Am 1. August 2000 erklärte die Europäische Kommission Deutschland zum BSE-Risikogebiet. Auch wenn der Infektionsweg noch nicht eindeutig geklärt ist, halten inzwischen fast alle Experten eine Übertragung auf den Menschen für möglich.
Colin Walker, ein britischer Tierarzt, beschrieb 1985 den ersten Fall von sonderbaren neurologischen Störungen bei einem Rind. Er beobachtete, dass die Tiere zunächst Bewegungsstörungen entwickeln und innerhalb von sechs Monaten sterben. Ein Jahr später identifizierten Wissenschaftler die Rinderkrankheit als Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE). Bei Schafen war eine ganz ähnliche Erkrankung, die so genannte Traberkrankheit Scrapie, schon seit längerem bekannt. Die Experten vermuten, dass Tiermehl, das aus infizierten Schafen hergestellt wurde, die Erkrankung auf Rinder übertragen hat. Möglich wurde dies erst, als die britische Futtermittelindustrie Anfang der 80er Jahre aus Kostengründen das Verfahren zur Herstellung und Sterilisation von Tiermehl vereinfachte. Mitte der achtziger Jahre begann sich der Erreger über die britische Insel auszubreiten. In Großbritannien erkrankten bislang über 175.000 Rinder. Auch auf dem Kontinent meldeten einige Länder mehrere BSE-Fälle, vor allem die Schweiz, Portugal und Frankreich.

Unterdessen fordern Verbraucherschützer und die Grünen im Europaparlament umgehend die Einführung von Routinetests, um die Rinderseuche feststellen zu können. Den von der EU vorgesehenen Starttermin eines Überwachungsprogramms zum 1. Januar 2001 halten sie für zu spät. Sie kritisieren zudem, dass lediglich gefallene, notgeschlachtete und verhaltensauffällige Tiere getestet werden sollen - und auch davon nur ein geringer Anteil. Erfahrungen aus der Schweiz zeigen aber, dass BSE auch bei scheinbar völlig gesunden Tieren auftreten kann. Das Schweizer Bundesamt meldete von Januar bis Ende August 2000 insgesamt 25 BSE-Fälle; zehn davon wurden nur auf Grund eines neuen Untersuchungsprogramms entdeckt.
Trotz intensiver Forschung ist es bis heute nicht gelungen, den eigentlichen Erreger der Rinderseuche sicher zu bestimmen. Ähnliche Erkrankungen wie Scrapie bei Schafen und Ziegen oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) beim Menschen sind schon seit langem bekannt. Neurologen zählen diese Gruppe von Erkrankungen zusammen mit BSE zu den spongiformen Enzephalopathien. Krankhafte Veränderungen des Nervengewebes führen bei allen Formen zu Verhaltensauffälligkeiten,Bewegungsstörungen und schließlich zum Tod.
Am wahrscheinlichsten halten die meisten Experten inzwischen die von dem amerikanischen Mediziner Stanley B. Prusiner aufgestellte Prionentheorie. Er geht davon aus, dass der BSE-Erreger lediglich aus Proteinen besteht. Erstaunlich daran ist, dass sich die Erreger trotzdem vermehren und Krankheiten auslösen können. Dazu sind sonst eigentlich nur Viren und Mikroorganismen in der Lage. Im Gehirn, aber auch in anderen Geweben verändern diese Proteine die Struktur von Prionproteinen (PrPc), die natürlicherweise an der Oberfläche von Nervenzellen sitzen. Diese veränderten Prionproteine werden PrPsc (Scrapie-Prione) genannt und sind wiederum in der Lage, gesunde PrPc-Prione zu infizieren. Dadurch verklumpen die Proteine in der Membran und die Nervenzellen sterben ab. Für seine Hypothese erhielt Prusiner 1997 den Nobelpreis für Medizin.
Den Nachweis, dass die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wirklich durch BSE-Erreger ausgelöst wird, konnten Wissenschaftler formal noch nicht erbringen. Experten sehen in den vorliegenden Studien aber genügend Anhaltspunkte. Der BSE-Experte Prof. Schulz-Schaeffer vom Institut für Neuropathologie in Göttingen ist überzeugt, dass es "wissenschaftlich keinen Grund gibt, an dem Zusammenhang zwischen BSE und der neuartigen Variante der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit zu zweifeln". Nicht nur die Tatsache, dass die ersten Fälle der neuen Form bald nach der Verbreitung von BSE auftraten, lassen einen ursächlichen Zusammenhang mehr als wahrscheinlich erscheinen. Auch dass sich die Fälle genau wie die Rinderseuche fast ausschließlich auf Großbritannien beschränken, unterstützt die These.
In Tierexperimenten konnten Forscher BSE auf Menschenaffen übertragen, indem sie das Gehirn der Versuchstiere direkt mit dem Erreger infizierten. Die Symptome glichen dabei auffallend dem Krankheitsbild, das Patienten zeigen, die an der neuen Variante von CJD erkranken. Auch die in ihrer Struktur veränderten Prione der Affen ähnelten unter dem Mikroskop denen der nvCJD-Patienten. In einer Kolonie von Weißbüschelaffen, die über Jahre wahrscheinlich BSE-kontaminiertes Futter erhielten, erkrankte allerdings keines der Tiere. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Erreger über Nervengewebe eher übertragen werden können als über das Futter.
Vermutlich ist auch eine Übereinstimmung des infektiösen Erreger-Prions mit dem normalen Prion des Empfängers ausschlaggebend für die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Tiere, die Erregermaterial einer anderen Spezies erhielten, erkrankten seltener und erst nach längerer Inkubationszeit, als wenn Spender und Empfänger der selben Spezies angehörten.
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