Auf fast 500 Seiten durchleuchtet der Ernährungsbericht 2004 die Essgewohnheiten der Bundesbürger. Danach lassen sich die Deutschen Gemüse- und Obstprodukte immer häufiger schmecken. Gleichzeitig ernähren sie sich aber weiterhin zu fett und naschen zu viel Süßes.

Mit einem Anteil von zwei Dritteln der Nahrungsenergie aus pflanzlicher Herkunft geht die Lebensmittelauswahl in die richtige Richtung. Zugleich ist ein Trend zu mehr Joghurt und Frischmilcherzeugnissen zu beobachten, und beim Fleisch greifen die Deutschen häufiger zu Geflügel und Fisch. Die Fettaufnahme ist allerdings insgesamt zu hoch, auch wenn zunehmend günstige pflanzliche Fette auf den Tisch kommen.
Leider essen auch immer mehr Kinder und Jugendliche zu fett. Dem Zuviel an Fett steht ein Minus bei komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen gegenüber. Die empfohlene tägliche Ration von 30 Gramm Ballaststoffen am Tag erreichen am ehesten noch die über 65-Jährigen. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei nur 23 Gramm. Dagegen werden Einfachzucker zu viel gegessen. Sie machen über zwölf Prozent der Energieaufnahme aus.
Alle vier Jahre erarbeitet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Auftrag des Verbraucherministeriums einen Ernährungsbericht. Neben der allgemeinen Versorgungslage und Gesundheitsrisiken versucht der Report Trends in den Ernährungsgewohnheiten der Bürger aufzuspüren. Die Ergebnisse beruhen hauptsächlich auf den Daten der Agrarstatistik und der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS). Zwar liefert dieses Zahlenmaterial repräsentative Daten, allerdings liegen die Untersuchungen zum Teil mehrere Jahre zurück. So beziehen sich die Angaben zum Lebensmittelverbrauch etwa auf die EVS von 1998. Bei den Angaben zur Nährstoffaufnahme wird nach Alter, Geschlecht und neuen bzw. alten Bundesländern unterschieden. Einzelne Personen mit Unter- oder Überversorgung verschwinden hinter diesen Durchschnittswerten. Dennoch lassen sich aus den Angaben Rückschlüsse zur allgemeinen Versorgungslage und Entwicklungen im Ernährungsverhalten der Bundesbürger ziehen.
In toxikologischer Hinsicht stuft der Ernährungsbericht unser Essen als sicher ein. Allerdings sind Obst und Gemüse aus dem Ausland recht häufig durch Pflanzen- und Vorratsschutzmittel belastet. Paprika überschritten mit 5,6 Prozent der Proben am häufigsten die zulässigen Höchstmengen, gefolgt von Salaten (5,1 %), Karotten (3,5 %) und Tomaten (3,3%). Beim Obst führen Tafeltrauben (8,1 %) die Spitze an vor Erdbeeren (4,4 %) und Papaya (3,5 %).
Wachsend ist auch der Markt für Nahrungsergänzungsmittel, besonders mit Folsäure, Vitamin E und C. Unter den Mineralstoffen dominieren Magnesium, Calcium, Zink und Selen. Was die Verbraucher schlucken, folgt offenbar weniger ernährungsphysiologischen Überlegungen. Vielmehr scheinen Werbung und der Preis den Ausschlag für die Einnahme zu geben. Viele Hersteller setzen ihren Produkten sogar größere Mengen Vitamine zu, als sie angeben. So können sie die deklarierten Mengen innerhalb der angegebenen Mindesthaltbarkeit garantieren, obgleich sich ein Teil der Vitamine während der Lagerung abbaut. Durch das unübersichtliche und steigende Angebot an Nahrungsergänzungen und angereicherten Lebensmitteln lässt sich die Gefahr von Überdosierungen kaum abschätzen. Allerdings halten die Autoren die vorliegenden Daten nicht für ausreichend, um sinnvolle Regeln für Höchstmengen festzusetzen. Ob sich die Nährstoffversorgung durch angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungen tatsächlich verbessert, lässt sich aus den Daten ebenso wenig ablesen wie eine mögliche Überdosierung.
Ob besseres Ernährungswissen tatsächlich zu einem gesünderen Ernähungsverhalten beiträgt, untersuchten Wissenschaftler in Bayern. Dabei zeigte sich, dass Frauen in Sachen Ernährung informierter sind als Männer. Je besser sich die Verbraucher mit Ernährungsfragen auskennen, desto mehr Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte essen sie und desto mehr Tee trinken sie. Der Verzehr anderer Lebensmittel wie Fleisch, Eier oder Alkohol bleibt davon aber unbeeinflusst. Unter dem Strich ist Cholesterin der einzige unerwünschte Inhaltsstoff, dessen Zufuhr mit steigendem Wissensniveau sinkt. Alle anderen Inhaltsstoffe, die nur in begrenzten Mengen aufgenommen werden sollten, wie Fett, gesättigte Fettsäuren, Alkohol oder Purine, zeigen nur geringe nicht signifikante Beziehungen zum Ernährungswissen.
Zur Vermittlung von Ernährungswissen sieht der Ernährungsbericht das Potenzial des Fernsehens noch viel zu wenig genutzt. Statt dessen animieren Werbespots vor allem zum Kauf von Süßigkeiten und fetten Snacks, die gefolgt von Alkohol an der Spitze der Werbezeit liegen. Die Verfasser empfehlen, dass Institutionen wie die DGE das Medium in ihre Öffentlichkeitsarbeit einbeziehen sollten, etwa durch unterhaltsame und spannende Informationen oder Aufklärungsspots.
Gegen das zu fette und süße Essen der Deutschen empfiehlt der Ernährungsbericht drei Gegenmittel: Aufklärung, aktive Bewegung plus eine obst- und gemüsereiche Vollwertkost. In diesem Sinne: Vollwertigen Appetit!
Der Ernährungsbericht 2004 kann im Buchhandel oder direkt beim DGE-Medienshop bestellt werden: DGE-Medien Service, Bornheimer Str. 33b, D-5311 Bonn.| Zum Ausdrucken und/oder Abspeichern können Sie sich den Artikel hier auch herunterladen: Um das PDF aufzurufen, benötigen
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