Frau eine ihr angepasste Therapie bekommen. Das beginnt mit der Auswahl des Östrogens und des Gelbkörperhormons, der Abfolge der Hormongabe und der Dosierung der Hormone. Vorab sollte dazu eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, um den Hormonspiegel zu bestimmen. In der Regel wird empfohlen, etwa fünf Jahre lang Hormone einzunehmen. Anschließend sollte entschieden werden, ob es gesundheitliche Gründe für eine längere Hormontherapie gibt.

Ist die Einnahme von Hormonen auch ratsam,
wenn keine Beschwerden vorliegen?

Leichte Wechseljahrsbeschwerden sprechen gut auf eine Veränderung des Lebensstils an: Wir empfehlen den Frauen eine gesunde Ernährung mit fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, wenig tierischen Fetten, dafür mehr Pflanzenölen, regelmäßig Fisch, kein Kaffee, kein Alkohol und viel Bewegung an der frischen Luft. Günstig ist es, dreimal in der Woche eine Stunde Ausdauertraining oder Muskelaufbautraining zu betreiben, um einer Osteoporose vorzubeugen. Zur Verbesserung des Lebensstils gehört auch, ausreichend Nachtschlaf und Ruheperioden am Tag einzuplanen und sich selbst regelmäßig etwas Gutes zu gönnen. Wenn Frauen diese Empfehlungen beherzigen, können sie Herz-Kreislauferkrankungen, Knochenabbau, aber auch Schlafstörungen und Stress vorbeugen. Doch auch wenn keine Beschwerden vorliegen, sollte eine ausführliche Familien- und Eigenanamnese klären, ob Risikofaktoren bezüglich Osteoporose oder Herz-Kreislauferkrankungen vorliegen. In diesen Fällen wird vermutet, dass durch eine Hormontherapie das Risiko für die genannten Krankheiten reduziert werden kann.

Können Östrogenpräparate tatsächlich einer
Osteoporose vorbeugen?

Durch Östrogene kann der rasche Knochenabbau, der in den Wechseljahren stattfindet, gestoppt werden. Die Osteoporose lässt sich damit einige Jahre hinauszögern, was bei der zunehmenden Lebenserwartung bedeutsam sein könnte. Auch bei bereits bestehender Osteoporose kann eine Hormontherapie die Knochenstruktur offenbar verbessern.

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Stimmt es, dass eine Hormonbehandlung auch
vor der Alzheimer-Krankheit und vor Eierstock-
und Gebärmutterkrebs schützt?

Es gibt Hinweise dafür, dass Hormone den Gehirnstoffwechsel beeinflussen. Allerdings gibt es noch keine eindeutigen Untersuchungen, ob damit tatsächlich die Alzheimer-Krankheit, bei der massive Störungen im Stoffwechsel des Gehirns vorliegen, verhindert bzw. gebessert werden kann. Auch bezüglich des Schutzes vor Eierstock- und Gebärmutterkrebs ist die Datenlage noch nicht einheitlich, so dass es heute sicher verfrüht wäre, Frauen eine langjährige Hormontherapie nur aus diesen Gründen zu verschreiben.

Wo sehen Sie Gefahren einer Hormontherapie?

Eine Therapie mit Hormonpräparaten ist dann ungeeignet, wenn Frauen eine angeborene Blutgerinnungsstörung und deshalb ein erhöhtes Risiko für Thrombosen haben. Das heißt, bei ihnen erhöht sich die Gefahr, dass ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß verstopft. Bei Frauen mit bestimmten Lebererkrankungen können Hormontabletten zu einer zu starken Belastung der Leber führen. Hier helfen dann aber Hormonpflaster. Bei langjähriger Östrogengabe erhöht sich offenbar geringfügig das Risiko für Brustkrebs. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Vorteile für das Herz-Kreislaufsystem das Risiko für Brustkrebs überwiegen.

Gibt es naturheilkundliche Alternativen zur Hormontherapie?

Bei leichten Wechseljahrsbeschwerden lohnt es sich, eine Behandlung mit so genannten Phytoöstrogenen zu versuchen. Das sind Pflanzen, die hormonähnliche Stoffe enthalten und im Körper ähnlich wie Östrogene wirken. Am besten erforscht sind für diese Zwecke die Traubensilberkerze und der Türkische Rhabarber, die reich an Phytoöstrogenen sind. Man muss aber berücksichtigen, dass Herstellung und Dosierung der Präparate sehr unterschiedlich sind. In den frühen Phasen der Wechseljahre ist auch Kälbermilzextrakt wirksam, weil damit die körpereigene Hormonproduktion angeregt wird. Grundlage für jegliche naturheilkundliche Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden ist jedoch, den oben angesprochenen Lebensstil anzustreben, den jede Frau selbst gestalten kann.

Gibt es auch bei den alternativen Therapien
Risiken bei der Behandlung?

Risiken sind nicht bekannt, außer dass sie unwirksam sein könnten. Durch unsachgemäße Einnahme von Pflanzentees und Pflanzenhormonen kann es allerdings besonders in der Frühphase der Wechseljahre zu unregelmäßigen und zu starken Menstruationsblutungen kommen.

Prof. Gerhard, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Quelle: UGB-Forum 6/00

Nähere Informationen zur Ambulanz für Naturheilkunde finden sich unter www.animed-heidelberg.de. Schwerpunkte sind Prüfung und Anwendung von komplementären Heilmethoden wie allgemeine Naturheilverfahren, Akupunktur oder Homöopathie bei Frauen mit gynäkologischen Erkrankungen und Hormonstörungen.

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Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

Wir weisen darauf hin, dass die Inhalte durch neue wissen­schaft­liche Erkennt­nisse möglicher­weise neu bewertet werden müssen.

Außer unter Wechseljahre / Hormontherapie finden Sie diesen Artikel auch unter den Stichworten Hormone, , Östrogene, Osteoporose, Traubensilberkerze, Medikamente, Gelbkörperhormone, Gestagene, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Knochen, Schlafstörungen, Kälbermilzextrakt, Phytoöstrogene, .



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