Längst sind nicht mehr nur Calcium, Magnesium oder Eisen als Nahrungsergänzung gefragt. Auch Zink ist in Mode gekommen. Wer gestresst ist, zu Infekten neigt oder intensiv Sport treibt, soll seinen Körper mit Zink wieder auf Vordermann bringen können. Was ist dran an den Werbeversprechen?
Das Spurenelement ist wesentlich daran beteiligt, im Erbgut gespeicherte Informationen richtig zu lesen und umzusetzen. Es wirkt mit beim Aufbau von Nukleinsäuren und Eiweiß sowie im Stoffwechsel von Geschlechts- und Schilddrüsenhormonen. Dadurch werden Wachstums- und Entwicklungsprozesse sowie die Zellerneuerung entscheidend beeinflusst. Als Bestandteil von Salben zur Wundheilung ist Zink vielen bekannt. Darüber hinaus stabilisiert es die Zellmembranen, schützt den Organismus vor Schäden durch Sauerstoffradikale und ist unerlässlich für die Entwicklung, Reifung und Funktion des Immunsystems. Auch der Säure-Basen-Haushalt ist auf den Mineralstoff angewiesen. Ohne Zink wäre der Körper nicht in der Lage, Kohlendioxid über die Lunge auszuscheiden.
Zink kommt in allen Körpergeweben und -flüssigkeiten vor. Den größten Anteil weisen Muskulatur und Knochen mit 60 bzw. 30 Prozent auf. Besonders konzentriert liegt das Spurenelement in Haaren, Haut, Nägeln sowie der Netzhaut des Auges und den Geschlechtsorganen vor. Auch die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse sind reich an Zink. Das Blut enthält 1-2 Prozent des Gesamtbestandes, wovon der größte Teil in den Erythrozyten, den roten Blutkörperchen, vorliegt. Freies Zink, das sich im Blut befindet, macht nur 0,1 Prozent aus.
Ein Mangel scheint auch durch Diabetes mellitus begünstigt zu werden. Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel werden vermehrt Urin und darin gelöstes Zink ausgeschieden. Da das Spurenelement bei der Synthese, Speicherung und Abgabe von Insulin sowie bei der Insulinwirkung eine Rolle spielt, können solche Zinkverluste, besonders bei Typ-2-Diabetes, den Kohlenhydratstoffwechsel weiter beeinträchtigen.
Zink hilft darüber hinaus, Gefäßschäden vorzubeugen. Denn es schützt den Organismus direkt oder zusammen mit anderen Antioxidantien vor freien Radikalen, die an der Entwicklung einer Arteriosklerose ursächlich beteiligt sind.
Gegenwärtig gibt es keine zuverlässige Methode, den Zinkstatus des Menschen zu bestimmen. Weder die Zinkkonzentrationen im Blut oder in bestimmten Blutzellen noch die in Haaren oder Urin sind geeignet, eine latente Unterversorgung anzuzeigen. Sie werden nicht nur durch die Nahrung beeinflusst, sondern auch durch andere Faktoren wie Infektionen. Der Serumspiegel schwankt zudem im Tagesverlauf und in Abhängigkeit vom Lebensalter. In Zukunft gibt möglicherweise die Bestimmung von Metallothioninen genauer darüber Auskunft, wie gut es um die Zinkversorgung steht. Diese Proteine benötigen Mineralien wie Zink, um freie Radikale abfangen zu können. Ihre Konzentration scheint im Gegensatz zu den Zinkwerten im Blut weniger von äußeren Einflüssen abhängig zu sein.
Zink ist in Lebensmitteln weit verbreitet. Gute Quellen sind Fleisch, Eier und Milchprodukte. Dunkles Fleisch (Rind) enthält mehr als helles (Huhn). Bei der herkömmlichen Ernährung mit einem hohen Anteil an tierischen Lebensmitteln tritt ein Mangel nur sehr selten auf. Durch den Verzehr von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten sowie Nüssen, die ebenfalls reichlich Zink enthalten, nehmen aber auch Vegetarier ähnliche Mengen Zink auf. Allerdings ist die Verfügbarkeit aus tierischen Lebensmitteln mit 20-40 Prozent besser als aus pflanzlicher Nahrung, wo sie 10-20 Prozent beträgt. Eiweiß, besonders tierisches, fördert die Resorption, da es mit Zink gut lösliche Komplexe bildet.
Im Getreide sitzt das Zink vornehmlich in den Randschichten. Auszugsmehl enthält deshalb deutlich weniger als Vollkornmehl. Allerdings befindet sich in den Randschichten auch Phytat, das mit Zink schwer aufzuschließende Verbindungen bildet und so die Verfügbarkeit deutlich herabsetzt. Dieser Effekt ist bei Sauerteigbrot deutlich abgeschwächt. Denn während der Teigführung bauen Enzyme das Phytat teilweise ab und setzen das Zink frei. Zudem enthalten Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte so viel Zink, dass die hohen Mengen die ungünstigen Wirkungen des Phytats mehr als ausgleichen. Ferner scheint sich bei langjähriger vegetarischer Ernährung der Körper an die Phytatmengen zu gewöhnen und Mineralstoffe besser ausnutzen zu können. Eine Studie zur Zinkversorgung von Schwangeren ergab, dass die untersuchten Vollwertköstlerinnen überraschenderweise sogar besser mit dem Spurenelement versorgt waren als Mischköstlerinnen.
Vermutlich konkurriert Zink mit anderen Mineralien wie Calcium, Eisen, Selen und Kupfer um die gleichen Resorptionsmechanismen. Daher kann die Aufnahme beeinträchtigt sein, wenn einer der Mineralstoffe in großen Mengen, z. B. durch Supplemente, zugeführt wird. Zink und Eisen sind in der Schwangerschaft gleichermaßen für einen komplikationsfreien Verlauf und eine gesunde Entwicklung des Kindes notwendig. Deswegen sollten besonders Schwangere Mineralstoffpräparate nicht isoliert und unkontrolliert einnehmen. Schon die kurzfristige Zufuhr von über 30 Milligramm Zink am Tag kann den Eisen- und Kupferstoffwechsel beeinträchtigen. Personen, die in einer Untersuchung sechs Monate lang täglich 25 Milligramm Zink einnahmen, zeigten eine verminderte Aktivität der Natürlichen Killerzellen, die für die Immunabwehr eine wichtige Rolle spielen. Zwar wurde auch bei leichter Unterversorgung beobachtet, dass bestimmte zelluläre Immunantworten eingeschränkt ablaufen. Aber noch ist nicht geklärt, ob diese Effekte eher negativ zu bewerten sind oder sogar für manche Personen wie Allergiker Vorteile bieten.
Zink ist am Energiestoffwechsel des Muskels, dem Proteinaufbau und der Regeneration der Zellen beteiligt. Untersuchungen haben ergeben, dass intensive körperliche Aktivität den Zinkverlust über Schweiß und Urin deutlich ansteigen lässt. Durchschnittlich geht dabei zwei- bis dreimal so viel verloren wie bei Nicht-Aktiven. Kritisch werden die Verluste wahrscheinlich erst, wenn Sportler mehr als 20 Stunden in der Woche trainieren. Über eine sinnvoll zusammengestellte Mischkost und eine erhöhte Nahrungszufuhr, die bei Sportlern üblich ist, lassen sich jedoch selbst diese hohen Zinkverluste ohne Präparate ausgleichen. Gesundheits- und Freizeitsportler decken ihren Zinkbedarf allemal über eine vollwertige Ernährung.
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