Hilft Joghurt gegen Scheideninfektionen?

Viele Frauen leiden wiederholt an einer Infektion der Scheide. Sie wird überwiegend von anaeroben Bakterien, vor allem von Gardnerella vaginalis ausgelöst. Bei 10-30 Prozent der gynäkologischen Untersuchungen werden die unerwünschten Keime gefunden, die zu Juckreiz und Ausfluss führen.

Normalerweise bietet die physiologische Mikroflora der Scheide aus Laktobazillen (Milchsäurebakterien) und anderen Mikroorganismen wie Staphylokokken und Hefen Schutz vor Infektionen. Insbesondere Laktobazillen haben einen günstigen Einfluss auf die Scheidenflora. Sie produzieren Milchsäure und sorgen so für einen niedrigen pH-Wert von 3,5-4,5. Das saure Milieu fördert die Ansiedelung erwünschter Bakterien. Zusätzlich bilden die Laktobazillen Wasserstoffperoxid und vermutlich weitere, noch unbekannte Substanzen, die das Wachstum von schädlichen Bakterien wie Gardnerella oder Bacteroides-Arten hemmen. In der Therapie von Scheideninfektionen werden daher auch Laktobazillen-Kulturen oder Laktobazillen haltige Milchprodukte wie Joghurt eingesetzt. Diese werden entweder direkt in die Scheide eingebracht, z. B. durch Spülungen, oder als fermentierte Milchprodukte verzehrt. Dabei hat sich insbesondere Lactobacillus acidophilus bewährt, da er ein gutes Haftvermögen aufweist.

Um herauszufinden, ob die Therapie mit Laktobazillen erfolgreich ist, haben die Autoren fünf Studien zu dieser Behandlungsform ausgewertet. Die direkte Anwendung von Lactobacillus-Kulturen in der Scheide führte bei der Mehrzahl der Frauen zur Besserung oder zum Verschwinden der Beschwerden. Für fermentierte Milchprodukte waren die Ergebnisse unterschiedlich: Die direkte Anwendung zeigte häufig, aber nicht immer Erfolg. Verzehrten die Patientinnen regelmäßig Lactobacillus acidophilus haltigen Joghurt, verbesserten sich die Symptome statistisch signifikant. Bei Frauen, die immer wieder an einer Candida(Hefe)-Infektion der Scheide leiden, senkte der Verzehr von Joghurt ebenfalls die Häufigkeit an Infektionen.

Obwohl die Therapie mit Milchsäurebakterien nicht immer zum Erfolg führte, halten die Autoren sowohl die direkte Anwendung in der Scheide als auch den Verzehr fermentierter Milchprodukte bei bakteriellen Scheideninfektionen für sinnvoll. Diese Form der Behandlung weist keine Risiken oder Nebenwirkungen auf.

LITERATUR:
Sieber, R.; Dietz, U.-T.: Mit L. acidophilus und Joghurt gegen die bakterielle Vaginose. In: Ernährung/Nutrition (10) 23, S. 401-407, 1999

Quelle: Franz, W.: UGB-Forum 2/00, S. 104-105


Dieser Beitrag ist dem UGB-Archiv entnommen.

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Außer unter Scheideninfektion / Milchsäurebakterien finden Sie diesen Artikel auch unter den Stichworten

Scheidenpilz Bakterien Milchprodukte Probiotika Laktobazillen



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