Sie ermitteln den Nährstoffgehalt der Mahlzeiten und berechnen aufs Milligramm genau, was an Vitaminen oder Mineralstoffen in der täglichen Kost fehlt. Was Ernährungsprogramme alles leisten können, ist verblüffend. Sowohl für Beratungskräfte als auch Verbraucher bieten sie zahlreiche nützliche Zusatzfunktionen.
Weniger verstecktes Fett und statt dessen viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe - das sind wichtige Anforderungen an eine gesunde Ernährung. Doch wie lassen sich diese Empfehlungen im Alltag umsetzen? Menschen mit Übergewicht, Stoffwechselstörungen oder Allergien müssen bestimmte Einschränkungen beachten und trotzdem optimal mit allen Nährstoffen versorgt sein. Hersteller von Computer-Programmen zur Nährwertberechnung versprechen hier Hilfe. Sie bieten Anwendungen, die speziell auf Betroffene oder Ernährungsprofis zugeschnitten sind. Fachspezifische Software eignet sich insbesondere für Fachkräfte aus der Ernährungsberatung, der Gemeinschaftsverpflegung, der Ernährungsindustrie und der Forschung. Hier können PC-Programme viele zeit- und arbeitsaufwendige Rechenverfahren erleichtern, die sich beispielsweise bei der Erstellung von Nährwertanalysen und -bilanzierungen oder der Optimierung von Kostplänen ergeben.
Daneben wenden sich Hersteller von Fachsoftware auch zunehmend an Verbraucher, um ihnen eine einfache Überprüfung der Nährstoffzusammensetzung ihrer Ernährung zu ermöglichen und ihnen die Zusammenstellung gesunder, bedarfsgerechter Speisepläne zu erleichtern. Doch der Markt an Ernährungsprogrammen ist äußerst unübersichtlich. Die angebotenen Softwareprodukte variieren in ihren Standardfunktionen und Optimierungshilfen teilweise erheblich. Ein wichtiges Unterscheidungskriterium ist der Umfang der zugrunde liegenden Datenbanken. Dort sind die Nährwerte der einzelnen Lebensmittel sowie die Bedarfswerte von Kindern, Erwachsenen, Schwangeren und anderen Personengruppen gespeichert. Zudem verfügen viele Programme über besondere Zusatzfunktionen wie Rezeptregister, Ernährungs- lexika oder Preiskalkulationen.

Ferner arbeiten die Programme mit unterschiedlich vielen Refe-renzwerten über den Energie- und Nährstoffbedarf von verschiedenen Personengruppen wie Kindern oder Schwangeren. Diese Bedarfswerte sind in einer so genannten Richtwertedatenbank gespeichert. Sie sollten den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entsprechen. Für Ernährungsfachkräfte ist es wichtig, dass sich die Richtwerte in den Profiprogrammen an den Gesundheitszustand des jeweiligen Patienten anpassen lassen. Dies ist z. B. bei Übergewichtigen sinnvoll, die kalorien- und fettreduziert essen sollen, oder bei Leistungssportlern, die mehr Energie und Mineralstoffe benötigen.
Eine gute Software für Profis ermöglicht verschiedene Verfahren zur Ernährungserhebung. Für eine schnelle Dateneingabe eignen sich insbesondere standardisierte Ernährungsprotokolle, die Lebensmittel und Getränke mit bereits definierten Portionsgrößen vorgeben. Hier muss der Anwender lediglich die Anzahl der Portionen eingeben, die vom Patienten per Strichliste in ein standardisiertes Protokoll eingetragen wurden. Um das allgemeine Ernährungsverhalten eines Patienten zu überprüfen, bieten einige Profiprogramme auch Möglichkeiten für Ernährungsinterviews. Dazu wird über vorgefertigte Fragebögen erfasst, wie häufig und in welcher Menge Lebensmittel und Getränke üblicherweise verzehrt werden. Diese Form der Ernährungserhebung erspart dem Patienten das Führen eines Ernährungsprotokolls. Allerdings erfasst diese Methode keine exakten Verzehrsmengen. Daher liefert ein Ernährungsinterview nur eine tendenzielle Aussage über die Nährstoffversorgung. Die unterschiedlichen Verfahren der Erhebung ermöglichen es dem Berater, je nach Verwendungszweck und je nach Motivation des Patienten, eine geeignete Methode zu wählen.
Zweckmäßig ist es, wenn sich die Nährwerte nicht nur von einzelnen Lebensmitteln, sondern auch von Rezepten, Menüs und Tagesplänen berechnen lassen. Das gilt sowohl für Verbraucher- als auch Profiprogramme. Da eine bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr meist nur im längerfristigen Durchschnitt erreicht werden kann, ist es sinnvoll, wenn das Programm die aufgenommenen Nährstoffmengen für mehrere Tage berechnen kann.
Manche Programme (DGE-PC professional und Ernährung Aktiv) bieten eine automatische Optimierung mittels "fuzzy logic". Mit diesem mathematischen Optimierungsverfahren überprüft die Software, wie stark die Nährstoffzusammensetzung insgesamt vom Bedarf abweicht. Auf dieser Grundlage werden die Mengen der verzehrten Lebensmittel so verändert, dass sich die zugeführten Nährstoffmengen den Empfehlungen annähern. Vorteil dieser automatischen Optimierung ist, dass sie die individuellen Ernährungsgewohnheiten des Patienten berücksichtigt. Dadurch kann der Speiseplan mit relativ wenigen Veränderungen verbessert werden. Das erleichtert es dem Betroffenen, seine Ernährungsweise umzustellen.

Professionelle Nährwertberechnungsprogramme stellen oft noch weitere Zusatzfunktionen bereit. Besonders hilfreich sind z. B. Funktionen, mit denen sich Wochenspeisepläne erstellen lassen, etwa für eine Reduktionskost mit definiertem Energiegehalt oder eine natriumarme Ernährung. Auch eine Verwaltung der Patientendaten ist eine wertvolle Zusatzfunktion bei Profiprogrammen. Damit lassen sich beispielsweise persönliche Daten festhalten, Gewichtsanalysen erstellen, der Beratungsverlauf dokumentieren und evaluieren oder Serienbriefe an die Klienten anfertigen. Für die Anwendung in Betrieben der Gemeinschaftsverpflegung bieten manche Programme auch besondere Funktionen wie eine Preiskalkulation von Menüs entsprechend der Angaben aus einer mitgelieferten Preisdatenbank. Einige dieser Zusatzfunktionen sind bereits in die Programme integriert. Häufig sind die Anwendungen aber auch in Basisversionen erhältlich, die sich je nach Einsatzbereich durch Zusatzmodule aufrüsten lassen. Dieser Aufbau aus mehreren Bausteinen erlaubt eine vielseitige Verwendung sowohl für alltäglich-praktische Aufgaben, für Beratungszwecke, den Einsatz in der Gemeinschaftsverpflegung und wissenschaftliche Auswertungen.
Programme zur Nährwertberechnung können eine wertvolle Hilfe bei der Auswertung und dem Erstellen von Kostplänen sein. Trotz all ihrer technischen Möglichkeiten und Raffinessen darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass der Computer nur Zahlen liefert. Praktische Hinweise für die Umsetzung im Alltag fehlen. Die Programme sind daher kein Ersatz für eine qualifizierte Beratung. Um den Speiseplan schrittweise zu optimieren, müssen Fachkräfte die Ergebnisse bewerten und gezielte Maßnahmen zur Ernährungsumstellung erarbeiten.
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